Hunderte Einsätze

"Dramatische Situationen" in Nürnberg: Unwetter wüten - Feuerwehr rückt 300 Mal aus

Stefan Zeitler

Online-Redaktion

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17.5.2024, 09:33 Uhr

Während die Menschen in Bayern, Franken und der Region am Wochenende nochmals teilweise traumhaftes Frühsommerwetter genießen konnten, war dann ab Donnerstagnachmittag plötzlich der harte Cut gemeldet: Fast alle Wettermodelle warnten vor Hagel, Unwetter und Regenschauer in der Region.

Rund 24 Stunden später ist klar: Die Modelle sollten einmal mehr Recht behalten. Zuerst hörte man es an vielen fränkischen Orten Donnerstagnachmittag (16. Mai 2024) donnern, dann prasselte auch ordentlich Platz- und Starkregen vom Himmel.

So fiel die Eröffnung der Erlanger Bergkirchweih buchstäblich ins Wasser. Tapfer stürzte sich unser Reporter-Duo Benjamin Jungblut und Georgios Tsakiridis jedoch ins Getümmel. Herausgekommen ist ein Liveticker zum Nachlesen voller Bilder, Videos, Regentropfen und Emotionen. Hier können Sie den Tag noch einmal nacherleben.

Anderer Abschnitt, ebenfalls Erlangen: Auf der A73 bei Baiersdorf wurde ein 28-Jähriger bei einem Auffahrunfall leicht verletzt. Auf der Überleitung der A3 Richtung Würzburg auf die A73 Fahrtrichtung Bamberg kam es außerdem zu einem Rückstau. Hier stand ein Pannenfahrzeug. Ein Sattelzug erkannte die Situation jedoch zu spät und fuhr auf den Pkw auf. Der 55-jährige Beifahrer des Pkws kam mit einer Gehirnerschütterung in eine Klinik. Der Schaden an beiden Fahrzeugen beläuft sich auch rund 15.000 Euro.

Weil die Polizei beim Fahrer des Sattelzuges Alkoholgeruch wahrgenommen hatte, wurde eine Blutentnahme durchgeführt. Diese ergab, dass der Mann mit 2,82 Promille am Steuer saß. Der Führerschein wurde sofort sichergestellt.

Auch in Roth und Schwabach kam gegen Abend teilweise heftiger Platzregen und Hagel vom Himmel. Dabei regnete es auch vereinzelt eine halbe Stunde heftig durch. Auch die Temperaturen kühlten danach merklich ab im Vergleich zu den letzten Sommertagen.

In Frensdorf im Bamberger Land kam es während eines Gewitters zu einem Blitzeinschlag in einem Dach. Aufgrund des Starkregens sei das dadurch ausgelöste Feuer jedoch eingedämmt worden, sodass sich kein größerer Brand entwickeln konnte. Trotzdem waren rund 100 Rettungskräfte im Einsatz, um den Brand final zu löschen. Der entstandene Sachschaden wird hier auf rund 5000 Euro beziffert.

Neben Bamberg, Erlangen, Schwabach oder Roth traf es aber auch Nürnberg. Und das hart.

Pkws in Seenot

Rund um die Unterführung der Heinemann-Brücke kam es zu einer Überflutung, ein Auto steckte in den Wassermassen dann sogar fest. Auch im Bereich der Äußeren Bayreuther Straße gerieten gleich sechs Pkws in Seenot. Die Insassen konnten sich allesamt unverletzt befreien, auch hier war die Feuerwehr im Einsatz.

In den Stadtteilen Schoppershof und Ziegelstein sorgte die Gewitterzelle für heftigen Hagel. Hier war dann für die Trambahnen zwischen Mögeldorf und Tiergarten vorerst Schluss. Auch mehrere Buslinien konnten die Fahrt nicht fortsetzen, teilweise standen Menschen knöcheltief im Wasser. Die Informationen zu diesem Bereich der Stadt haben wir hier noch einmal für Sie zusammengetragen.

