Erlanger Kulturpreis für Joshua Groß

20.1.2016, 19:00 Uhr
Erlanger Kulturpreis für Joshua Groß

© Fotos: Philippe Gerlach

Da ist der Rapper Mascarpone. Dieser macht sich auf die Suche nach den „Magischen Rosinen“ – so heißt ein Rap-Text, der den Weg zu einer besseren, friedlichen, nicht kommerzialisierten Gesellschaft zu weisen verspricht. Der Text soll in einem Wal verborgen sein, der vor New York gestrandet ist.

Da sind zwei Freunde, die sich mit einem alten Bus aus dem Fränkischen nach Berlin und dann in die Filmkulissen-Stadt „Flash-City“ aufmachen, um dort in einer Telefonzelle ein Geheimnis zu entdecken.

Der Autor dieser Geschichten, die in Büchern mit so wunderschönen Titeln wie „Der Trost der Telefonzellen“ oder „Magische Rosinen“ stehen, ist Joshua Groß. Noch wird er als Literatur-Geheimtipp gehandelt, doch bereits mehrfach wurde die Kritik, Literatur-Experten und -Vermittler auf den jungen Mann, der 1989 in Altdorf geboren wurde, aufmerksam. So ist Große bereits vom Bezirk Mittelfranken mit dem Wolfram-von-Eschenbach-Preis, vom Bayerischen Kultusministerium und von der IHK-Kulturstiftung ausgezeichnet worden. Nun kommt noch der Förderpreis der Erlanger Kulturstiftung hinzu.

Groß hat an der Friedrich-Alexander-Universität Politikwissenschaften und Ökonomie studiert und anschließend einen Master in Ethik der Textkulturen gemacht. Regelmäßig arbeitet er mit dem Fotografen Philippe Gerlach zusammen.

Spiel mit alten Erzählmustern

Vor allem die handwerkliche Raffinesse überzeugte das Expertengremium der Kulturstiftung. So heißt es im Bezug auf „Magische Rosinen oder den Roman „Der Trost von Telefonzellen“: „Groß spielt mit einem alten Erzählmuster – es ist das von Eichendorffs „Taugenichts“ bis Herrndorfs „Tschick“ erzählte Thema des Aufbruchs und der Reise als Metapher für die Suche jugendlicher Helden nach Freiheit und Identität. Auch hier ist das Besondere nicht der Rückgriff auf das gängige Erzählmuster, sondern die Virtuosität der Fantasie, mit der Joshua Groß zwei junge Freunde über allerlei bizarre und kuriose Erfahrungen ein Ideal finden lässt.“

„Ich glaube, Literatur kann nicht ohne ein fundamentales Lesestudium geschrieben werden. Ich versuche so viel zu lesen, wie es geht. Was mich nämlich am meisten an deutscher Gegenwartsliteratur stört, ist, dass sie so herkömmlich und berechnend ist. Dass da überhaupt keine Finesse im Umgang mit Literatur und mit dem, was war, existiert“, sagt der Autor über seine Arbeit in einem Interview auf der Online-Seite „Doktor Peng!“.

Der Förderpreis der Erlanger Kulturstiftung wird von einem Expertengremium jährlich — abwechselnd in den Bereichen Literatur, Bildende Kunst und Musik — vergeben.

www.kulturstiftung-erlangen.de

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