Fahrbericht: Cupra Formentor VZ 2.0 TSI 4Drive

6.11.2020, 19:53 Uhr

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Wie er aussieht: Formidabel. Auf 4,45 Metern Länge versammelt der Spanier Stilelemente vom Coupé und vom SUV, was ihm herstellerseitig das Etikett "CUV" beschert. Der Formentor markiert das erste eigenständige Modell von Seats Sportmarke Cupra, technisch basiert er auf dem Modularen Querbaukasten (MQB) des Volkswagen-Konzerns, auf dem auch VW Tiguan oder Audi Q3 aufbauen.

Dem Sportlichen fühlt sich der Formentor unübersehbar verpflichtet, mit langer Motorhaube, scharf ins Blech gepressten Bügelfalten, entschlossenen, aber nicht aggressiven Gesichtszügen, einem Leuchtenband quer übers knackige Heck und vier Auspuffendrohren. Am und im Fahrzeug verteilt findet sich das bronzefarbene Cupra-Logo, es prangt an Kühlergrill und Heck, selbst die Aluräder und die Bremssättel tragen die Signaturfarbe der neuen Marke.   

Wie er eingerichtet ist: Auch die Innenarchitekten haben die Zielführung ihres Zeichenstifts auf "sportlich" gestellt. Seine Passagiere platziert der Formentor auf bequemen und dennoch festen Halt gewährenden Sportsitzen, Verarbeitungsqualität und Materialauswahl fallen wertig aus, der Mini-Wählhebel für die Fahrstufen ist ein cooles Detail, und dass der Kfz-Schlüssel genau in eine der Ablageflächen auf der Mittelkonsole passt, finden wir nicht nur schön gelöst, sondern auch schlichtweg praktisch.

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Was die Instrumentierung betrifft, zeigt sich der Spanier ganz auf Digitalisierung gepolt. Das hat Licht- und Schattenseiten. Topmodern sieht dieses Interieur zweifellos aus; die Verkehrszeichenerkennung funktioniert bestens, die Sprachsteuerung ebenso, und dass das Ambientelicht in den Türen aufleuchtet, wenn ein anderes Fahrzeug im Toten Winkel auftaucht, ist eine ebenso feine Idee wie die, das aktuelle Tempolimit mit einem roten Pfeil im Tacho zu kennzeichnen und jedes Überschreiten durch einen roten Balken sichtbar zu machen. Wahrscheinlich wird das den einen oder anderen Führerschein retten.

Auch die vielfältigen Konfigurationsmöglichkeiten des Fahrerdisplays haben wir schnell durchschaut.

Etwas mehr Eingewöhnungszeit erfordert hingegen die Auseinandersetzung mit dem großformatigen 12-Zoll-Touchscreen, der – in brillanter Darstellung, aber etwas schlichter Grafik - die weiten Welten des Infotainments vermittelt. Und die unterhalb des Bildschirms befindlichen Slider für Temperatur und Lautstärke haben uns schon beim Golf 8 nicht gefallen. Unbeleuchtet sind sie außerdem, weswegen wir sie irgendwann schlicht vergessen haben und ausschließlich über das Rädchen am Lenkrad (Lautstärke) beziehungsweise den Touchscreen vorgegangen sind.

Wie viel Platz er hat: Hier kehrt der Formentor seine praktische und alltagstaugliche SUV-Seite heraus. Die räumlichen Verhältnisse erfüllen den Anspruch der Reisetauglichkeit, für die Passagiere gilt das ebenso wie für deren Gepäck. Hinter der elektrisch aufschwingenden Heckklappe tut sich ein großes Gepäckabteil mit 420 bis 1475 Litern Fassungsvermögen auf. Wer sich an der verhältnismäßigen hohen Ladekante stört, muss halt einen Kombi kaufen.   

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Was ihn antreibt: Der Zweiliter-Vierzylinder-Turbo wird über einen Startknopf rechts am Lenkrad zum Dienst gerufen. Satte 228 kW/310 PS mobilisiert er und produziert ein maximales Drehmoment von 400 Newtonmetern. Man kennt diese Maschine bereits aus dem VW Tiguan R. Ein Doppelkupplungsgetriebe verteilt die Antriebskräfte an alle vier Räder.

Zeit, die Zusatzbezeichnung "VZ" zu erklären: Sie bezieht sich aufs spanische Wort "veloz" für "schnell". Tatsächlich ist der Turbo ein echtes Kraftwerk, mit enormer Schubkraft treibt er den Formentor in 4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und ertüchtigt ihn zu einer Topspeed von 250 km/h. Braucht man das? Sagen wir es mal so: Beim Überholen und beim Beschleunigen am Berg ist es schon ein gutes Gefühl, solch üppige Reserven verfügbar zu wissen.

