Neue Blüte

26.5.2017, 11:34 Uhr
Almut Uhl erforscht das Erlanger Herbar, in dem 180 000 Pflanzenbelege versammelt sind. Darunter auch besondere Stücke wie diese damals neu beschriebene Orchidee. Foto: privat

Almut Uhl erforscht das Erlanger Herbar, in dem 180 000 Pflanzenbelege versammelt sind. Darunter auch besondere Stücke wie diese damals neu beschriebene Orchidee. Foto: privat

"Die ältesten stammen etwa von 1790", sagt Biologin Almut Uhl. Manche sind die ersten Nachweise für eine Art. Die Belege geben nicht nur Auskunft darüber, was in jener Zeit an den Sammlungsorten in Nordbayern wuchs, sondern auch, wie damals Botanik betrieben wurde.

"Die meisten Botaniker waren Mediziner oder Pfarrer", erzählt Uhl. Sie klassifizierten die Pflanzen vor allem nach ihrem Aussehen. "Wir untersuchen, wie man damals versucht hat, Natur zu strukturieren, und wie die Wissenschaftler miteinander kommuniziert haben." Reisen, Briefwechsel und der persönliche Austausch waren schließlich unsichere und beschwerliche Unterfangen.

Das Herbar in Erlangen ist aber auch ein Beispiel dafür, wie moderne Methoden plötzlich unerwartete Gelegenheiten schaffen und Objekte in Sammlungen neu erforscht werden können. "Aktuell planen wir Gen-Analysen von unseren Herbar-Belegen", sagt Uhl. Damit können die gesammelten Arten genau bestimmt und voneinander abgegrenzt werden. Das könnte auch Konsequenzen für die Taxonomie, das Klassifikationsschema, der Pflanzen haben. Manches, was gestern noch als Orchidee galt, ist nach dem Blick ins Erbgut plötzlich etwas ganz anderes. "Da wird in der Botanik im Moment ganz viel umgeschmissen."

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