Kia Sorento: Neue Generation, neue Talente

30.9.2020, 10:32 Uhr
Kia Sorento: Vorerst gibt es das Flaggschiff-SUV der Koreaner mit einem mildhybridisierten Benziner und einem Diesel. Ein - inzwischen unverzichtbarer - Plug-in-Hybrid folgt.

Kia Sorento: Vorerst gibt es das Flaggschiff-SUV der Koreaner mit einem mildhybridisierten Benziner und einem Diesel. Ein - inzwischen unverzichtbarer - Plug-in-Hybrid folgt. © Hersteller

Der Sorento veranschaulicht wie vielleicht kein anderer aus der Kia-Modellpalette, welch weiten Weg die Südkoreaner in den letzten Jahren gegangen sind. Als die erste Generation des Mittelklasse-SUVs anno 2002 auf den Markt kam, fuhr da noch ein Mercedes-ML-Verschnitt mit Fahreigenschaften von überschaubarer Güte vor.

Der jetzt vorgestellte Sorento vierter Generation ist schon ein ganz anderer Kerl. Maskulin steht er da, die geschärfte Front schenkt dem Betrachter einen selbstbewussten Blick aus serienmäßigen LED-Scheinwerfern, und auch das Heck zeigt klare Kante. Den Einkauf im Copy-Shop hat Kia längst nicht mehr nötig.

Stark als Zugpferd

Aber was – nur ein Zentimeter mehr Länge, Breite und Höhe als der Vorgänger? Ja, und das ist gut so, denn erstens reichen 4,81 Längenmeter völlig aus, zweitens ist das früher bei Modellwechseln obligatorische Wachstum längst nicht mehr zeitgemäß, und drittens bringt es der Sorento auch so zu mehr Platz im Innenraum. Zu danken ist's dem um 35 Millimeter gewachsenen Radstand. Vorne wie hinten sitzt man fürstlich im SUV-Flaggschiff der Südkoreaner, und auch das Gepäckabteil – 705 bis 910 Liter – erweist sich als sehr aufnahmefreudig. Bei siebensitziger Bestuhlung bleiben als Minimum 187 Liter übrig. Dazu darf der Sorento jetzt bis zu 2,5 Tonnen auf den Haken nehmen.

Sorento-Cockpit: Hier ist viel los.

Sorento-Cockpit: Hier ist viel los. © Hersteller

Seinen Van Carnival hat Kia schon 2010 aus Deutschland verabschiedet, inzwischen geben Kunden mit Platzbedarf lieber einem SUV den Vorzug. Auch der Sorento bedient sich erfolgreich beim Raumkonzept der Großraumlimousinen, gegen Aufpreis (965 Euro, separate Klimasteuerung inklusive) gibt es eine dritte Sitzreihe für zwei zusätzliche Passagiere. Der praktische Verschiebemechanismus (31,5 Zentimeter) für die Bank in zweiter Reihe wird dagegen serienmäßig eingebaut.  

Dass man einem Langstrecken-Aufenthalt im Sorento durchaus erfreut entgegensieht, hat auch mit der sorgfältigen Verarbeitung und der wertigen Materialauswahl zu tun. Die Fahrstufen der Automatik werden nun über einen Drehregler angewählt, hinter dem griffigen Lenkrad sitzt ein digitales Kombiinstrument, flankiert wird es von einem Touchscreen, der sich im Sorento-Basismodell auf 20 Zentimeter ausbreitet und ab der zweiten Ausstattungsvariante "Vision" auf 26 Zentimeter. Etwas wild sieht das Cockpit aus, die Bedienstruktur ist aber noch übersichtlich.  

Der erste Sorento verfolgte einst ein Leiterrahmen-Konzept, die Generationen zwei und drei brachten es dann schon auf eine selbsttragende Karosserie. Der vierte Sorento steht auf Kias neuer SUV-Plattform namens N3, die wegweisend auf elektrifizierte Antriebe zugeschnitten ist. Einen solchen verkörpert der mildhybridisierte 1,6-l-Vierzylinder-Benziner im 1.6 T-GDI. 169 kW/230 PS leistet er, allerdings prognostiziert ihm Kia nur eine Randexistenz auf dem deutschen Markt.

Der Diesel dominiert - noch

Zumindest vorerst (mehr dazu später) wird der 2,2-l-Common-Rail-Diesel einer neuen "Smartstream"-Generation die Verkaufszahlen dominieren, herstellerseitig rechnet man mit einem Anteil von 90 Prozent. Der Vierzylinder stellt 148 kW/202 PS bereit und entwickelt ein Drehmoment von 440 Newtonmetern. Während der Hybrid an eine Sechsstufen-Automatik gekoppelt ist, gibt der Diesel seine Kräfte über ein neues Acht-Stufen-Doppelkupplungsgetriebe (DCT8) mit Nasskupplung ab. Ein Schaltgetriebe ist für den Sorento nicht erhältlich.

