Overfly und Zwölf-Meter-Lärmschutz bei Fischbach

Ausbau allerorten: Diese Autobahn-Baustellen stehen Franken 2022 bevor

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Martin Müller

Redaktion Metropolregion Nürnberg und Bayern

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24.1.2022, 06:53 Uhr
Baustellenschilder werden Pendler und Reisende im Jahr 2022 häufig sehen auf Frankens Autobahnen. Vor allem auf A3 und A6 wird jede Menge gebaut.

© Jan Woitas/dpa Baustellenschilder werden Pendler und Reisende im Jahr 2022 häufig sehen auf Frankens Autobahnen. Vor allem auf A3 und A6 wird jede Menge gebaut.

Plötzlich ging es Schlag auf Schlag beim A6-Ausbau westlich von Schwabach. Vor einem Jahr hatte man zwar schon grundsätzlich vor, die elf Kilometer lange Strecke zwischen der Ausfahrt Schwabach-West und Triebendorf östlich von Neuendettelsau sechsstreifig auszubauen. Die Hoffnung, dass das bald gelingen könnte, war jedoch gering, schließlich war eine Finanzierung durch den Bund erst ab dem Jahr 2030 gesichert.

Geld da für A6-Ausbau bei Schwabach

Doch dann wurde schnell Baurecht erzielt, und mangels großer aktueller Konkurrenzprojekte in Deutschland war Geld übrig für den sofortigen Ausbau. Bereits im Herbst 2021 begannen erste Vormaßnahmen, 2022 soll mit dem Ausbau begonnen werden, indem die Nordfahrbahn Richtung Heilbronn in Teilbereichen verbreitert wird, um dort Platz für den Verkehr während der Bauarbeiten zu schaffen.

"Im Jahr 2023 beginnt dann in Fahrtrichtung Nürnberg der richtige Ausbau", erklärt Reinhard Pirner, Direktor der Niederlassung Nordbayern der Autobahn GmbH. In dem Abschnitt soll dann auch eine Grünbrücke entstehen, auf der Rehe, Füchse, Hasen und Wildschweine künftig gefahrlos die Autobahn überqueren können.

Zwischen dem Kreuz Feuchtwangen/Crailsheim, Schnittpunkt von A6 und A7, und der Landesgrenze zu Baden-Württemberg begann der Ausbau ebenfalls 2021. Bei der sechsstreifigen Erweiterung des neun Kilometer langen Abschnitts sind 2022 zunächst die Fahrbahn Richtung Heilbronn, die Anschlussstelle Schnelldorf und die Hauptbrücken direkt am Kreuz an der Reihe, bevor ab Mitte 2023 in Richtung Nürnberg ausgebaut wird.

Langfristig soll der bislang vierstreifige A6-Flaschenhals in Richtung Baden-Württemberg komplett sechsstreifig ausgebaut werden. Wenn die beiden geschilderten Projekte beendet sind, bleibt noch ein 49 Kilometer langer vierstreifiger Abschnitt übrig. Wenn der Ausbau bis Triebendorf abgeschlossen ist, sollen die elf Kilometer von dort bis östlich der Anschlussstelle Lichtenau folgen.

586 Meter langer Overfly in Nürnberg-Ost

Richtig rund ging es im Jahr 2021 schon beim Ausbau des Autobahnkreuzes Nürnberg-Ost, dem Schnittpunkt von A6 und A9 zwischen Feucht, Altenfurt und Fischbach. Dort wurde auf zweieinhalb Kilometern Länge die Hauptfahrbahn in Richtung München ausgebaut. 2022 folgt die Erweiterung in Richtung Berlin.

Ein gewaltiger, zweispuriger Overfly wird die A6 am Kreuz Nürnberg-Ost künftig mit der A9 verbinden. Dafür wird ab dem Jahr 2022 eine 586 Meter lange Schrägseilbrücke errichtet.

Ein gewaltiger, zweispuriger Overfly wird die A6 am Kreuz Nürnberg-Ost künftig mit der A9 verbinden. Dafür wird ab dem Jahr 2022 eine 586 Meter lange Schrägseilbrücke errichtet. © Autobahndirektion Nordbayern

So richtig begonnen wird in diesem Jahr aber auch mit dem spektakulärsten Teil des 160-Millionen-Euro-Projekts. Ein zweispuriger Overfly, eine 586 Meter lange Schrägseilbrücke, soll künftig von der A6 aus Richtung Heilbronn auf die A9 in Richtung Berlin führen und diese viel genutzte Verbindung leistungsfähiger machen.

