Eine Bibliothek für Flüchtlinge in der Kohlenhofstraße

16.9.2012, 10:46 Uhr
Haniyeh und ihre Schwester Ensiyeh freuen sich über den neuen Lese- und Lernort, den sie dem Architekten Günter Reichert zu verdanken haben.

Haniyeh und ihre Schwester Ensiyeh freuen sich über den neuen Lese- und Lernort, den sie dem Architekten Günter Reichert zu verdanken haben. © M. Matejka

Haniye und Ensiyeh haben sich mit dem Ort im Keller des sanierten Fabrikgebäudes bereits angefreundet. Er ist hell und freundlich und bietet eine Menge Platz zum Malen, Spielen, Lesen. Die Schwestern aus Afghanistan sind anderes gewohnt – dort, wo sie mit Eltern und weiteren zwei Geschwistern untergebracht sind, geht es eng zu.

Günter Reichert, der die Bibliothek nicht nur erfunden, sondern auch selbst eingerichtet hat, freut sich über die positive Resonanz der Kinder. „Asylothek“ nennt er sein Projekt. „Ich lebe in der Stadt der Menschenrechte“, sagt er. „Und ich wollte auch einen Beitrag leisten.“ Er möchte den Flüchtlingen mit seiner Bibliothek dabei helfen, die deutsche Sprache schneller zu lernen, er will sie aus der Isolation holen, ihnen die zähe Zeit verkürzen. Dabei ist er selbst auf Hilfe gestoßen. Bei den Verantwortlichen der Stadtbibliothek etwa. Er hat Bücher bekommen, die nicht mehr gebraucht wurden, viele Lexika, Atlanten darunter, Wörterbücher, Lernhilfen.

Und er ist mit ausgemusterten Regalen versorgt worden. „Dafür bin ich sehr dankbar.“ Auch einen Fernseher mit DVD–Player hat er bekommen, gestiftet von einem Nürnberger Unternehmer. Filme gibt es auf Deutsch mit Untertiteln. Was fehlt, ist noch ein Computer für Lernprogramme. Und was sonst noch fehlt: Kinderbücher können gut gebraucht werden, Bildbände über Deutschland und Franken, Wörterbücher, Spiele...

Ab Oktober wird es nach langer Diskussion mit der Regierung von Mittelfranken eine sozialpädagogische Betreuung für die Menschen in dem Flüchtlingsheim geben. Bislang ist nur ein Hausmeister da und niemand, der sich um die Seele der Bewohner kümmert, der Ahnung hat, wie man mit Menschen umgeht, die Leid und Krieg erfahren haben. Die Stadtmission hat sich bereit erklärt, die Flüchtlinge sozialpädagogisch zu betreuen.

Derweil hat Günter Reichert schon eine Reihe neuer Ideen. Er möchte die Asylothek für die Nachbarschaft öffnen, sie einladen zu Vernissagen oder Konzertabenden. „Es ist vieles denkbar.“

Mehr informationen finden Sie unter asylothek.blogspot.de.


 

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