Kommentar

Desaster in Afghanistan: Was Deutschland jetzt tun kann - und muss

15.8.2021, 14:19 Uhr
15.08.2021, Afghanistan, Kabul: Ein Hubschrauber der USA von Typ Chinook überfliegt die Stadt Kabul. Taliban-Kämpfer sind am Sonntag in die Außenbezirke der afghanischen Hauptstadt eingedrungen und haben das Land weiter unter ihre Kontrolle gebracht, während in Panik geratene Angestellte aus Regierungsbüros flohen und Hubschrauber bei der US-Botschaft landeten. Foto: Rahmat Gul/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

15.08.2021, Afghanistan, Kabul: Ein Hubschrauber der USA von Typ Chinook überfliegt die Stadt Kabul. Taliban-Kämpfer sind am Sonntag in die Außenbezirke der afghanischen Hauptstadt eingedrungen und haben das Land weiter unter ihre Kontrolle gebracht, während in Panik geratene Angestellte aus Regierungsbüros flohen und Hubschrauber bei der US-Botschaft landeten. Foto: Rahmat Gul/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ © Rahmat Gul, dpa

"Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt" - dieser fast schon sprichwörtliche Satz stammt aus dem Jahr 2004 und vom damaligen Verteidigungsmnister Peter Struck.

Wenn der Satz richtig war - Zweifel sind erlaubt -, dann hat Deutschland also nun ein Sicherheitsproblem. Daran wiederum sind leider wenig Zweifel erlaubt: Nach der quasi kampflosen Übergabe der Macht von der afghanischen Regierung an die Taliban wird Afghanistan noch mehr zum Experimentierfeld für islamistische Fundamentalisten aller Art, zum Sammelbecken der Steinzeitkrieger.

Nach 9/11 ins Visier geraten

Die hatten schon vor 2001 Unterschlupf in dem Land gefunden; einige der Attentäter des 11. September, angeleitet wohl von Osama bin Laden, kamen aus Afghanistan. Daher geriet der Hindukusch nach dem Terror von New York ins Visier von George W. Bush - unterstützt von der rot-grünen Regierung in Deutschland.

Dass es aber schwierig bis unmöglich ist, am Hindukusch deutsche (oder amerikanische) Interessen zu verteidigen, merkten alle Alliierten, die dort nie wirklich Fuß fassen konnten. Das gut gemeinte Experiment des "nation building", der Hilfe zum Aufbau eines eigenen, funktionierenden Staates, kann allenfalls klappen, wenn alle kraftvoll an einem Strang ziehen - was in Afghanistan nicht der Fall war.

Nun also regieren dort bald Männer (und zwar nur Männer), die nach dem Blutrecht der Scharia handeln, die Frauen zurückdrängen und ausgrenzen, die einen Gottesstaat errichten wollen.

Was bedeutet das für Deutschland, für den Westen? Kann man den Taliban wirklich so einfach den Geldhahn zudrehen, wie es nun Außenminister Heiko Maas ankündigte? Was, wenn vielleicht sogar eine Mehrheit im Land es gut findet, was die Taliban da tun? Bisher türmen sich viele heikle Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt.

Lassen sich die Geldströme der Taliban stoppen?

Brauchen nicht gerade solche Projekte Unterstützung, die humanitäre Hilfe vor Ort leisten? Aber: Wie sollen die Mittel die Richtigen erreichen? Und: Ist es möglich, die Geldflüsse der Taliban auszubremsen? Sie leben vom Export von Opium und Lithium, beides bietet das Land reichlich.

Drängendste Frage, auch und gerade im Wahlkampf: Auf wie viele Flüchtlinge aus Afghanistan müssen wir uns einstellen? Denn dass da viele versuchen werden, das Land zu verlassen, ist klar. Es sind klassische politische Flüchtlinge, die oft aus Angst um ihr Leben fliehen werden.

Gefragt wäre eine internationale Kooperation. Es darf sich nicht ein gravierender Fehler von 2014 wiederholen: Damals wurden die Hilfen für Lager nahe der Grenze zu Syrien deutlich gekappt - und auch deshalb machten sich viele auf nach Europa und Deutschland; ein Auslöser der "Flüchtlingskrise" von 2015.

Ortskräfte aus dem Land holen

Wir sind herausgefordert - zunächst einmal mit schlichter Hilfe: Auch die Ortskräfte, die der Bundeswehr vor Ort zuarbeiteten, können nicht dort bleiben, sie sind in Gefahr. Und dann braucht es gemeinsame Idee, um für ein bisschen mehr Sicherheit am Hindukusch zu sorgen.

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