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Markus Giering: "Es ist eine Herzensangelegenheit"

Bezirksliga Nord

Ein anstrengender Arbeitstag liegt hinter Markus Giering, als der Kapitän des Bezirksligisten FC Kalchreuth in Shanghai ans Telefon geht. In Deutschland ist die Sonne gerade untergegangen, in China, wo Giering beruflich weilt, ist es dagegen schon bald Mitternacht. Der 26-Jährige nimmt sich trotzdem viel Zeit, um über die Auszeichnung als „Fußballheld 2019“ zu sprechen, mit der der Bayerische Fußball-Verband Ehrenamtliche unter 30 Jahren prämiert. Warum Markus Giering ein Held ist und was in Kalchreuth anders läuft als bei anderen Vereinen, darüber spricht er im Interview.

„Wenn man für andere ein Vorbild sein kann, ist das natürlich eine Bestätigung“: Markus Giering (rechts) geht beim FC Kalchreuth auf und neben dem Platz voran.

 / © Heidi Huber

Expandiert der FC Kalchreuth jetzt nach China, Herr Giering?

Ja, wir stagnieren in Sachen Social Media leider und wollen weiter wachsen. (lacht) Nein, im Ernst: Ich bin eine Woche beruflich hier.

Aber es ist schon so, dass der Verband Sie auch wegen der Social-Media-Arbeit für den FC Kalchreuth als „Fußballheld 2019“ ausgezeichnet hat?

Ja, das stimmt. Ich kümmere mich um die Außendarstellung auf verschiedenen Kanälen wie Facebook, Instagram oder auch auf unserer Homepage.

Und da muss man eben immer weiter wachsen ...

Leider ist das neben der Arbeit immer zeitlich begrenzt, im Moment machen wir deutlich weniger als noch vor ein paar Monaten.

Trotzdem sind Sie für den Verband ein „Fußballheld“.

Diese Auszeichnung haben wir schon auch für das bekommen, was wir sonst so alles neben dem Fußballspielen machen, sei es Sponsoring, Feiern oder andere Veranstaltungen. Zum Beispiel haben wir vor vier Jahren mit einem Fußballcamp begonnen, bei dem zuletzt knapp 100 Kinder dabei waren. Für so einen Dorfverein wie den FC Kalchreuth ist das schon ganz gut, gefühlt wohnen ja nicht mal so viele Kinder hier.

In den Sommerferien?

Ja, genau, so wie es auch Bundesligavereine wie der Club oder Fürth anbieten. Das ging dann drei Tage – nur dass die Trainer alle aus dem Umfeld der ersten Mannschaft kamen oder Freunde waren, die das komplett ehrenamtlich gemacht haben. Das ist inzwischen sehr groß geworden, beim Start waren es noch 40 bis 50 Kinder, jetzt sind es schon doppelt so viele. Darunter auch viele aus Buch oder Johannis, das ist mehr Werbung für unseren Verein als alles, was wir auf Social Media machen.

Weil Sie eine ganz andere Zielgruppe ansprechen.

Die Eltern verbreiten das natürlich. Wir werden dadurch zwar nicht sofort 30 neue Kinder für unsere Jugendmannschaften anlocken, aber wir können sie schon für den FC Kalchreuth begeistern.

Nur so kann ein Verein auf Dauer wahrscheinlich auch bestehen ...

Wir haben als Verein aus einem Dorf mit 3000 Einwohnern gar keine andere Möglichkeit, für uns zu werben. Klar steht mal was in der Zeitung oder ein Bericht online, aber nur mit Bezirksligafußball kann man keine Massen bewegen. Wenn dann aber Kinder aus der Umgebung bei Kalchreuth gegen Gutenstetten zuschauen und guten Fußball sehen, hinterlässt das vielleicht schon einen bleibenden Eindruck.

Also hat sich der Aufwand der vergangenen vier Jahre gelohnt.

Auf jeden Fall. Das hängt aber nicht mit mir, sondern mit der gesamten Mannschaft zusammen, die nicht einfach nur hier Fußball spielt und dann sofort wieder verschwindet. In der Bezirksliga kann man nicht nur mit Einheimischen spielen, sondern braucht Auswärtige. Dass es dann trotzdem so eine Verbundenheit zwischen Mannschaft und Zuschauern gibt, ist schon ungewöhnlich. Wir machen zum Beispiel auch Abende, an denen wir unsere treuesten Fans als Mannschaft zum Essen einladen. Da braucht man natürlich Spieler, die diesen Weg mitgehen.

Gut, dass Sie als Kapitän bei der Auswahl Ihrer neuen Kollegen ein Wörtchen mitreden können ...