Gut gefallen hat uns, dass der Formentor bei aller im Hintergrund lauernden Leistung angenehm kultiviert und akustisch dezent agiert. Der Soundtrack lässt er aber auch auf ein fulminantes Fortissimo steigern. Per (langem) Druck auf einen weiteren Taster links am Lenkrad wird der "Cupra"-Modus aktiviert, das Scharfstellen von Lenkpräzision, Gasannahme oder Adaptivfahrwerk intoniert dann eine bollernde Komposition der Sounddesigner, die uns recht halbstark erschienen ist. Aber: Das ist letztlich wohl Geschmackssache.

Wie er sich fährt: Wer 310 PS unter der Haube hat, kann sich nicht als weichgespülter Schaukler gerieren. Seinem sportlichen Anspruch entsprechend ist der Formentor tendenziell eher straff gefedert, was ihm für den Kurvenslalom ein umtriebiges Maß an Fahrdynamik und -präzision beschert. Gleichzeitig rauscht den Passagieren aber nicht jeder Kanaldeckel in die Knochen. Vom roten Bereich des Unkomfortablen ist der Spanier trotz Sportfahrwerk erstaunlich weit entfernt.

Noch einmal zurück zu den Fahrmodi: Neben dem extrascharfen Cupra-Modus steht die etwas zivilere Sport-Einstellung zur Wahl, daneben lassen sich "Comfort", "Individual" und "Offroad" ansteuern. Das jeweilige Programm beeinflusst dann auch das Tun des serienmäßig verbauten Adaptivfahrwerks.

Was er verbraucht: Das kommt drauf an. Man kann den Formentor durchaus mit 6,6 l/100 km bewegen. Wer die sportlichen Fähigkeiten ausreizt, driftet aber in die Zweistelligkeit ab. Wir haben als Schnitt 8,6 l protokolliert.

Was er bietet: Der Cupra Formentor ist eben erst auf den Markt gekommen. Vorerst ist er ausschließlich als umfangreich ausgestatteter 2.0 TSI VZ 4Drive erhältlich. Zu den werksseitig spendierten Mitbringseln gehören beispielsweise das Adaptivfahrwerk, ferner Dreizonen-Klimaautomatik, DAB+-Radio, Navi, Rückfahrkamera, Ambientelicht, volldigitales Cockpit, Sportsitze, das Fahrassistenzpaket XL (unter anderem automatische Distanzregelung bis 210 km/h, Fernlichtassistent, Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung), Leichtmetallräder sowie das Voll-LED-Paket.

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Was er kostet: Ab 43.953 Euro (16 Prozent MwSt). Unser nahezu vollausgestatteter Testwagen – Beats-Soundsystem, Brembo-Bremsanlage, Diebstahl-Warnanlage elektrisch einstellbarer Fahrersitz, elektrische Heckklappe, kabelloses Smartphone-Laden – kam auf 50.130 Euro.

Was wir meinen: Sieht klasse aus, fährt sich toll und ist obendrein alltagstauglich: Mit dem Formentor hat die sportliche Seat-Tochter Cupra einen Volltreffer gelandet. Der Preis hört sich ambitioniert an. Dahinter steckt aber jede Menge an Technik und Ausstattung, für die man – beispielsweise - bei der Premium-Schwester Audi wesentlich tiefer in Tasche greifen müsste. Übrigens: Wem 310 PS zu viel sind, bekommt den Formentor demnächst auch mit weniger leistungsstarken Benzinern (110 kW/150 PS, 140 kW/190 PS, 180 kW/245 PS) oder einem Diesel (110 kW/150 PS). Auch zwei Plug-in-Hybride (150 kW/204 PS und 180 kW/240 PS) folgen im kommenden Jahr.

Ulla Ellmer

Die Daten des Cupra Formentor VZ 2.0 TSI 4Drive

Hubraum 1984 ccm, Zylinder 4, Leistung 228 kW/310 PS bei 5450 - 6600/min, max. Drehmoment 400 Nm bei 2000 - 5450/min, Spitze 250 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h in 4,9 sec, Normverbrauch 8,7 – 8,5 l S/100 km, Testverbrauch 8,6 l S/100 km, CO2-Emission 197 - 191 g/km, Schadstoffklasse Euro 6 AP, Energie-Effizienzklasse D, Länge 4,45 m, Breite 1,84 m ohne, 1,99 m mit Außenspiegeln, Höhe 1,51 m, Kofferraum 420 - 1475 l, Kraftstoff-Tank 55 l, Leergewicht 1644 kg, zulässiges Gesamtgewicht 2140 kg, Zuladung 571 kg, Anhängelast 1800 kg (gebremst), 750 kg (ungebremst). 7-G-DSG, Allradantrieb. Versicherungs-Typklassen 15 (KH), 25 (VK), 24 (TK). Preis ab 43.953 Euro (16 Prozent MwSt).