«BAP hat genau den Zeitgeist getroffen»

22.3.2021, 08:15 Uhr
Wolfgang Niedecken, beim Benefizkonzert der bundesweiten Spendenaktion

Wolfgang Niedecken, beim Benefizkonzert der bundesweiten Spendenaktion "Gemeinsam für Afrika" 2004 in der Zeche Zollverein in Essen.  © Berthold Fernkorn, epd

Wolfgang Niedecken habe in den 80er Jahren genau den Zeitgeist getroffen, sich ganz klar gegen Rüstung, Krieg und Faschismus positioniert, erklärt Mario Kramp, Direktor des Kölnischen Stadtmuseums.

Kölner Wahrzeichen wie der Dom oder die Hohenzollernbrücke sind auf Niedeckens CDs, in Musikvideos und auf der Internetseite allgegenwärtig. Ist Niedecken so etwas wie der Botschafter Kölns?

Mario Kramp: Ja, er ist ein Botschafter Kölns - aber eines Kölns, das nicht auf das weit verbreitete Klischee als Karnevalshochburg reduziert ist. Die Lieder sind ganz klar in Köln verwurzelt und tragen Köln in die Welt. Sie stehen zugleich aber auch exemplarisch für allgemein politische und gesellschaftliche Probleme. In dem frühen Lied «Südstadt, verzäll nix» (Südstadt, erzähl nichts) beschreibt Niedecken beispielsweise, wie sich das Kölner Szene-Viertel durch teure Sanierungen komplett verändert. Zugleich steht das Stück aber auch allgemein für das Problem, das wir mit unseren Städten haben.

Was ist der Grund dafür, dass Niedeckens Band BAP weit über Köln hinaus so erfolgreich wurde?

Kramp: Niedeckens Band BAP hat in den 80er Jahren genau den Zeitgeist getroffen. Als Niedecken seine ersten Platten rausbrachte, war das die Zeit der Nachrüstungsdebatte, der Friedensdemonstrationen und auch die Zeit, in der die Anschläge von Neonazis begannen. Niedecken hat sich ganz klar gegen Rüstung, Krieg und Faschismus positioniert. Der Song «Kristallnaach» (Kristallnacht) wurde ein Hit, Niedecken hat aber schon viel früher kritische politische Lieder geschrieben. Dazu kommt natürlich die Musik, die ganz eindeutig rockig und an den Rolling Stones und Bob Dylan orientiert ist. Es gibt bei BAP aber auch leise und lyrische Töne, die in der allgemeinen Wahrnehmung oft übersehen werden.

Wie wurden diese Stücke in Köln aufgenommen?

BAP-Frontmann Niedecken (li.) mit Regisseur Jim Jarmusch vor der Premiere des Films

BAP-Frontmann Niedecken (li.) mit Regisseur Jim Jarmusch vor der Premiere des Films "Only Lovers left alive" im Kino Cinenova in Köln. © imago stock&people via www.imago-images.de, imago images/Thilo Schmülgen

Kramp: Für mich persönlich war es so, dass da zum ersten Mal jemand so sprach und sang, wie einem der Schnabel gewachsen war und wie man dachte. Das war ein «Straßen-Kölsch» oder «Alltags-Kölsch» und kein «korrektes» Kölsch. Für uns Schüler aus der Voreifel waren Niedecken und BAP ganz klar der Durchbruch unter den Kölner Bands. Es gab damals die zwei Fraktionen: Bist du Stones oder Beatles? Niedecken war ganz eindeutig Stones.

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