Zunächst werden dafür der Taktschiebekeller und der Montageplatz angelegt und die fünf Pfeiler errichtet, dann wird ab Mitte 2022 der Overfly Stück für Stück errichtet und über das Kreuz geschoben, bis er dann 2024 komplett fertig ist.

A6-Großbrücke mit halbem Jahr in Verzug

Ein halbes Jahr im Verzug ist die Baufirma dagegen bei der Talbrücke Unterrieden an der A6 bei Altdorf (Kreis Nürnberger Land). Nachdem die erste der beiden mehr als 600 Meter langen Teilbrücken schon im Jahr 2020 abgerissen worden war, sollte die erste neue eigentlich schon Ende 2021 befahren werden können.

Doch beim vorletzten Pfeiler erwies sich der klüftige Untergrund als außergewöhnlich heikel. „Das war nicht so ohne, die Klüfte zu verpressen. Da ist dann auch Wasser aus dem Hang rausgelaufen. Da mussten wir sehr vorsichtig arbeiten, das hat uns viel Zeit gekostet“, verdeutlicht Pirner.

Ab Mitte 2022 soll dann der komplette Verkehr auf die neue Teilbrücke gelegt und die südliche Teilbrücke abgerissen werden. Über diese alte Brücke läuft derzeit der komplette Verkehr, weshalb das Bauwerk mit Sensoren in Echtzeit überwacht wird. „Wenn es Bewegungen über einer gewissen Größenordnung gibt, werden die Verantwortlichen per SMS benachrichtigt und sie können bei Bedarf Einschränkungen für den Verkehr verhängen“, erklärt Pirner.

Durch ein Forschungsprojekt will die Baufirma das verlorene halbe Jahr wieder aufholen und trotzdem pünktlich Ende 2024 fertig werden. Normalerweise würde die Brücke Richtung Amberg erst komplett abgerissen und dann erst neu gebaut werden. In Unterrieden soll nun der Abriss mit dem Neubau kombiniert werden.

Achtstreifiger A9-Ausbau bei Fischbach

Fortgeschritten sind derweil die Planungen für den achtstreifigen Ausbau des am meisten befahrenen Autobahnabschnitts der Region. Zwischen den Kreuzen Nürnberg-Ost (A6/A9) und Nürnberg (A3/A9) soll dafür auch der Lärmschutz für Fischbach deutlich verbessert werden. Dieser ist mittlerweile fertig geplant.

So soll der künftige Lärmschutz für Nürnberg-Fischbach einmal aussehen: bis zu zwölf Meter hoch und teilweise nach innen gekrümmt. Die A9 soll an dieser Stelle auf acht Fahrstreifen ausgebaut werden.

So soll der künftige Lärmschutz für Nürnberg-Fischbach einmal aussehen: bis zu zwölf Meter hoch und teilweise nach innen gekrümmt. Die A9 soll an dieser Stelle auf acht Fahrstreifen ausgebaut werden. © Autobahn GmbH des Bunde/Niederlassung Nordbayern

Auf 1,7 Kilometern Länge wird die Autobahn auf der Fischbacher Seite mit bis zu zwölf Meter hohen, teilweise nach innen gekrümmten Lärmschutzwänden gesäumt. Auf einer Länge von 3,5 Kilometern wird lärmmindernder, offenporiger Asphalt aufgetragen. Baurecht besteht allerdings noch keines, derzeit werden die Planfeststellungsunterlagen vorbereitet.

Eigentlich unscheinbar, aber doch ein großes Projekt, das 35 Millionen Euro verschlingen wird, ist der Neubau der Schwarzachbrücke an der A9 direkt südlich der Raststätte Nürnberg/Feucht. Das bisherige Bauwerk stammt zum Teil noch aus dem Jahr 1936, muss also dringend ersetzt werden. Bis Mitte 2025 soll der 76 Meter lange Neubau fertig sein, bei dem im Frühjahr die eigentlichen Arbeiten beginnen.

