Corona

Ende der Pandemie: Holetschek dämpft die Hoffnungen

André Ammer

Region und Bayern

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28.5.2021, 12:50 Uhr
Gesundheitsminister Klaus Holteschek (CSU) geht davon aus, dass die Pandemie im Herbst noch nicht vorbei sein wird. 

© Bayerische Staatskanzlei via www.imago-images.de Gesundheitsminister Klaus Holteschek (CSU) geht davon aus, dass die Pandemie im Herbst noch nicht vorbei sein wird. 

"Wir dürfen bei den Impfungen bedürftige und sozial benachteiligte Bürgerinnen und Bürger nicht vergessen", hatte Holetschek am Mittwoch beim Start der Aktion in Augsburg betont. 6000 Impfdosen von Johnson & Johnson werden dafür zur Verfügung gestellt. Das Vakzin des US-amerikanischen Pharma-Konzerns hat bekanntlich den Vorteil, dass eine Impfung ausreicht.


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Deshalb soll es bei Einsätzen von mobilen Impfteams in Stadtbezirken mit vielen Menschen in sozial schwierigen Verhältnissen bevorzugt bei Obdachlosen verimpft werden, erklärte Holetschek bei seiner Debatte mit online zugeschalteten Medienvertretern.

Alle profitieren

Von gezielten Impfungen von Bürgerinnen und Bürgern in prekären Lebensverhältnissen profitieren nach Überzeugung des bayerischen Gesundheitsministers nicht nur die Betroffenen, sondern die gesamte Gesellschaft. Deshalb setze man auf niedrigschwellige Angebote, habe verschiedene Aktionen mit Informationen in mehreren Sprachen angestoßen und nach bekannten Identifikationsfiguren von Menschen mit Migrationshintergrund gesucht, die die Menschen in diesen Milieus glaubwürdig ansprechen und für Impfungen gewinnen können.

Eine weitere Initiative, nämlich gezielte Reihenimpfungen in bayerischen Grenzregionen wie den Landkreisen Tirschenreuth oder Wunsiedel, hat sich mittlerweile ausgezahlt. Zusätzliche 100.000 Impfdosen waren nach einer entsprechenden Entscheidung der Ministerpräsidentenkonferenz dorthin geliefert und unter anderem für sogenannte Riegelimpfungen eingesetzt worden. Damit sollte verhindert werden, dass sich das Coronavirus unkontrolliert ausbreitet, und inzwischen zählen diese einstigen Hochinzidenzgebiete zu den Regionen mit den niedrigsten Infektionszahlen bundesweit.

Viele Fragen offen

Holetschek dämpfte jedoch auch die Hoffnungen, dass die Corona-Pandemie schon bald komplett zu den Akten gelegt werden kann. "Es wird im Herbst nicht vorbei sein", betonte er. Man werde sich unter anderem eingehend mit dem Punkt der Auffrischungsimpfungen befassen müssen, denn da seien viele Fragen noch unbeantwortet.

"Wie lange ist der Impfschutz tatsächlich wirksam? Ein Jahr oder nur ein halbes Jahr? Wir wissen es noch nicht", sagte der Gesundheitsminister, der trotz aller Unwägbarkeiten und auch Rückschläge wie dem aktuellen Engpass bei der Impfstoffversorgung die Erfolge im Kampf gegen die Pandemie nicht klein reden lassen will.


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"Dass wir den Impfstoff überhaupt schon haben, ist eine großartige Leistung." Man könne aus der Corona-Krise auch viele Lehren für die Zukunft ziehen, zum Beispiel wurde in Bayern inzwischen ein Pandemie-Zentrallager aufgebaut, in dem Schutzausrüstung für ein halbes Jahr vorgehalten wird.

Probleme in Pflegeheimen

"Mutige und große Schritte" forderte Holetschek außerdem bei der Reform der Pflege - "da müssen wir schon fast eine Revolution anzetteln". Corona habe hier wie ein Brennglas gewirkt, die vielfältigen Probleme in den Alten- und Pflegeheimen seien dadurch noch deutlicher ans Tageslicht getreten. "Die Pflege ist an ihre Grenzen gelangt, viele Pflegekräfte sind ausgebrannt und wollen aus dem Beruf aussteigen", bilanzierte der Minister und plädierte deshalb unter anderem für eine bessere Verknüpfung von stationären und ambulanten Pflegeangeboten.


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Und auch dafür, dass mehr Geld zur Verfügung gestellt werden muss, etwa mithilfe von Staatszuschüssen. "Es kann doch nicht sein, dass sich die Pflegeleistungen nach dem Abrechnungssystem richten und nicht nach den Bedürfnissen der Menschen", kritisierte Holetschek und will sich deshalb dafür einsetzen, dass die Pflegereform noch vor der Bundestagswahl angegangen wird. Dass da extrem dicke Bretter zu bohren sind, ist ihm klar. "Das wird noch harte Diskussionen geben, auch mit dem Finanzminister."