Ich bin als einziger Einheimischer natürlich eine Brücke zwischen dem Dorf und der Mannschaft. Es wird nie mehr so sein wie in den Erzählungen von früher, als alle jedes Wochenende zusammen einen Vollrausch hatten, aber man kann schon versuchen, den Fußball als Teamsport zu leben.

Stichwort Charakter.

Der FC Kalchreuth ist in den vergangenen Jahren gewachsen, weil viele Spieler ihr Netzwerk eingebracht haben. Es gibt ja trotzdem keine Anfragen von 20 Spielern, ob sie bei uns spielen dürfen, selbst wenn mancher behauptet, dass man bei uns so gutes Geld verdienen kann. Wenn aber Freunde ihre Freunde herholen, dann wächst meistens etwas Gutes zusammen. Vielleicht ist es manchmal sogar zu nett, aber lieber ist es so als andersrum.

Und jetzt hat sogar der BFV Ihre Arbeit als Ehrenamtler gewürdigt. Stolz?

Unser Vorstand Peter Höfler hat mich angemeldet, ich kenne die Bewerbung gar nicht. Aber ich sehe das als Gemeinschaftspreis für unseren Verein. Ich allein könnte nicht mit 100 Kindern auf dem Sportplatz stehen, ich könnte alleine kein Sommerfest veranstalten oder ein Public Viewing zur WM organisieren.

Und Sie müssten es auch nicht. Deshalb: Warum eigentlich all der Aufwand?

Es ist einfach eine Herzensangelegenheit für mich, meinem Heimatverein zu helfen. Die Mutter eines Jugendspielers hat mir kürzlich ein Foto aus einem Kinder-Freundesalbum geschickt. Da hat ein Kind geschrieben: „Ich bin Fan von Markus Giering.“ Wenn man für andere ein Vorbild sein kann, ist das natürlich eine Bestätigung. Und dann ist das eben alles mein Hobby. Es macht sehr viel Spaß, mit Freunden zusammen quasi Fußball-Manager in Echtzeit zu spielen, das, was man früher am Computer gemacht hat.

Jetzt arbeitet der Top-Manager aber neuerdings in München oder verbringt eine Woche in China. Wird nun alles anders?

Natürlich wird es ein bisschen schwieriger, weil ich jeden Tag mit der Bahncard 100 pendele, aber es helfen viele zusammen. Man muss eben neue Leute für die Arbeit im Verein begeistern – und braucht auch einen Vorstand, der all das zulässt und nicht sagt: Ihr macht kein Social Media, wir werben nur im Gemeindeblatt. Es funktioniert ja gut momentan. Es laufen Leute mit einem Trikot von Rene Schmitt statt mit einem von Lionel Messi durch Kalchreuth, weil wir inzwischen einen Fanshop haben und bis zu 300 Trikots während einer Saison verkaufen.

Ernsthaft?

Es ist alles eine Frage, wie ernst man sich nimmt. Als damals der Club hier gespielt hat, haben wir 150 Trikots an einem Tag verkauft. Für einen Bezirksliga-Verein ist das Wahnsinn.

Da kann es natürlich helfen, wenn Markus Giering durch seinen Beruf weiß, wie Marketing funktioniert, wie man sich in den sozialen Medien gut darstellt.

Ja, ich habe in der PR-Abteilung bei Adidas gearbeitet, weshalb mir das Schreiben leichtfällt, aber wir haben auch sehr viel rumprobiert in den vergangenen Jahren. Das war mal lustiger, mal weniger, aber auch dafür braucht man die Mitspieler, die mal einen Spaß mitmachen. Jetzt geht es darum, das auch noch an andere Leute im Verein weiterzugeben. Momentan heißt es bei vielen Dingen oft noch „Der Markus macht das“.

Der Markus arbeitet jetzt aber für den FC Bayern in der Kommunikation – weil er das beim FC Kalchreuth so gut gemacht hat?

Das stand tatsächlich auch im Lebenslauf drin. (lacht) Ich mache das alles aber nicht, um einen coolen Lebenslauf zu haben, sondern weil es mir einfach Spaß macht.

Und bald spielt Markus Giering dann in China?

(lacht) Ich weiß schon sehr gut, was ich an meinem Verein hab. Wir haben zum Beispiel unter der Woche das Training um eine halbe Stunde verschoben, damit ich noch aus München heimfahren kann und pünktlich in Kalchreuth bin. Das würden nicht viele Trainer machen. Es ist mir lieber, mit zehn Freunden zusammenzuspielen als eine Liga höher 50 Euro mehr verdienen zu können. Fußball ist einfach nur mein Hobby und keine Einnahmequelle – und dafür ist der FC Kalchreuth der beste Verein.

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