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Freitag, 05.06.2020

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Brustkrebs-Diagnose: Eine Frage der Technik

Blick zurück in die Geschichte der Mammographie - 03.03.2020 18:50 Uhr

„nu:view“ ist der neueste Meilenstein in der Geschichte der Brustkrebs-Diagnose. Der Computertomograf, der im Universitäts-Brustzentrum Franken an der Erlanger Frauenklinik steht, ermöglicht hochauflösende, dreidimensionale Bilder — und eine bequeme Position für die Patientin. Die Brust liegt dabei in einer Öffnung und wird binnen Sekunden vollständig gescannt. Die Uniklinik ist eigenen Angaben zufolge bundesweit die erste Einrichtung, die mit diesem Tomografen arbeitet. Er wird dann eingesetzt, wenn bei einer Patientin ein Anfangsverdacht auf Brustkrebs besteht oder eine Brust-OP vorbereitet wird. © Foto: Uniklinik Erlangen


Etwa 69 000 Frauen erkranken in Deutschland an Brustkrebs. Jedes Jahr. Damit ist der Tumor die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Doch auch Männer sollten an dieser Stelle weiterlesen. Denn jährlich etwa 700 Mal wird auch bei ihnen Brustkrebs festgestellt, die meisten Patienten sind dann über 60.

Sieht nicht nur unbequem aus, war es sicher auch: Bei der Diagnose mit Hilfe dieses Fluidographen der Siemens-Reiniger-Werke wurde die zu untersuchende Brust in ein Alkoholbad getaucht — weil das spezifische Gewicht des Alkohols etwa dem des Brustgewebes entspricht und die Röntgenaufnahme dadurch besser war. © Foto: Siemens Healthineers


Auch wenn die Diagnose immer häufiger gestellt wird, sterben laut Deutscher Krebsgesellschaft immer weniger Frauen an diesem Krebs: Wird der Tumor rechtzeitig erkannt und behandelt, sind fünf Jahre nach der Diagnose 87 Prozent der Patientinnen noch am Leben. Wobei sich auch Jahre später wieder Tumore bilden können. Bei Männern sterben jährlich etwa 200 Brustkrebs-Erkrankte.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Tumor, für den es schon Hinweise aus dem Alten Ägypten gibt, meistens erst so spät erkannt, dass eine Operation keinen Sinn mehr gemacht hätte. Lange Zeit galt die komplette Entfernung der Brust als einzige Methode, den Krebs zu besiegen.

Albert Salomon (1891-1966) war der erste Mediziner, der Röntgenstrahlen einsetzte, um Brustkrebs nachzuweisen. Durch Experimente an 3000 Brust-Präparaten konnte er mit Hilfe seiner Bilder gutartiges von bösartigem Gewebe unterscheiden. Der Chirurg entdeckte dabei auch, dass es verschiedene Arten von Brustkrebs gibt.

Das erste „echte“ Mammographie-Gerät von Siemens, das speziell für die Untersuchung der weiblichen Brust entwickelt wurde, kam ab 1972 zum Einsatz. © Siemens Healthineers


Ab den 1950er Jahren fanden groß angelegte Studien statt mit dem Ergebnis, dass die Mammographie, also in erster Linie die Anwendung von Röntgenstrahlen zur Diagnose, immer unverzichtbarer wurde. Mit jeder Geräte-Generation wurde die Untersuchung für Frauen angenehmer, die Strahlendosis weniger und die Diagnose genauer. Auch die Zahl sogenannter "Falsch-positiv-Befunde", bei denen bei einer Patientin Brustkrebs nachgewiesen wurde, obwohl sie in Wirklichkeit keinen Tumor hatte, konnte im Laufe der Jahre reduziert werden.

Frauen ab dem 30. Lebensjahr können übrigens jährlich eine Tastuntersuchung durch den Frauenarzt in Anspruch nehmen. Zwischen 50. und 69. Lebensjahr können sie alle zwei Jahre an einer Röntgenuntersuchung teilnehmen. Für Männer gibt es noch kein vergleichbares Angebot.

Vor allem, wenn in der Familie öfter Frauen an Brustkrebs erkrankten, sollten sie hellhörig werden, wenn sie einen Knoten ertasten oder eine Verhärtung in der Brust bemerken.

EVA SÜNDERHAUF

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