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Ausflüge in den Schnee planen sie in der Sauna

Das Erfolgsgeheimnis des Skiclubs Biberttal in Zirndorf liegt im ganzjährigen Angebot für Freiluft-Fans - 07.08.2017 19:56 Uhr

„Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“, ist das Credo des Vorstands des Skiclubs Biberttal: Gerhard Böhm (links) und Heinz Straßner. © Foto: Markus Eigler


Heinz Straßner lächelt den Dauerregen einfach weg. "Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung", sagt er. Wer sich mit ihm und Gerhard Böhm, den Vorsitzenden des Skiclubs Biberttal, zu einem Interview trifft, der muss wetterfest sein. Denn sie sind es schließlich auch, gestählt von unzähligen Ausflügen mit ihren Vereinskameraden.

Das Erfolgsgeheimnis des 2008 gegründeten Skiclubs ist laut Straßner: "Wir sind breit aufgestellt mit einem ganzjährigen Lauf- und Ski-Programm." Im Sommer werden Läufe und Wanderungen für alle Altersstufen angeboten. Selbst Bergsteigertouren gehören zum Repertoire. Höhepunkt und Hauptzweck des Vereins aber sind die Skitouren im Winter.

Dass innerhalb von neun Jahren so viele Mitglieder hinzugekommen sind, hat viel mit Mundpropaganda zu tun. Jeder erzählt im Freundes- und Familienkreis von seinen Ausflügen mit dem Skiclub, und schon stoßen weitere Outdoor-Begeisterte dazu – ganz ungezwungen. "Wir haben uns dem Breitensport verschrieben und möchten auch die Couch-Potatoes animieren, in lockerer Atmosphäre ein bisschen Frischluft zu schnuppern", erklärt Straßner das Credo des Vereins.

Dazu spielt den Biberttalern in die Karten, dass die klassischen Freiluft-Sportarten wieder voll im Trend sind. Was früher als "Wandern" gerade unter Jüngeren verpönt war, erlebt seit einigen Jahren unter den Anglizismen "Trekking" oder "Hiking" seine Renaissance.

Gerhard Böhm, zweiter Vorsitzender des Vereins, zählt auf, was der Skiclub in den warmen Monaten des Jahres unternimmt: "Von einfachen Wandertouren über Lauf-, Mountainbike- und Rennradgruppen bis hin zum Indoorcycling, Querfeldeinlauf und Klettertouren haben wir alles dabei. Auch eine spezifisch abgestimmte Skigymnastik bieten wir an." Die Schnittmenge der Sommer- und Wintersportler ist dabei recht hoch. Auf etwa 60 Prozent schätzt Straßner die Zahl derer ein, die im Sommer laufen und im Winter auf die Piste gehen. Klar, dass ganzjähriges Schwitzen zusammenschweißt.

"Der Zusammenhalt zählt, allein zurückgelassen wird auch bei Marathonläufen niemand", formuliert es Straßner. Nachdem kein festes Vereinsheim zur Verfügung steht, kommt es durchaus vor, dass die Pläne für die nächsten Laufeinheiten oder die nächste Skitour in der Sauna ausgeknobelt werden. Ebenso ein Thema dort: Gigantonomie im Skitourismus und künstliche Beschneiung. Dem Bergsteiger Straßner blutet dabei zwar das Herz, dennoch bietet der Club auch Fahrten in solche Gebiete an: "Wir sind als Verein in der Verantwortung und müssen unseren Mitgliedern auf den Fahrten die Schneesicherheit garantieren." Auch wenn es sich laut Böhm komisch anfühlt, "auf einer weißen Zunge abzufahren, während links und rechts daneben das Grün blüht".

Sechs Mal sind die Natur-Fans in der abgelaufenen Saison in die Alpen gefahren, zwei Touren davon waren speziell auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten. Etwa 40 bis 50 Mitglieder sind pro Skitour dabei, bei den Touren für den Nachwuchs sind es etwa 30, hier fahren auch Väter oder Mütter als Begleitung mit. Insgesamt 387 Mitglieder sind in der vergangenen Saison auf der Piste gewesen – und das völlig unfallfrei.

Börse für Ausrüstung

Erfahrene Ski-Führer innerhalb des Vereins helfen den Anfängern, zunächst die richtige Abfahrt innerhalb des Hangs zu finden. Dabei sind auch nicht alle Skifahrer auf der selben Piste unterwegs. "Wir haben von der Schlemmergruppe bis zu Fahrern im freien Gelände alles dabei", schildert Straßner.

Dass solche Fahrten einen enormen Organisationsaufwand erfordern, verhehlt er nicht: "Wir fangen bereits im April mit der Planung an. Dazu gehören zunächst die Buchung von Hotels und Bussen. Wir machen das zunächst ins Ungewisse, weil wir zu dem Zeitpunkt noch nicht immer genau wissen, wer bei welcher Fahrt dabei ist."

Ein Ausflug über drei Tage mit Fahrt, Hotel, Verpflegung, Skipass und Pisten-Führer kostet den Teilnehmer etwa 250 Euro. Die Ausrüstung kommt für jeden individuell dazu. Skifahren war noch nie ein günstiges Hobby, es ist eher noch exklusiver geworden. Doch es gibt Tipps zum Sparen.

Anfängern rät Böhm, sich zunächst eine Skiausrüstung zu leihen und bei der Bekleidung im niedrigeren Bereich zu starten. Eine komplette Ausrüstung mit Skiern und Klamotten kommt im Durchschnitt auf knapp 500 Euro. Auch innerhalb des Vereins gibt es hierfür eine Börse, gerade die für Kinder ist sehr beliebt.

www.skiclub-biberttal.de

MARKUS EIGLER

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