Frankens Berge sind auch von unten schön

13.11.2011, 12:00 Uhr
Dieser Felsbogen heißt "Noristörl". Weitere Bilder von der Wanderung im Internet unter www.nz.de/blogs/lieb.

© Ute Fürböter Dieser Felsbogen heißt "Noristörl". Weitere Bilder von der Wanderung im Internet unter www.nz.de/blogs/lieb.

Vor rund 80 Jahren wurde hier der „Höhenglück-Steig“ eröffnet. Der Name spricht Bände! Der „Noris-Steig“ liefert eine weitere sportliche Herausforderung mit Seltenheitscharakter. Nürnbergs Bergsteiger haben sich nicht umsonst diesen Teil der Hersbrucker Schweiz als „Klettergarten“ auserkoren. Nur: Umrunden tut’s auch. Zumindest, wenn man bekennender Sonntagsausflügler ist.

Der Spaziergang beginnt am Dorfplatz der 1330-Seelen-Gemeinde Hirschbach, also in der Ortsmitte. Sie wird durch eines der prachtvollsten Fachwerkhäuser der Oberpfalz geprägt. Darin befindet sich der Gasthof „Goldener Hirsch“, 1630 erbaut. Sollen wir gleich einkehren? Um vielleicht eine Forelle aus dem Hirschbach, ob blau, gebacken oder geräuchert, zu verspeisen? Später, sonst kommen wir nie auf Touren!

Abstecher in die Vergangenheit

Den „Goldenen Hirsch“ im Rücken, laufen wir Richtung Eschenfelden. Variante eins: der Talstraße folgen, doch die parallel verlaufende Alte Dorfstraße ist ruhiger. So oder so gelangen wir nach wenigen Minuten zum Friedhof. Außerhalb des Gottesackers steht ein hölzerner Wegweiser.

Darauf ist auch der Bruckberger Weg verzeichnet, den wir wandern wollen. Die Rundtour ist nur 6,1 Kilometer lang. Deshalb leisten wir uns spontan einen Abstecher in die Vergangenheit. Der bietet sich an, weil genau gegenüber Hirschbachs historischer Ortsteil „Hammer“ liegt.

Schon im 14. Jahrhundert wurde am Bach ein Eisen-und Kupferhammer betrieben. Die Abnehmer der hier erzeugten Schienen- und Stabeisen saßen in Mitteldeutschland, Ungarn, Italien und sogar in Südfrankreich. 1580 nahm eine Papiermühle den Betrieb auf – wieder wurde die Wasserkraft des Hirschbachs genutzt.

Hammerherren im Wasserschlösschen

Mehr als 300 Jahre später verlegte man sich auf die Papiertrocknung. Die Mahlmühle dafür ist bis zum heutigen Tag funktionsfähig. Hirschbachs Hammergut blieb als nahezu geschlossenes Ensemble erhalten. Vom Papiererhaus angefangen, in dem 1887 letztmals Papier hergestellt wurde, über die Kirche, 1458 bis 1460 als Schlosskapelle erbaut, bis hin zum Hammerschloss.

Diese Bezeichnung trügt. Die zumeist adligen Hammerherren bewohnten einen schlichten dreistöckigen Bau. Er wurde von einem tiefen Wassergraben nebst Zugbrücke gesichert – früher. Jetzt wird das alte Wasserschlösschen gerade aufwendig restauriert. Rund 100 Jahre beherbergte es ein Gasthaus. Vorbei. Seit 2004 befindet sich das Anwesen wieder in Privatbesitz. Das machte zwar die Rettungsaktion möglich, doch Otto Normalverbraucher bleibt wie gehabt außen vor.

Zurück zum Wegweiser. Von nun an folgen wir dem gelben Kreis. Den finden wir an jeder Gabelung – ein Kinderspiel also, sich auf der Strecke zurechtzufinden! Während wir am Schleißberg vorbei durch ein Kerbtal wandern – na ja, schnaufen, denn bis zur Hochfläche geht es zügig bergan –, können wir uns ganz auf die Natur einlassen.