Hunderte Einsatz- und Rettungskräfte gingen in den letzten Stunden und durch die Nacht an ihr absolutes Leistungslimit, um die Lage wieder in den Griff zu bekommen. So auch die Berufsfeuerwehr Nürnberg. Wie nun in einer Pressemitteilung von Freitagmorgen (17. Mai 2024) zu lesen ist, kam es alleine seit Donnerstagabend (16. Mai 2024) in der Stadt Nürnberg zu rund 300 Einsätzen.

Hundertfach rückte also sowohl die Berufsfeuerwehr als auch die Freiwilligen Feuerwehren aus. Wie die Einsatzkräfte in dem Schreiben weiter berichten, lag der Schwerpunkt hier vor allem im östlichen Stadtgebiet. Zeitweise hätte man sämtliche verfügbare Einsatzkräfte auch abrufen müssen, um Herr der Lage werden zu können.

Keller, Tiefgaragen oder Straßenunterführungen, an fast jeder Ecke stand die Stadt unter Wasser. Ein absoluter Kraftakt also für die Einsatzkräfte, die teilweise kaum bis gar keinen Schlaf bislang sahen.

Zusätzliche Hilfe angefordert

Weil es so viele Stellen gab, an denen Hilfe benötigt wurde, habe man sich die überörtliche Unterstützung aus der Nachbarstadt Fürth sowie aus dem Landkreis Nürnberger Land hinzugeholt.

Stand jetzt (Freitagmorgen 9 Uhr), sind noch immer diverse Straßenunterführungen nicht passierbar, macht die Berufsfeuerwehr in dem Schreiben klar. Zu teilweise „dramatischen Situationen“ sei es in einer Straßenbahnunterführung in der Zerzabelshoferstraße gekommen. Hier rückten am Ende sogar Rettungstaucher der Berufsfeuerwehr an, um zwei Personen vom Dach ihres steckengebliebenen Autos zu retten. Glücklicherweise blieben die Personen unverletzt.

Ein weiterer Einsatz, der noch immer läuft, spielt sich derzeit im Bereich der Technischen Hochschule Simon Ohm ab. Bis zum Erdgeschoss hinauf ist dort eine große Tiefgarage über zwei Geschosse hin überflutet. Gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk (THW) Nürnberg ist die Feuerwehr auch dort mit leistungsstarken Pumpen im Einsatz.

Wie durch ein Wunder seien derzeit keine verletzten Personen bekannt. Über Sachschäden könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Angaben machen.

Flughafenbetrieb läuft

Am Airport Nürnberg gebe es derzeit noch keine größeren Ausfälle zu beklagen. Wie ein Sprecher auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte, würden die allermeisten Flüge noch rechtzeitig starten und abheben. Nur ganz vereinzelt würde es zu leichten Verspätungen kommen.

Derzeit lasse der Regen in Nürnberg nach, so dass mit einer Entspannung der Lage zu rechnen ist, erklärt die Feuerwehr. Es könnte aber buchstäblich hier nur die Ruhe vor dem Sturm sein.

DWD warnt erneut

Denn: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt auch für Freitag (17. Mai 2024) wieder: So ist von „teils kräftigen Regenschauern“ hier die Rede. Die Gewitterzellen würden im weiteren Tagesverlauf nach Nordbayern, insbesondere Richtung Mainfranken ziehen und wieder ordentlich Regen mit sich bringen.

Bis in die Nacht zu Samstag (18. Mai 2024) hinein warnt der DWD vor allem im nördlichen Franken vor weiterem Regen, der dann jedoch allmählich nachlassen soll. Am Freitag kommen dann auch noch stürmische Böen auf. In der Spitze mit bis zu 70 Kilometern pro Stunde. Betroffen sei hier vor allem Schwaben und Oberbayern.

In den kommenden Stunden müssen Retterinnen und Retter in Franken, aber auch Bayern also weiter an das Leistungslimit gehen, um die Lage wieder langsam in den Griff zu bekommen.

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