Wöhrder See: Nur noch ein Rentnerparadies?

18.4.2011, 07:45 Uhr
Planschen und schwimmen im Wöhrder See, wie auf dieser Fotomontage, das wünschen sich die Kinder aus Wöhrd. Aus hygienischen Gründen ist dies vorerst nicht möglich, der See-Umbau könnte aber Perspektiven bringen. Allerdings fürchten sich auch einige Anwohner vor einem Seebad mitten in der Stadt.

© Hippel, Distler/Fotomontage: NN-Grafik Planschen und schwimmen im Wöhrder See, wie auf dieser Fotomontage, das wünschen sich die Kinder aus Wöhrd. Aus hygienischen Gründen ist dies vorerst nicht möglich, der See-Umbau könnte aber Perspektiven bringen. Allerdings fürchten sich auch einige Anwohner vor einem Seebad mitten in der Stadt.

Deutlich mehr als 200 Bürgerinnen und Bürger waren in die Thusneldaschule gekommen, um sich von Ulrich Fitzthum, Leiter des Wasserwirtschaftsamts, und Peter Pluschke, Umweltreferent, über den Stand der Planungen zu informieren und um selber Ideen und Anregungen einzubringen.

„Wir wollen Meinungen, Einschätzungen, Ansichten und Ideen mitnehmen“, sagte Pluschke. Um Algenwachstum sowie Verlandung zu verhindern und damit die Wasserqualität dauerhaft zu verbessern, hatte das Wasserwirtschaftsamt vor einigen Wochen vorgeschlagen, die Fließgeschwindigkeit durch den Einbau von Inseln zu erhöhen. Dabei soll der See in eine Öko- und Freizeitzone getrennt werden. Die Verlandung und Einschwemmung von kleinen Partikeln haben dazu geführt, dass ein Drittel der Seefläche nurmehr eine Wassertiefe zwischen 20 und 40 Zentimetern hat, so Klaus Winkelmeier vom Wasserwirtschaft. 300000 Kubikmeter Schlamm müssten entsorgt werden.

Vonseiten des Amts gibt es auch Ideen für eine Kinderbadebucht beim Norikus, einen Sandstrand sowie einen Holzboulevard knapp über der Wasseroberfläche am Nordufer des Sees. Der Sandfang bei der Satzinger Mühle soll für einen Fischweg aufgebrochen werden. Im Zuge der Modernisierung der 40 Jahre alten Seelandschaft soll auch das Umfeld des Wöhrder Sees auf den neuesten Stand gebracht werden. Klaus Köppel vom Umweltamt möchte die Radwege neu anlegen und eine bessere Zugänglichkeit des Sees erreichen.

Annette Gröschner vom Bürgerverein Nürnberg-Jobst-Erlenstegen wünschte sich, dass der See als See bleiben soll: „Viele in unserem Verein sagen, er soll bleiben wie er ist.“ Auf keinen Fall dürfe zu viel „Künstliches mit Remmidemmi“ zugelassen werden. Die Bevölkerung am Wöhrder See dürfe nicht belastet werden. Ein Wasserspielplatz und ein Bewegungsplatz für alle Generationen seien sinnvoll. Knut Engelbrecht vom Vorstadtverein Nürnberg-Wöhrd forderte eine bessere Zugänglichkeit und eine Aufwertung des Umfelds: „Es muss ein Naherholungsgebiet bleiben.“

Wolfgang Köhler vom Bürger- und Geschichtsverein Mögeldorf kritisierte, „dass der See an vielen Stellen nicht zu sehen ist“. Arif Tasdelen vom Vorstadtverein Gleißhammer-St.Peter verlangte eine bessere Regelung des Zusammenspiels von Radfahrern, Fußgängern und Inline-Skatern: „Das muss besser organisiert werden.“ Sinnvoll sei eine doppelte Wegführung und damit die Trennung von Fußgängern und Fahrradfahrern.

Bei der Diskussion mit den Bürgern stellte sich schnell heraus, dass die Befürchtungen bei den Anliegern groß sind, neue Freizeiteinrichtungen würden zu mehr Lärm führen. Zur geplanten kleinen Badebucht beim Norikus sagt Hausverwalterin Weber: „Baden ist immer mit Geschrei verbunden.“ Auch würden Badeeinrichtungen nachts von Jugendlichen benutzt werden. Ein anderer Anlieger befürchtete durch bauliche Änderungen am See Hochwasser in Wöhrd. Sabine Geret, die eine Kinderkrippe am Wöhrder See betreut, fand dagegen die Vorschläge des Wasserwirtschaftsamts „klasse“.

Michael Heitz, der eine „stehende Welle“ für Surfer im See haben möchte – Vorbild ist für ihn die Isar in München – stieß, wie auch die Befürworter einer Kanu- und Kajakstrecke, auf wenig Gegenliebe bei den meisten Älteren im Publikum. Nur ein älterer Spaziergänger verteidigte das Anliegen der Jugendlichen: „Für die jungen Leute muss doch auch etwas getan werden.“ Beate Griesshammer verwies dagegen auf den Status Landschaftsschutzgebiet und lehnte deshalb neue Freizeitaktivitäten ab.

Ende Juni soll jetzt ein erstes Konzept vorliegen, das auch die Radwege und Freiflächen umfasst. Für Otto Heimbucher kamen die Vorschläge zu früh, denn das hydrologische Konzept, wie die Fließgeschwindigkeit der Pegnitz verändert werden kann, liege noch nicht vor. Fitzthum machte am Ende deutlich, dass der Umbau kein Wunschkonzert sein wird, denn Veränderungen seien nur an den Stellen möglich, die aus technischen Gründen umgestaltet werden. Das sei bei den Vorschlägen des Wasserwirtschaftsamts berücksichtigt worden.

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