Im Duft lustwandeln, wie einst die Fürsten

14.8.2010, 00:00 Uhr
Blick auf den Bamberger Rosengarten. Links steht ein Flügel der Neuen Residenz, davor der Teehaus-Pavillon des Hofbaumeisters Johann Michael Küchel aus dem Jahre 1756. Ganz im Hintergrund die Klosterburg St. Michael. Weitere Bilder vom Rosengarten im Internet unter blog.nz-online.de/lieb (ohne www davor).

Blick auf den Bamberger Rosengarten. Links steht ein Flügel der Neuen Residenz, davor der Teehaus-Pavillon des Hofbaumeisters Johann Michael Küchel aus dem Jahre 1756. Ganz im Hintergrund die Klosterburg St. Michael. Weitere Bilder vom Rosengarten im Internet unter blog.nz-online.de/lieb (ohne www davor).

Der Nase kann man nicht nachgehen – jedenfalls noch nicht. Zunächst müssen wir den Dom und die Alte Hofhaltung samt Historischem Museum links liegen lassen. Dann schlendern wir hinüber zur Neuen Residenz. Der erste große Schlossbau des Absolutismus in Franken besitzt sehenswerte Prunkräume. Außerdem locken Meisterwerke der altdeutschen Malerei und der europäischen Barockmalerei. Ein Flügel der Residenz beherbergt die Staatsbibliothek Bamberg.

Das alles ignorieren wir ausnahmsweise. Wir treten trotzdem durch das hohe Flügeltor. Die Einfahrt besitzt noch die hölzerne Pflasterung. Über sie gelangten zu Zeiten der Fürstbischöfe die Kutschen geräuschärmer als über Stein in den Innenhof. Ihn begrenzt rechts die alte Burgmauer. Schon 1703 trennte sie Wirtschaftshof und Garten.

Skulpturen aus der antiken Mythologie, geschaffen von Ferdinand Tietz  von 1760 bis 1971,  stehen – allerdings nur in Kopie – zwischen den 4500  duftenden Rosen.

Skulpturen aus der antiken Mythologie, geschaffen von Ferdinand Tietz von 1760 bis 1971, stehen – allerdings nur in Kopie – zwischen den 4500 duftenden Rosen.

Rosen ranken neben der Pforte. Wir gelangen ins Innere, ohne einen einzigen Cent zu bezahlen. Die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen macht es möglich. Nun sind wir am Ziel - und überwältigt. Denn auf den von Buchshecken eingefassten Beeten blühen 4500 Rosenstöcke in knapp 50 verschiedenen Sorten. Ein leuchtendes Meer in den verschiedensten Schattierungen zwischen weiß, gelb und rot. Das Auge kann sich nicht satt sehen. Und wie es duftet aus den über 70 Beeten! Vorausgesetzt, man ist zum richtigen Zeitpunkt gekommen. Denn Duftwolke, Schneewittchen, Gruß an Bayern, Freude, Feuerzauber, Allgold und Co. verströmen ihre Schönheit nicht immer gleichbleibend verschwenderisch. In ihrer vollen Pracht stehen sie nur im Juni und im August.

Etwas blüht immer

„Aber etwas blüht immer“, versichert Baptist Ruß von der Schloss- und Gartenverwaltung Bamberg. Die Anlage ist etwa 3500 Quadratmeter groß. Hinten entdecken wir einen

Gartenpavillon im Stil des Rokoko. Dort werden wir einkehren. Später. Jetzt möchten wir lustwandeln. Zwischen Rosen und Skulpturen aus der antiken Mythologie. Und rund um den Springbrunnen. Den Brunnen umgibt ein geschnittener Baumkranz von Linden. Linden umsäumen auch den Garten. An der Burgmauer bilden sie einen schattigen Gang. Gegenüber ziehen sie sich entlang der kunstvollen Balustrade mit ihren Altanen. Apropos: Diese balkonartigen Vorsätze müssen wieder und wieder für Erinnerungsbilder herhalten. Und in allen Sprachen erschallt der Ruf: „Ach, was für eine schöne Aussicht!“

„Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose.“ (Gertrude Stein)

„Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose.“ (Gertrude Stein) © Ute Fürböter

Der Blick ist wirklich grandios. Auch dafür ist der Rosengarten berühmt. Man schaut über die Altstadt des „Fränkischen Rom“, wie Bamberg auch genannt wird, hinüber zum Kloster Michelsberg und von da weit ins Landesinnere. In der Ferne erkennen wir sogar die Giechburg. Auf jene Burg wurde der Bamberger Domschatz einst gerettet. Der Rosengarten hat eine eigene Historie. Sie reicht weit zurück. „Schon 1602“, erzählt Baptist Ruß, „existierte hier ein Garten.“

Der stellvertretende Verwaltungsvorstand weiß viel Interessantes – wir haben Mühe, es kurz zu machen. 1733 ließ Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn den schon bestehenden Renaissancegarten in einen Barockgarten umwandeln. Die Planung übertrug er dem renommierten Baumeister Balthasar Neumann. Ihm verdankt die Anlage ihre regelmäßige, symmetrische Gestaltung.

Das klare System von Wegen, geometrischen Beetformen und Rondellen blieb im Wesentlichen bis in die heutige Zeit erhalten. Zwar wurde der westliche Teil von den Ulanen ab 1901 als Tennisplatz missbraucht, aber zum Glück nur vorübergehend. 1919 erfolgte die Neubepflanzung. 1955 sowie 1968/69 sind die letzte Neugestaltungen vorgenommen worden. Der Bamberger Rosengarten gilt als erstes Rosarium Frankens. Das ist allein der Herzogin Anna Maria zuzuschreiben. Die Schwester König Maximilians I. soll in ihre Privatschatulle gegriffen haben, um im vormaligen bischöflichen Hofgarten 500 Rosenstöcke und andere Blumen pflanzen zu lassen. Gemüse, von jeher üblich hier, war fortan verpönt.

Etwa 1,5 Millionen Besucher jährlich strömen heutzutage in den Rosengarten. Er ist trotzdem eine Oase der Ruhe. Wer es nicht glaubt, sollte hingehen.

Anreise: R-Bahn R2 bis Bahnhof Bamberg, umsteigen in Stadtbus 902 bis Bamberg ZOB, dann bis Domplatz Stadtbus 910 benutzen bzw. in Tageszeiten mit schwacher Nachfrage eine halbe Stunde vor Fahrtantritt Anruflinientaxi unter 0951/14443 bestellen (Normaltarif).

Öffnungszeiten: April bis September von 9–18 Uhr, Oktober bis März von 10–16 Uhr.

Einkehr: Café-Restaurant im Rosengarten oder in einem der zahlreichen Gasthäuser der Altstadt