Das Antriebsteam passt gut zusammen, das DCT8 wechselt die Gänge sanft, präzise und ohne spürbare Zugkraftunterbrechung. Der Diesel selbst hält sich akustisch angenehm bedeckt. Beim Ampelstart ist er vielleicht nicht der Schnellste, immerhin hat er es mit knapp zwei Tonnen Leergewicht zu tun, ein kleines Turboloch leistet er sich außerdem. Insgesamt hinterließ er auf ersten Probefahrten jedoch einen souveränen Eindruck, seine Kräfte reichen mehr als problemlos aus, um entspanntes Vorankommen zu gewährleisten und relaxt im Verkehrsgeschehen mitzuschwimmen.

Beides ist möglich: Den Sorento gibt es mit Front- oder Allradantrieb.

Beides ist möglich: Den Sorento gibt es mit Front- oder Allradantrieb. © Hersteller

Der Standardsprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 9 Sekunden, als maximale Autobahngeschwindigkeit erreicht der Sorento 2.2 CRDi 202 km/h. Im Idealfall wird der Fahrer mit einem Verbrauch von 5,6 bis 5,4 l/100 km belohnt. Soweit die WLTP-Norm, uns meldete der Bordcomputer 6,9 l, bei forscherer Gangart kratzt der Wert wohl an der 9 vor dem Komma.

Sowohl Hybrid- als auch Diesel-Sorento sind wahlweise mit Front- oder Allradantrieb erhältlich. Sportlich agiert das Midsize-SUV nicht wirklich, das würde auch kaum zu seiner Natur passen. Doch der Sorento bleibt stets friedfertig im Umgang, verkneift sich ungebührliche Seitenneigung, absorbiert Asphaltflicken mit gelassener Gleichgültigkeit und liegt vertrauenerweckend satt und sicher auf den gewundenen Eifel-Sträßchen, über die unsere Ausfahrt führte.

USB für alle

Auch bei Konnektivität und Assistenzsystemen hat das in Südkorea produzierte SUV kräftig nachgelegt. Jeder der bis zu sieben Sitzplätze verfügt über einen USB-Anschluss, das Navi liefert Echtzeit-Verkehrsdaten, per Smartphone erfolgt auf den letzten Meter die Fußgänger-Wegführung bis zum Ziel.

Zu den neuen Fahrassistenten gehören ein Ausstiegsassistent für die Fondpassagiere (warnt beispielsweise vor herannahenden Radlern, aber leider nur die Fondpassagiere) und der dem Diesel vorbehaltene Remote-Parkassistent, mit dem sich der Sorento ferngesteuert aus engen Parklücken oder Garagen heraus- oder hineinmanövrieren lässt. Unser Lieblings-Helfer wurde der Totwinkel-Assistent, der – einem digitalen Außenspiegel ähnlich – bei gesetztem Blinker das Geschehen im toten Winkel auf den Monitor einspielt. Tolle Idee!

Familientauglich: Im Sorento können bis zu sieben Personen mitfahren.

Familientauglich: Im Sorento können bis zu sieben Personen mitfahren. © Hersteller

Für den Mildhybriden 1.6 T-GDI ruft Kia mindestens 42.394 auf, der 2.2 CRDI kommt günstiger und kostet ab 41.418 Euro. Markentypisch umfangreich fällt die Serienausstattung aus: Leichtmetallfelgen, beheizbare und elektrisch anklappbare Außenspiegel, Adaptiv-Tempomat mit Stop-and-Go-Funktion, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Rückfahrkamera, Sitz- und Lenkradheizung sowie Digitalradio gehören ebenso dazu wie LED-Scheinwerfer, Spurhalte- und Stauassistent sowie, als vertrauensbildende Maßnahme, eine Sieben-Jahres-Garantie.

Fährt bald elektrisch

Noch in diesem Jahr wird Kia die Bestellbücher für einen Plug-in-Hybriden mit 265 PS Systemleistung und einer rein elektrischen Reichweite von über 50 Kilometern öffnen. Spätestens dann dürfte es mit der Übermacht des Diesels vorbei sein: Bedingt durch die lukrative 0,5-Prozent-Steuerregelung für Dienstwagen und die großzügigen Subventionen, so schätzt Kia-Deutschland-Chef Steffen Cost, werden sich Diesel und Plug-in-Hybrid die Verkaufszahlen teilen.

Ulla Ellmer

Kia Sorento in Kürze:

Wann er kommt: Markteinführung am 10. Oktober 2020

Wen er ins Visier nimmt: VW Tiguan Allspace, Hyundai Santa Fe, Skoda Kodiaq, Seat Tarraco etc.

Was ihn antreibt: Mildhybridisierter 1,6-l-Vierzylinder-Benziner mit 169 kW/230 PS, 2,2-l-Vierzylinder-Diesel mit 148 kW/202 PS

Was er kostet: Ab 41.419 Euro

Was noch kommt: Plug-in-Hybrid mit 265 PS Systemleistung