In dieser Gegend wachsen noch geschützte Pflanzen, allen voran Orchideen. Sie zu entdecken, bleibt Kennern vorbehalten – uns ist es nicht vergönnt. Wir freuen uns über: Stille, die hörbar ist. Tau, der auf Gräsern funkelt. Buchenwald, den die Herbstsonne aufglühen lässt. Moosbewachsene Felsbrocken links und rechts.

Paradies für Schnecken

Auf der Höhe trifft der Bruckbergweg auf den mit Rotpunkt markierten Peter-Schöner-Weg des fränkischen Albvereins. Beide führen uns unterhalb der wuchtigen Felsabstürze des „Schwarzen Brand“ durch prächtigen Buchenwald. Eine kleine Lichtung öffnet sich. Hier beginnt der „Höhenglück-Steig“. Teil 1 ist angeblich harmlos im Vergleich zu Teil 3.

Hirschbach ist überall.

Hirschbach ist überall.


Kletterfreunde streben an uns vorbei. Wieder und wieder, bloß Schnecken sehen wir nicht. Dabei wurden von den rund 300 aus ganz Bayern bekannten Binnenmollusken (Landschnecke, Wasserschnecke, Muscheln) im nördlichen Teil der Frankenalb immerhin 191 Arten nachgewiesen. Die Tiere lieben das kalkhaltige Ausgangssubstrat des Weißen Jura.

Aber weiter! An der Bank „Zum Höhenglück“ legen wir eine Pause ein – oder auch nicht. Der Weg wird kurz abschüssig, danach trennen sich Bruckberg- und Peter-Schöner-Weg. Mit Gelbkreis nähern wir uns systematisch dem „Noristörl“. Wir kommen am wilden „Azelstein“ mit dem

„Castell“ und dem „Brettl“ vorbei. Hin und wieder lassen wir die Route Route sein, um abseits Höhlen in Augenschein zu nehmen.

Der Hirschbacher Höhlenrundweg führt über eine Strecke von 20 Kilometern an sage und schreibe 30 Höhlen vorbei. Kurz vor dem „Noristörl“ macht der Weg einen scharfen Rechtsknick. Schließlich stehen wir vor dem drei Meter hohen, kühn geformten

Felsenbogen. Das ist der Höhepunkt der Tour. Danach treten wir den Rückweg an. Dazu folgen wir zunächst den eigenen Spuren: Etwa fünf Minuten gehen wir die Strecke zurück. Bis zu einem Wegweiser – er zeigt uns den Weg hinunter ins Hirschbachtal.

Nach dem langen Aufenthalt im Wald erscheint die Hochebene mit Feldern und Wiesen umso lichter. Wieder kommen wir zu einem Wegweiser, für kurze Zeit folgen wir Rotpunkt. Aber nur bis zur nächsten Gabelung, weil wir da wieder auf Gelbkreis treffen.

Die Markierung leitet uns unterhalb der imposanten Mittelbergwand bis nach Hirschbach hinunter. Schon von weitem hören wir die Straße, sehen können wir sie noch nicht. Der „Prinzregent Luitpold Turm“ dagegen ist weithin sichtbar. Seit 1905 erhebt er sich zehn Meter über Hirschbachs „Hammerleite“. Der ehemalige Aussichtsturm ist eine markante

Orientierungshilfe für Ortsfremde. Auch wir wandern darauf zu. Manchmal stehen wir still, um beim Blick über den Ort Abschied zu nehmen.

Anfahrt: Mit der R3 bis Hersbruck (rechts der Pegnitz), dann mit dem Bus 446, dem FrankenPfalz-Express, weiter bis Hirschbach.

Tour-Dauer: Ohne Abstecher 1,5 Stunden, allerdings etwa 300 Meter Steigung.

Weitere Einkehrmöglichkeiten:

Gastwirtschaft „Norissteig“ am Schmiedeberg 6. Genau wie im „Goldenen Hirsch“ ist montags Ruhetag. Geöffnet hat dann der Gasthof „Zur Mittelbergwand“ in der Talstraße 12 (Donnerstag Ruhetag).


 

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