Corona in Nürnberg

Belastungsgrenze erreicht: Nürnberger Oberarzt schlägt Alarm und kritisiert Ungeimpfte

4.11.2021, 15:36 Uhr
Das Krankenhauspersonal in Nürnberg ist am Limit und kämpft auf den Intensivstationen um Menschenleben von Corona-Patienten.

© NEWS5 Das Krankenhauspersonal in Nürnberg ist am Limit und kämpft auf den Intensivstationen um Menschenleben von Corona-Patienten.

Es sind deutliche Worte die Armin Geise, Oberarzt am Klinikum Nord in Nürnberg, in einem Interview diese Woche gegenüber der Nachrichtenagentur News5 findet: "Die Lage ist sehr angespannt, es sind alle Betten voll. Wir versuchen noch Notfälle unterzubekommen", so Geise. Dass nun vor allem größere Krankenhäuser in Ballungsräumen an die "absolute Belastungsgrenze" kommen oder gar schon gekommen sind, daran lässt der Lungenfacharzt keinen Zweifel aufkommen.

Mit der zunehmenden Belegung der Intensivbetten durch Covid-Patienten, tritt nun genau das ein, wovor Gesundheitsexperten immerzu warnen. Die Versorgung von schwerkranken Patienten muss ebenfalls gewährleistet sein. So müsse die Behandlung von Patienten mit mehrfachem Organversagen, Sepsis und Herzinfarkt "nebenbei" auch noch erfolgen, zählt der Oberarzt nur einige der schweren Fälle auf. Das geschäftige Treiben auf der Station im Hintergrund des auf Video aufgenommenen Interviews lässt an der Ernsthaftigkeit seiner Aussagen keinen Zweifel aufkommen.

Ungeimpfte treiben die Infektionen hoch

Für den starken Anstieg der Corona-Infektionen macht der Intensivmediziner Geise mehrere Faktoren verantwortlich. So spielen die hochansteckende Delta-Variante, die kalte Jahreszeit, die geöffneten Schulen und damit verbunden auch die Rolle der ungeimpften Kinder zusammen. Ganz klar sei nach Armin Geise jedoch: "Grundsätzlich wäre es aber nicht so, wenn der Anteil der geimpften Bevölkerung höher wäre."

Das durchschnittliche Alter der Intensivpatienten am Nordklinikum Nürnberg liege bei 40 Jahren. In Deutschland werde viel an die Behandlung der jungen Patienten gesetzt, erläutert Armin Geise: "Das sind auch Eltern mit Kindern, wo wir alles daran setzen, dass sie überleben." Und weiter: "Es sind vor allem ungeimpfte Eltern, die sich bei ihren Kindern oder im sozialen Umfeld angesteckt haben. Vor allem wenn es beide Eltern betrifft und die Kinder alleine sind, ist es besonders hart für uns das zu erleben", zeigt sich der Oberarzt betroffen.

"Die Krankenhäuser sind an der absoluten Belastungsgrenze"

Deutlich spüren das die Pflegekräfte und Ärzte vor allem am Personalmangel und weniger an der technischen Ausstattung. "Wir haben weniger Personal als in den letzten Wellen", sagt Geise. Zugleich seien es aber auch mehr Nicht-Coronapatienten, da sich etwa einige Operationen durch die vorherigen Wellen bereits weiter nach hinten verschoben haben. "Wir brauchen vor allem Fachkräfte zur Versorgung der Schwerstkranken."

An eine Prognose, wie es sich in den kommenden Wochen verhält, wagt sich der Intensivarzt nicht und betont stattdessen noch einmal die unausweichliche Tatsache: "Vor allem in Ballungsräumen sind wir an der Grenze dessen, dass wir die schwerkranken Patienten wirklich optimal gut versorgen können."

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