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Lukas Schleimer: Vom Winzerkeller nach Marbella

Regionalliga

Bei der U21 des 1. FCN hat Lukas Schleimer überzeugt, weshalb er sich derzeit im Trainingslager bei den Profis beweisen darf.

„Wir möchten dem Nachwuchs zeigen, dass er eine Chance hat“: Lukas Schleimer (in Rot), hier gegen Fabian Nürnberger, will sie nutzen. 

 / © Daniel Marr/ Zink

Die Geschichte von Lukas Schleimer ist eine der selten gewordenen im Fußball. Groß geworden ist er nicht etwa in einem der hoch dekorierten Nachwuchsleistungszentren der Profiklubs, sondern auf der Sportanlange am Winzerkeller beim TuS Mosella-Schweich. „Lukas ist ein richtig guter Typ und ein sehr guter Fußballer“, sagte der rührige Vorsitzende Bernd Münchgesang im Winter 2017 bei Schleimers emotional aufgeladener Verabschiedung, „ich bin mir sicher, dass er seinen Weg auch in Nürnberg macht.“ Der Weg hat ihn jetzt immerhin schon mal ins Trainingslager der Zweitliga-Mannschaft geführt. Und das nicht nur, weil Alexander Fuchs für Gespräche mit anderen Vereinen freigestellt worden war und sich letztlich für die Spielvereinigung Unterhaching entschied. „Er wäre so oder so dabei gewesen“, sagt Jens Keller über Lukas Schleimer; unter anderem dürften neun Tore in 19 Regionalliga-Partien den Ausschlag gegeben haben für den 20-Jährigen.

Darüber reden darf Lukas Schleimer nicht in Marbella. Der Verein gibt seine Fußballer offiziell erst nach zehn Pflichtspiel-Einsätzen bei den Profis für Gespräche mit Journalisten frei. Auch Paul-Philipp Besong oder Adam Gnezda Cerin können deshalb im Zimmer bleiben, wenn mittags die Interviewrunden mit Medienvertretern anstehen. Volljährige, die angeblich nicht wissen, was sie sagen und deren Zitate ja im Nachhinein auch noch von der Pressestelle einkassiert werden können – der Fußball ist mitunter schon erstaunlich weltfremd, auch daran wird sich „Schleimi“, wie sie ihn rufen, gewöhnen müssen, falls ihm der Durchbruch beim Club gelingen sollte. Für die eine oder andere Leistungsklasse darunter ist er bereits eine feste Größe.

Entdeckt hat ihn: natürlich der Pfalz-, Rhein- und Saarland-Spezialist des Vereins. Bei einem Sichtungsturnier in Duisburg musste Dieter Nüssing nicht lange überlegen; im Winter 2017 folgte ein mehrtägiges Probetraining im Sportpark Valznerweiher, danach die Unterschrift auf einen Zweieinhalbjahresvertrag. Der Ende Juni ausläuft.

Eigentlich hat Lukas Schleimer Mittelfeldspieler gelernt, musste in seiner noch jungen Karriere aber schon des Öfteren ganz vorn aushelfen. So auch beim 1. FC Nürnberg II, wo ihn Marek Mintal in Ermangelung von Alternativen in die Spitze stellte. Schleimer war’s egal und schoss ein Tor nach dem anderen, auch spektakuläre. Wie im Heimspiel gegen Memmingen, als er sich, dank perfekter Ballannahme und -verarbeitung, nach innen vom Gegenspieler wegdrehte und plötzlich freie Bahn hatte. Schleimers Stärken: „Torgefahr und das Dribbling“, sagt Mintal.

Die minimale Außenseiterchance

Auch deswegen durfte Schleimer seit seinem Übertritt in den Seniorenbereich im vergangenen Sommer bereits das eine oder andere Mal oben mittrainieren, freilich in unruhigen Zeiten. Jens Keller kann sich in prekärer Lage gerade keine personellen Experimente erlauben. Vor einem Jahr und mit Michael Köllner war das nicht viel anders, als Eric Engelhardt, Philipp Harlaß und Tobias Kraulich aus der U 21 mitfahren durften ins Wintertrainingslager des damaligen Erstligisten, aber danach keinen großen Auftritt hatten.

Lukas Schleimer weiß das, glaubt aber trotzdem an seine minimale Außenseiterchance. Am Sonntag hatte er seinen wahrscheinlich bislang stärksten Auftritt in Marbella, als er im Trainingsspiel eine Stammkraft ( Name der Redaktion bekannt ) im Einsgegen- Eins ganz alt aussehen ließ. Mit der Sohle hatte er die Kugel da so lange gestreichelt, bis sein Widersacher entnervt aufgab.

„Wir möchten dem Nachwuchs zeigen, dass er eine Chance hat“, sagt Jens Keller, der gerne den einen oder anderen mehr mitgenommen hätte. „Lukas hält gut mit, aber ich glaube nicht, dass er für die Rückrunde ein Thema ist, unser Kader ist groß.“ Die in Marbella gesammelten Erfahrungen helfen ihm aber bestimmt weiter. Wie weit, wird sich zeigen, „wenn er bei den Amateuren weiter so performt“. Nicht nur am Winzerkeller beim TuS Mosella-Schweich werden sie das weiter sehr aufmerksam verfolgen.

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