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"Es bewirbt sich nicht Nürnberg, sondern SENF"

Diskussion über Europäische Kulturhauptstadt 2025 zeigt: Herausforderung und Chancen für ganze Städteachse. - 10.07.2019 15:31 Uhr

In Schwabach geboren, in Europa gewirkt: Auch Henselt könnte beim Schwabacher Beitrag für die Nürnberger Kulturhauptstadtbewerbung eine Rolle spielen. © Foto: Günther Wilhelm


Visionen sind nicht nur erlaubt, sie sind erwünscht. Kerstin Bienert hat so eine: "Ich könnte mir eine Jugendkunstschule vorstellen, so wie es Musikschulen ja schon gibt", sagt die Leiterin der Museen auf Burg Abenberg, die sich auch für die Schwabacher "Ortung" engagiert.

"Schwabach kann etwas bieten", findet Inge Kipfstuhl und verweist auf den großen Erfolg der "Hexe von Schwabach". So sieht das auch Karl-Heinz Odörfer vom Theatrum Mundi Ensemble. Für Angelika Preinl vom Verkehrsverein ist das Bürgerfest ein Beispiel, wie man Menschen in der Stadt zusammenbringt.

Der Künstler Walter Thaler regt ein "Sozialtraining für gewaltfreie Kommunikation" an, Antje Boas hält es für überfällig, über eine "autofreie Innenstadt" zu diskutieren. Und Stadtheimatpflegerin Ursula Kaiser-Biburger wünscht sich bei der Kulturvermittlung eine "noch engere Vernetzung der Städteachse".

Impuls für breite Diskussion

So überschaubar der Kreis, so breit war das Spektrum von Ideen, das da am Dienstagabend von einem runden Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmern angesprochen wurde. Nur ein netter Gedankenaustausch oder der Beginn einer spannenden Diskussion in der Schwabacher Bürgerschaft?

Eine solche wollte die Nürnberger Bürgerinitiative "NUE 2025" in Schwabach anstoßen. Deshalb hatte sie zu einem ersten öffentlichen Gesprächsabend über die Bewerbung Nürnbergs als "Europäische Kulturhauptstadt 2025" eingeladen. Philip Zerweck und Angela von Randow von der Bürgerinitiative hatten zwei zentrale Botschaften mitgebracht.

"Grenzen werden unwichtiger"

"Es bewirbt sich nicht Nürnberg, sondern es bewirbt sich SENF", sagt Zerweck. SENF, das ist das Kürzel für die Städteachse Schwabach, Erlangen, Nürnberg, Fürth. "Wir sind nicht Nürnberg mit Speckgürtel. Wir sind ein urbaner Raum. Die Stadtgrenzen werden immer unwichtiger." Deshalb sei auch ein Beitrag Schwabachs so wichtig und wertvoll.

Zweitens: Die Bewerbung ist nicht nur Sache der Stadtverwaltungen, so steht es sogar in den Auswahlkriterien. "Wir Bürger müssen uns einbringen wollen", betont Zerweck.

Wie aber kann ein Schwabacher Beitrag aussehen? "Wir sind noch ganz am Anfang", sagt Kulturamtsleiterin Sandra Hoffmann-Rivero, die selbst nach der Sommerpause die Bürgerschaft zu einem Informationsabend der Stadt einladen will.

In einer Grundsatzerklärung hat sich der Stadtrat einhellig für eine Beteiligung ausgesprochen. Die Finanzierung (rund 200 000 Euro) sowie konkrete Programmvorschläge müssen bis Februar 2020 entschieden und bis dahin beraten werden.

Nürnberg hat sieben Konkurrenten: Hannover, Dresden, Gera, Magdeburg, Hildesheim, Chemnitz und Zittau. Im Dezember gibt es eine Vorauswahl. In Nürnberg ist man aber zuversichtlich, dann noch dabei zu sein. Und damit auch Schwabach.

"Wir wollen uns zwei bis drei Exzellenzprojekte überlegen", erklärt Sandra Hoffmann-Rivero. Stichworte sind zum Beispiel Ortung oder auch das Thema Goldschläger.

Wie wollen wir leben?

"Es geht aber nicht um ein Veranstaltungsfeuerwerk, sondern um Nachhaltigkeit", ergänzt ihre Mitarbeiterin Kathrin Wagner. Sandra Hoffmann-Rivero will deshalb "sehr intensiv über die kulturelle Stadtentwicklung nachdenken". Der Kulturbegriff ist dabei weit gefasst. "Wenn der Handel in der Innenstadt künftig nicht mehr so zentral sein wird, dann geht es um die Frage, wie wir die Lücken schließen und eine Stadt lebendig halten." Was aber kann und soll eine Kulturhauptstadtbewerbung leisten? "Sie ist kein Tourismusmarketing, kein Sozialprojekt, aber auch keine reine Kunstveranstaltungen", beschreibt Sandra Hoffmann-Rivero das Spannungsfeld.

"Was wir unter Kultur verstehen, ist Gegenstand des Diskurses", findet Philip Zerweck. "Unpolitisch ist Kultur nie. Wir Bürger müssen diskutieren, wie wir künftig leben wollen." Daher sein Appell: "Einmischen!".

Ursula Kaiser-Biburger ist da zuversichtlich: "Das Stadtjubiläum ist doch ein tolles Vorbild. Da haben wir auch sehr viele gute Ideen entwickelt."  

GÜNTHER WILHELM

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