Neue Masche

Corona-Partys in Bayern: Jugendliche stecken sich absichtlich an

Tobi Lang
Tobi Lang

Online-Redakteur

E-Mail zur Autorenseite

28.10.2021, 09:37 Uhr
Sich bei einem Glas Sekt absichtlich mit Corona infizieren? Das passiert auch in Bayern, sagt ein Arzt. 

Sich bei einem Glas Sekt absichtlich mit Corona infizieren? Das passiert auch in Bayern, sagt ein Arzt.  © colourbox.de

Kaum ein Landkreis ist derzeit so sehr vom Coronavirus betroffen wie Miesbach in Oberbayern. Die Sieben-Tage-Inzidenz schoss am Mittwoch deutlich über 400, Reiserückkehrer sollen dabei eine Rolle spielen - aber auch Infektionen im Privaten. Was geschieht in dem bayerischen Hotspot? Gegenüber dem Münchner Merkur spricht Florian Meier, der örtliche Pandemie-Koordinator, von einer "ganz großen Masche" gerade unter Jugendlichen. Sie sollen sich immer häufiger absichtlich mit dem Virus infizieren.

"Früher gab es Rötel-Partys, bei denen sich Kleinkinder mit Röteln anstecken sollten", sagte Meier im Gespräch mit dem Merkur. "Heute veranstalten einige Partys bei Corona-Positiven, um sich zu infizieren und danach sechs Monate als genesen zu gelten, um keine Tests machen zu müssen." Auch der Mediziner, der in Miesbach eine Praxis betreibt, habe das zunächst nicht glauben können. "Natürlich gibt es keiner zu. Mir wurde es aus mehreren verlässlichen Quellen berichtet."

Mediziner warnt vor schweren Verläufe unter Jungen

Die Rechnung dahinter sei ganz einfach, erklärt Meier. "Wenn sie weggehen wollen, brauchen sie einen PCR-Test und der kostet um die 80 Euro. Wenn ich aber als genesen gelte, kann ich mir den Test sechs Monate lang sparen." Heißt: Hinter den Corona-Partys stecken häufig auch finanzielle Gründe.

In Franken, das zeigen Recherchen unserer Redaktion, gibt es bislang kaum Corona-Partys unter Jugendlichen. Das Nürnberger Gesundheitsamt erklärte auf Anfrage, dass man im Stadtgebiet von keinerlei Fällen wisse. Auch in Forchheim haben die Behörden keine gezielten Ansteckungen im Rahmen von Privatfeiern registriert. "Man muss ganz klar davor warnen, weil die Erkrankungsschwere ganz eng mit der Viruslast korreliert", sagt eine Sprecherin des dortigen Landratsamtes.

Studien zeigen, dass eine überstandene Corona-Infektion womöglich mehr und längeren Schutz vor einer erneuten Erkrankung liefert. Aber: Mediziner raten dennoch ab. "Schwere Verläufen sind bei jungen Menschen zwar selten, aber es gibt sie", sagt Meier dem Merkur. "Die Patienten auf der Intensivstation in Agatharied (ein örtliches Krankenhaus, Anmerkung der Redaktion) werden immer jünger. Wir reden von gesunden, sportlichen Menschen in ihren Zwanzigern und Dreißigern." Eine absichtliche Infektion sei deshalb äußert leichtsinnig.