Minister ordnete Tempolimit für die A73 an

An der A73 ist der sechsstreifige Ausbau zwischen Nürnberg-Hafen-Ost und dem Kreuz Nürnberg-Süd abgeschlossen. In Richtung Feucht gibt es hier bis zum Kreuz gar kein Tempolimit, in die Gegenrichtung wird, abhängig vom Verkehrsaufkommen, eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf den dafür installierten Anzeigetafeln eingeblendet. Derzeit stehen dort noch Blechschilder, die nicht mehr als Tempo 100 erlauben. Die Tafeln werden erst später scharf geschaltet als erwartet, weil nun noch Sensoren nachgerüstet werden müssen. Spätestens im März sollen die Tafeln aber in Betrieb gehen.

Zwischen dem Kreuz Nürnberg-Süd und dem Autobahndreieck Feucht beginnt dann ein von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) angeordneter Verkehrsversuch mit tageszeitabhängigem Tempolimit. Anfang Juli ist er abgeschlossen, das Tempolimit wird aber bleiben, bis die Auswertung des Versuchs abgeschlossen ist. Die endgültige Entscheidung trifft die Autobahn GmbH.

Zwei Monate hinten dran beim A3-Ausbau

Beim sechsstreifigen Ausbau der A3 auf insgesamt 71 Kilometern zwischen den Kreuzen Fürth/Erlangen und Biebelried bei Würzburg ist der neue Betreiber, ein Zusammenschluss der Bauunternehmen Eiffage und Johann Bunte, derzeit etwa zwei Monate hinterher, will die Fertigstellung aber wie geplant bis Ende 2025 schaffen.

Wie im vergangenen Jahr werden die Einschränkungen auch 2022 durch mehrere in kurzen Abschnitten aufeinanderfolgende Baustellen beträchtlich sein. Nordwestlich von Erlangen entsteht in diesem Jahr zudem Mittelfrankens erste Grünbrücke, die das lange von der A3 geteilte Waldgebiet Mönau vereint. Eine zweite Grünbrücke wird zwischen Wiesentheid und Geiselwind gebaut.

Mächtig die Alarmglocken schrillten bei den Autobahnbauern, als die A70 zwischen Bayreuth und Bamberg vor einigen Jahren begann, langsam den Hang hinabzurutschen. Bis zu eineinhalb Zentimeter im Monat bewegte sich das Erdreich abwärts. Das Bankett brach weg, die Straße selbst wies aber noch keine großen Risse auf.

Die Lösung: Auf einer Länge von drei Kilometern wird die Trasse hangaufwärts auf stabilem Gelände neu gebaut. Bis Ende 2023 soll das 65 Millionen Euro teure Vorhaben beendet sein. Bis dahin wird die abgerutschte, aber noch in Betrieb befindliche bisherige Strecke genau und permanent überwacht.

„Es besteht keine Gefahr, dass der Hang auf einmal komplett wegrutscht. Aber die Bewegung könnte sich natürlich beschleunigen. Dann müsste man zum Beispiel die Zahl der Fahrspuren verringern, ein Tempolimit verhängen, den Schwerverkehr verbieten oder, im schlimmsten Fall, die Strecke sogar ganz sperren“, erklärt Pirner.

A7-Abschnitt in Franken soll sechsstreifig werden

Die Verbreiterungen der Autobahnen in Franken werden in einigen Jahren wohl für längere Zeit weitgehend abgeschlossen sein. Rund um Nürnberg steht nach dem achtstreifigen A9-Ausbau bei Fischbach nichts mehr an. Ansonsten steht noch der erwähnte A6-Ausbau auf dem Programm, und auch ein sechsstreifiger Ausbau der A7 zwischen den Kreuzen Biebelried und Werneck wird von der Autobahn GmbH erwartet.

In den nächsten Jahren wird das Geld zunehmend weniger in den Ausbau als in die Instandhaltung und vor allem die Sanierung und den Neubau alter Brücken fließen. Gewaltige Kosten von wohl mehr einer halben Milliarde Euro werden auf den Bund in den nächsten Jahren etwa an der A7 bei der mehr als 900 Meter langen Grenzwaldbrücke an der bayerisch-hessischen Landesgrenze zukommen.

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