Deutsches Stadion: Nazi-Gigantomanie in Nürnberg und der Oberpfalz

5.9.2017, 21:13 Uhr
Es war ein wahnsinniges Projekt: Am 9. September 1937 wurde am Reichsparteitagsgelände in Nürnberg im Beisein tausender Besucher der Grundstein für das
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Es war ein wahnsinniges Projekt: Am 9. September 1937 wurde am Reichsparteitagsgelände in Nürnberg im Beisein tausender Besucher der Grundstein für das "größte Stadion der Welt" gelegt. (Hier zu sehen ist ein Bild des Stadions von Otto A. Hirth aus der Großen Deutschen Kunstausstellung 1942.)

Zwischen Dutzendteich und Märzfeld sollte das Stadion errichtet werden. Mit Postkarten, die alle geplanten Bauwerke zeigten, warb die Stadt Nürnberg für ihre neue Rolle in den Plänen Hitlers. Hinter den Kulissen allerdings war den Fachleuten früh bewusst, dass der Ausbau des riesigen, elf Quadratkilometer großen Areals der Kommune binnen kurzer Zeit über den Kopf wachsen würde.
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Zwischen Dutzendteich und Märzfeld sollte das Stadion errichtet werden. Mit Postkarten, die alle geplanten Bauwerke zeigten, warb die Stadt Nürnberg für ihre neue Rolle in den Plänen Hitlers. Hinter den Kulissen allerdings war den Fachleuten früh bewusst, dass der Ausbau des riesigen, elf Quadratkilometer großen Areals der Kommune binnen kurzer Zeit über den Kopf wachsen würde. © NN

100 Meter hohe Tribünen und Platz für 405.000 Zuschauern: Es sollte, so Hitlers Vision, das größte Stadion aller Länder und Zeiten werden, größer als der Circus Maximus im alten Rom. Höher als die Lorenzkirche, so die damalige Propaganda, sollte das Bauwerk werden. Die Baugrube wurde in Nähe des heutigen Silbersee ausgehoben. Der Grundstein enthielt die von Reichskanzler Adolf Hitler unterzeichneten Urkunden, mit denen...
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100 Meter hohe Tribünen und Platz für 405.000 Zuschauern: Es sollte, so Hitlers Vision, das größte Stadion aller Länder und Zeiten werden, größer als der Circus Maximus im alten Rom. Höher als die Lorenzkirche, so die damalige Propaganda, sollte das Bauwerk werden. Die Baugrube wurde in Nähe des heutigen Silbersee ausgehoben. Der Grundstein enthielt die von Reichskanzler Adolf Hitler unterzeichneten Urkunden, mit denen... © Edgar Pfrogner

...er das Deutsche Stadion als künftigen Ort für die
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...er das Deutsche Stadion als künftigen Ort für die "Nationalsozialistischen Kampfspiele" festlegte. Unser Foto zeigt Soldaten beim Handgranatenweitwurf.

Warum eigentlich Nürnberg? Es waren eher pragmatische Gründe, warum die Nazis ab 1933 jeweils in der ersten Septemberhälfte die zumeist acht Tage dauernden
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Warum eigentlich Nürnberg? Es waren eher pragmatische Gründe, warum die Nazis ab 1933 jeweils in der ersten Septemberhälfte die zumeist acht Tage dauernden "Reichsparteitage des Deutschen Volkes" hier organisierten: Die zentrale Lage der Stadt und die gute Verkehrsanbindung zählten dazu.

Die NSDAP war mit Gauleiter Julius Streicher, einem der größten Judenhasser im Reich, in Franken relativ gut organisiert. Die hiesige Polizei stand dem Nazi-Treiben vergleichsweise wohlwollend gegenüber. Ein ausschlaggebender Punkt für die Wahl Nürnbergs als Austragungsort war auch die bereits vorhandene Luitpoldarena (Im Bild) mit der dazugehörigen Halle. Die Massenveranstaltungen sollten die Menschen für die Ideologie Hitlers begeistern. Erst später wurde die Wahl Nürnbergs damit begründet, dass die Reichsparteitage an die Tradition der Nürnberger Reichstage anknüpfen würden. © Geschichte Für Alle e.V. -Institut für Regionalgeschichte

