Fürth will spätestens 2040 klimaneutral sein

Andreas Dalberg

FN-Redakteur

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23.4.2021, 07:00 Uhr
Fürth als „Solarstadt“ wächst weiter: 2020 nahm die Leistung der Photovoltaikanlagen in der Stadt um fast zehn Prozent zu. Die Anlagen lieferten insgesamt 28.318 Kilowatt-Peak.  

© Wolfgang Händel Fürth als „Solarstadt“ wächst weiter: 2020 nahm die Leistung der Photovoltaikanlagen in der Stadt um fast zehn Prozent zu. Die Anlagen lieferten insgesamt 28.318 Kilowatt-Peak.  

Die Fürther Stadtspitze geht davon aus, dass die Stadt bis 2035, spätestens aber 2040 klimaneutral sein kann. „Das ist ein ambitioniertes, aber auch realistisches Ziel“, sagt Oberbürgermeister Thomas Jung.

Seit vergangenem Herbst jedenfalls arbeitet im Umweltreferat eine mehrköpfige Expertengruppe an einem „integrierten Klimaschutzkonzept“. Im ersten Schritt wurde eine Treibhausgas-Bilanz erstellt, deren Ergebnisse nun vorliegen.

Fürth liegt vor Erlangen

Fürth schneidet vergleichsweise gut ab: So fielen 2018 insgesamt 812.556 Tonnen Treibhausgas-Emissionen an, was 6,36 Tonnen je Einwohner entspricht. Zum Vergleich: In Erlangen waren es 8,2 Tonnen, bundesweit sogar 8,7 Tonnen je Einwohner.

Größter Emittent in der Stadt ist die Wirtschaft mit einem Anteil von 44,5 Prozent. Private Haushalte tragen 28,4 Prozent zu den Emissionen bei, der Verkehr 25,8 Prozent.


Die Analyse ergab auch, was die wichtigsten Hebel wären, um Kohlendioxid einzusparen: Diana Perkins vom Umweltreferat nennt hier unter anderem die energetische Gebäudesanierung oder auch den Ausbau von ÖPNV und Elektromobilität auf Grundlage erneuerbarer Energien.


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Damit rennt sie beim Stadtoberhaupt offene Türen ein. OB Jung will Fürth insbesondere als Solarstadt weiter nach vorn bringen. Denn augenblicklich trägt der Strom noch mit 36,2 Prozent zu den Emissionen bei.

Man müsse zwar noch viel leisten, aber die Ausgangsposition sei hervorragend, meint Jung und verweist darauf, dass die Stadt ihren selbstgesetzten „Klimaschutzfahrplan“ eingehalten habe: Zwischen 2010 und 2020 gelang es, die Kohlendioxid-Emissionen um 23 Prozent zu reduzieren.

Nun muss der Stadtrat entscheiden, welche neuen Ziele sich Fürth auf die Fahnen schreiben wird. Im Umweltausschuss soll kommende Woche vorberaten, im Mai dann im Stadtparlament über die Vorschläge der Verwaltung entschieden werden, wonach die ganze Stadt bis spätestens 2040 und die Stadtverwaltung deutlich früher, zwischen 2030 und 2035, klimaneutral sein soll.

Erste städtische Dienststellen und Einrichtungen werden das Ziel schon 2022 erreichen, etwa die Kläranlage, und zwar durch eine Photovoltaik.

WBG-Wohnungen: 20 Prozent energetisch saniert

Auch die kommunale Wohnungsbaugesellschaft (WBG) leistet ihren Beitrag: Von 3000 Wohnungen sind 20 Prozent energetisch saniert. Setzt sich das Tempo fort wie 2020 (Sanierungsquote: sieben Prozent), ist man in zwölf Jahren durch.

So geht es nun weiter: Sind die Klimaschutzziele festgelegt, wird das Umweltreferat die Maßnahmen planen, mit denen diese Ziele erreicht werden können. Ende 2021 soll das Klimaschutzkonzept fertig sein. Wobei klar ist: Egal, was Fürth auch anpackt, „die Ziele können nur erreicht werden, wenn Bund und Land mitziehen“, sagt der Oberbürgermeister.


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Zentral wird hier sein, Fördermittel bereitzustellen, die Privathaushalten Anreize geben, klimafreundlicher zu werden – Stichwörter sind etwa Heizungsaustausch oder Gebäudedämmung.

Und natürlich ist auch die Wirtschaft gefordert. An der Stadtspitze ist man da aber optimistisch. Längst würden sich hiesige Betriebe in puncto Umweltschutz stark engagieren – das eine Unternehmen beispielsweise habe eine Nachhaltigkeitsabteilung eingerichtet, das andere den neuen Produktionsstandort von vornherein auf Wärmerückgewinnung und Stromsparen ausgerichtet. Die Klimaziele jedenfalls seien nur gemeinsam erreichbar.

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