Ich hab mein Buch allein gemacht

26.7.2019, 11:21 Uhr
Der Traum der 36-jährigen Michelle Schrenk aus Allersberg ist in Erfüllung gegangen: Sie ist erfolgreiche Buchautorin. Hier gibt sie Tipps, wie das klappt, wenn man sich um alles selbst kümmert.

Der Traum der 36-jährigen Michelle Schrenk aus Allersberg ist in Erfüllung gegangen: Sie ist erfolgreiche Buchautorin. Hier gibt sie Tipps, wie das klappt, wenn man sich um alles selbst kümmert. © Foto: Nathalie Majewski/NamamaFotografie.

Sie schreibt zauberhafte Liebesromane mit großem Erfolg: Ihr Debütroman "Unter halbblauem Himmel" kletterte auf Anhieb unter die besten zehn Platzierungen der Amazon-Kindle-Charts. Ihr Roman "Kein Himmel ohne Sterne" wurde sogar zum Kindle-Bestseller des Jahres 2017 und hat den Weg auf die BILD-Bestsellerliste gefunden. Das alles hat sie ganz in eigener Regie auf die Beine gestellt – als Self-Publisherin.

Self-Publishing bedeutet, ganz ohne Verlag ein Buch zu schreiben, herauszubringen und es selbst zu vermarkten. Das kann als E-Book oder in gedruckter Form an den Leser gebracht werden.

"Es ist ganz spannend zu beobachten, wie rasant sich diese junge Branche seit 2011 im deutschsprachigem Raum entwickelt", weiß Branchenkenner Lutz Kreutzer zu berichten. Er veranstaltet den jährlich stattfindenden Self-Publishing-Day, der sich innerhalb der Branche sozusagen als eine Art Klassentreffen etabliert hat. Dazu kam auch heuer wieder die Schreibergemeinde im malerischen Ambiente der Nürnberger Burg zusammen – die imposanten Räumlichkeiten im Tagungszentrum der Jugendherberge gaben den passenden Rahmen. Das Besondere dieses Branchentreffens: Unabhängige Autoren und Verlagsautoren, Bestsellerautoren und Einsteiger treffen sich in lockerer Atmosphäre. Sie erweitern ihr Netzwerk. Sie tauschen Erfahrungen aus. In Workshops, Vorträgen oder einfach beim ungezwungenen Plausch bei einer Tasse Kaffee oder beim Mittagessen.

Aber nicht nur. Laut Kreutzer hat die Qualität im Self-Publishing mittlerweile ein hohes Niveau erreicht: "Die erfolgreichen Autoren arbeiten alle sehr professionell. Was sie veröffentlichen, steht den Verlagstiteln in nichts nach", kann der Branchen-Fachmann bescheinigen. Self-Publishing hat also die klassische Bücherwelt ganz schön auf den Kopf gestellt. So kommt es, dass sich unter den Besuchern der Tagung mittlerweile auch Literaturscouts und Agenten tummeln sowie Verlage, um frische, neue Talente aufzuspüren. "Es ist dann nicht selten, dass klassische Verlage erfolgreichen Autoren gute Angebote unterbreiten", erzählt Kreutzer.

Wichtig ist dabei natürlich eine gute Marketingstrategie: In den unterschiedlichen Workshops und Vorträgen können die Autoren außerdem Kniffe und Tipps erfahren, die das Schriftstellerleben leichter machen. Wie sie zum Beispiel "Aufschieberitis" bekämpfen und ihr Manuskript nach System überarbeiten. Oder wie sie ihre Fangemeinde via Facebook, Instagram und Co. ansprechen können. Das ist ein ganz wichtiges Thema. Denn: Als Self-Publisher müssen sie sich selber um ihr komplettes Marketing kümmern. "Ein E-Book einfach hochzuladen, reicht natürlich nicht aus. Es braucht schon ein gutes Marketing, das zum Buch passt", gibt Michelle Schrenk zu bedenken.

Ihre Marketingstrategie hat offensichtlich gefruchtet. Denn mittlerweile konnte sie mit all ihren Erscheinungen an die 400 000 Exemplare verkaufen. "Damit lässt sich schon gutes Geld verdienen", verrät sie bescheiden. Ein Jahresverdienst im sechsstelligen Bereich sei als erfolgreicher Autor im Self-Publishing durchaus zu erzielen.

Ein Geheimrezept, wie man denn auf den gängigen Plattformen wie Amazon und Co. nun garantiert einen Bestseller platziert, hat Michelle Schrenk für angehende Self-Publisher leider nicht wirklich parat. Aber sie kann ein paar Kniffe verraten: Das Cover sollte auf jeden Fall von einem Profi erstellt werden und zum Buch passen. "Bei "Kein Himmel ohne Sterne" war es ein echter Hingucker", sagt sie stolz. Außerdem sollte natürlich der Klappentext Lust auf mehr beziehungsweise auf das ganze Buch machen. Und mit ihrem Titel hat sie wohl damals den Nerv der Leser getroffen, meint sie. Oder besser gesagt: den ihrer zahlreichen Leserinnen. Immerhin sind Frauen das Gros der Leserschaft von elektronischen Self-Publishing-Erscheinungen. Für welche Zielgruppe man schreibt, ist also unverzichtbar zu wissen. Ein äußerst wichtiger Punkt ist das Lektorat. "Ohne geht gar nicht", sagt Schrenk. "Und damit meine ich nicht, kurz mal die Schwiegermutter oder die Lehrerin aus der Nachbarschaft drüber lesen lassen. Es sollte unbedingt ein Profi ans Werk."

Das perfekte Zusammenspiel all dieser Faktoren – und vielleicht ein großes Quäntchen Glück haben ihr Buch dann auf Platz Eins der Kindle-Charts katapultiert.

 

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