Zurück zum Stadionbau: Um die Sichtverhältnisse der Zuschauerränge zu testen, wurde im Hirschbachtal bei Oberklausen ein Holzmodell errichtet. (Dieses Foto wurde uns von Walter Winkler aus Greding überlassen)
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Zurück zum Stadionbau: Um die Sichtverhältnisse der Zuschauerränge zu testen, wurde im Hirschbachtal bei Oberklausen ein Holzmodell errichtet. (Dieses Foto wurde uns von Walter Winkler aus Greding überlassen)

Zigtausende Arbeiter begannen 1937 mit den Aushubarbeiten für das Stadion, doch diese waren bis Kriegsbeginn 1939 noch nicht vollendet. Als Anfang 1945 die Grundwasserpumpen auf der Baustelle abgeschaltet und die Arbeiten eingestellt wurden, lief die bis zu 9,5 Meter tiefe Baugrube mit Wasser voll — der Silbersee entstand.
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Zigtausende Arbeiter begannen 1937 mit den Aushubarbeiten für das Stadion, doch diese waren bis Kriegsbeginn 1939 noch nicht vollendet. Als Anfang 1945 die Grundwasserpumpen auf der Baustelle abgeschaltet und die Arbeiten eingestellt wurden, lief die bis zu 9,5 Meter tiefe Baugrube mit Wasser voll — der Silbersee entstand. © Pressearchiv

Die ehemalige Probetribüne im Hirschbachtal ist längst von Bäumen überwachsen.
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© Lorenz Bomhard

Der Blick vom Steilhang auf die kleine Ortschaft Oberklausen.
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© Lorenz Bomhard

Was bleibt vom Deutschen Stadion übrig? Die betonierten Fundamente der Test-Anlage im Hirschbachtal sind heute noch vorhanden.
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Was bleibt vom Deutschen Stadion übrig? Die betonierten Fundamente der Test-Anlage im Hirschbachtal sind heute noch vorhanden. © Lorenz Bomhard

Der Silbersee auch. Wegen des in der Nachkriegszeit darin entsorgten Mülls - darunter auch Sondermüll - und des daneben gelegenen Silberbucks, einem Müllberg, der nach Kriegsende mit Unrat aus dem zerstörten Nürnberg aufgefüllt wurde, ist der See mit Schwefelwasserstoff verseucht. Trotz Badeverbots starben deshalb bislang rund 50 Menschen beim Baden. Eine Sanierung des Sees würde einen dreistelligen Millionenbetrag kosten - für die Stadt Nürnberg ist das nicht zu stemmen.
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Der Silbersee auch. Wegen des in der Nachkriegszeit darin entsorgten Mülls - darunter auch Sondermüll - und des daneben gelegenen Silberbucks, einem Müllberg, der nach Kriegsende mit Unrat aus dem zerstörten Nürnberg aufgefüllt wurde, ist der See mit Schwefelwasserstoff verseucht. Trotz Badeverbots starben deshalb bislang rund 50 Menschen beim Baden. Eine Sanierung des Sees würde einen dreistelligen Millionenbetrag kosten - für die Stadt Nürnberg ist das nicht zu stemmen. © Hagen Gerullis

Und das einzige steinerne Relikt des Stadions, der Grundstein, lag bis 2001 von Grünpflanzen überwuchert in einem Waldgelände neben der Messe. Für den Bau der Messe-Parkhäuser musste der Stein entfernt werden und kam in ein städtisches Depot. Nur mit Mühe konnten die städtischen Mitarbeiter damals den zentnerschweren Grundstein in die Waage bringen. Inzwischen liegt der Granitblock mit einer durchsichtigen Erläuterungstafel an der Ecke Große Straße/Alfred-Hensel-Weg und erinnert an die wahnsinnigen Pläne für das NS-Stadion.
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Und das einzige steinerne Relikt des Stadions, der Grundstein, lag bis 2001 von Grünpflanzen überwuchert in einem Waldgelände neben der Messe. Für den Bau der Messe-Parkhäuser musste der Stein entfernt werden und kam in ein städtisches Depot. Nur mit Mühe konnten die städtischen Mitarbeiter damals den zentnerschweren Grundstein in die Waage bringen. Inzwischen liegt der Granitblock mit einer durchsichtigen Erläuterungstafel an der Ecke Große Straße/Alfred-Hensel-Weg und erinnert an die wahnsinnigen Pläne für das NS-Stadion. © Gerullis