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Die Leichtigkeit und das Lächeln als Lebensprinzip

17.11.2020 17:02 Uhr

Mittlerweile arbeitet Ariane Kipp auch gerne mal mit farbenfrohem Lack.

17.11.2020 © Fotos: Tanja Licklederer


So nennt die Künstlerin Ariane Kipp den Augenblick im Jahr 2007, als sie erkannte: Autogenschweißen ist genau ihr Ding. Seit sie diese Form des Gasschmelzschweißens entdeckt hat gilt: "Alles was vorher entstand, gibt es nicht mehr."

Trotzdem gewährt Kipp einen Einblick in die Zeit vorher, die ja auch zu ihr gehört. Kreativ sei sie von klein auf gewesen, blickt die 43-Jährige mit dem charmanten, ansteckenden Lachen zurück, und die Eltern hätten dieses Talent gefördert. Sie töpferte, klebte kleine Holzstücke zu Gebilden, bastelte sich eine eigene Polaroid-Kamera und dekorierte auch schon mal die frisch gestrichene Wohnzimmerwand mit einem Graffiti. Davon, sagt sie, wiederum lachend, sei der Vater allerdings nicht wirklich begeistert gewesen.

Nach dem Abitur 1996 (Leistungskurs Kunst) zog es sie nach Italien, genauer gesagt nach Perugia in Umbrien, wo sie zunächst lediglich ein Jahr als Au Pair bei einer Familie bleiben wollte. Aus einem wurden zwölf aufregende und erlebnisreiche Jahre. "Erst habe ich mich nicht getraut, mich an der hiesigen Accademia di Belle Arti zu bewerben", erzählt Kipp – zu schüchtern sei sie damals gewesen. Zum Glück gab es Freunde, die sie animieren konnten, es doch zu tun.

"Eine ganze Woche dauerte die Aufnahmeprüfung für das Studium der Bildhauerei, alles komplett auf Italienisch – und ich wurde tatsächlich genommen."

Man merkt heute noch ihre ehrliche Verwunderung, wenn sie davon erzählt. Die zutiefst sympathische Mischung aus bescheidener Zurückhaltung ihre eigene Person betreffend und überschäumender Begeisterung für ihr Tun, hat sich die 43-Jährige bis heute beibehalten.

Bis zum alles entscheidenden "Punkt Null" folgten noch ein Aufenthalt in England 2002 an der Winchester School of Arts und der Abschluss 2004 mit einer Diplomarbeit in Kunstgeschichte. "Die Zeit in England war sehr prägend", sagt Kipp. "Wir haben viel über die Arbeiten diskutiert, das hat mich sicherer gemacht und war sehr lehrreich." 2007 gewann die Künstlerin ein Stipendium für Metallbearbeitung bei der T.A.M. (Schule für künstlerische Metallgestaltung in Pietrarubbia). "20 Stipendiaten drei Monate im italienischen Nirgendwo – das war krass", schaut Kipp zurück.

Die erste Skulptur

Und es war einschneidend. Der Punkt Null. Denn mit der Bearbeitung von Metall und Messing mit bis zu 2800 Grad heißem Acetylen-Sauerstoff hatte sie ihre Bestimmung gefunden. Inspiration für ihre erste Skulptur: Dünne Messingstäbe, die wirken wie Heu, das man in die Luft wirft. Leicht.

Überhaupt zieht sich diese Leichtigkeit als Grundgedanke durch ihr weiteres gesamtes Schaffen. "Etwas Superfiligranes aus diesem schweren und massiven Material zu schaffen, das ist die Herausforderung", sagt sie. Durch schneiden, löten, auseinanderreißen und wieder aneinanderfügen entstehen immer neue Formen und ein anderer Kontext.

Nach dem gleichen Prinzip arbeitet sie mittlerweile auch mit zeitgenössischem Material. Etwa mit farbenfrohem Lack und leeren Plastikflaschen.

Nach dem "Punkt Null" kehrte die gebürtige Münchnerin nach Deutschland zurück, arbeitete freiberuflich zehn Jahre für die Autoindustrie und reiste berufsbedingt durch die ganze Welt.

"Ein Leben aus dem Koffer, manchmal wusste ich nicht, wo ich aufwache", sagt Kipp, "das hat gezehrt, ich sehnte mich Stabilität". Und so lebt die inzwischen renommierte Künstlerin (arianekipp.com) seit diesem Jahr in Nürnberg, "weil ich die Stadt schon immer sehr mochte", wie sie verrät. Lächelnd.

Zu sehen sind die außergewöhnlich ausdrucksstarken Werke von Ariane Kipp im "raum für zeitgenössische kunst" von Laurentiu Feller in der Bergstraße 11 und in der Galerie Bingold, Bessemerstraße 54-58.

Ihre KulTour-Tipps: Absoluter Geheimtipp: das Atelier von Sebastian Hertrich. Eigentlich Holzbildhauer, benutzt der "Phönix"-Kunstpreisträger 2020 aber seit langer Zeit die Leiterplatine als Medium. Es entstehen figurative Skulpturen mit diesem doch sehr ungewöhnlichen Material.

CLAUDIA WUNDER

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