Es werde Lichtenreuth: Nürnbergs Zukunft liegt im Süden

28.11.2015, 15:56 Uhr
Nürnberg wächst rasend schnell. Deshalb soll hier schon bald ein neuer Stadtteil entstehen: Lichtenreuth.

© Stefan Hippel Nürnberg wächst rasend schnell. Deshalb soll hier schon bald ein neuer Stadtteil entstehen: Lichtenreuth.

Der Besitzer des Areals, der Immobilienentwickler Aurelis, hat auch schon einen Namen für den Stadtteil: "Lichtenreuth". Das ist eine Verballhornung von Forstbezirk Lichtenhof und Reuth, das Rodung eines bewaldeten Gebietes bedeutet. Im Rahmen einer Bürgerveranstaltung im Z-Bau wurde der Siegerentwurf des Rotterdamer Architekturbüros West 8 für das Gelände rund 150 Bürgern vorgestellt.

Baureferent Daniel Ulrich, Stefan Wiegand, Geschäftsführer von Aurelis, Christoph Elsässer von West 8 und Franz Pesch, Vorsitzender des Preisgerichts, erläuterten dabei die nächsten Schritte des Projekts. Denn die Größe des Geländes macht eine Entwicklung in Etappen notwendig.

Es werde Lichtenreuth: Nürnbergs Zukunft liegt im Süden

© NZ-Infografik

Wiegand rechnet für die vollständige Bebauung mit einem Zeitraum von mindestens zehn Jahren. Vergleichbare Projekte hätten Investitionen von über eine Milliarde Euro angezogen. Erst 2018 soll entschieden werden, ob es in der Mitte des Geländes, das ist Modul 4, Platz für Wohnen oder Gewerbe geben wird.

2016 wird mit dem Aufstellen eines Bebauungsplans begonnen, so dass der Startschuss für den ersten Bauabschnitt im Frühjahr 2018 erfolgen kann: Im Anschluss an den Hasenbuck werden zwischen 1200 und 1400 Wohnungen entstehen (Modul 1).

Die bauliche Qualität soll ein Beirat sichern

Laut Pesch wurde West 8 zum Sieger von zwölf Planungsbüros gekürt, weil die Grünflächenplanung am überzeugendsten ausgefallen sei: „Es entsteht ein kleiner schöner Park unterhalb des Hasenbucks.“ Im Süden soll der Grünraum naturnah bleiben. Elsässer betonte, dass der Freiraum Mittelpunkt des gesamten Areals werde.

„Grünflächen sind das Zentrum und nicht nur Pufferzonen.“ Es sollen individuell gestaltete Wohnblöcke und Häuser gebaut werden, keine seriell angeordneten Wohnbauten. West 8 will auf durchgängige Fahrradwege achten und das Parken entlang der Straßen soll nur auf einer Seite möglich sein.

„Nürnberg entwickelt sich schnell und rasant“, so Ulrich. Deshalb müsse hoch verdichtet gebaut werden. In den vergangenen zehn Jahren sei die Stadt um 20.000 Einwohner gewachsen und dieser Trend werde sich fortsetzen. Es werden aber nicht nur Mietwohnungen gebaut, sondern auch Stadthäuser. Immerhin ziehen 1500 Menschen pro Jahr aus Nürnberg weg, weil sie kein Eigentum erwerben können. Ziel der Planung sei, Leitlinien zu bestimmen, ohne dass zu viele Details festgelegt werden.

Bei der Gestaltung wird auf gute Architektur Wert gelegt, sicherten Ulrich und Wiegand zu. Doch oft werden gute planerische Absichten dann bei der Realisierung hintangestellt. Das soll aber in Lichtenreuth nicht geschehen. „Qualitätssicherung ist bei Architektur mit den Mitteln des Rechts nach der Bayerischen Bauordnung nicht mehr möglich. Wir werden deshalb einen unabhängigen Beirat einsetzen, der die Qualität sicherstellen wird“, versprach Ulrich.

Die Veranstaltung sollte auch dazu führen, dass Anlieger und Interessierte Anregungen einbringen. Der Vertreter vom Bund Naturschutz forderte gerade und damit schnelle Fahrradwege. Es wurde auf den Bedarf von Grundstücken für Baugruppen hingewiesen. Ulrich zeigte dafür grundsätzliches Verständnis auch in anderen Bereichen der Stadt: „Wir brauchen Grundstücke, Grundstücke und Grundstücke.“

Neue U-Bahnstation gefordert

Kritisch wurde die noch ungeklärte Zufahrtsituation zu dem Gelände gesehen: Drei Zugangsschleifen sollen Durchgangsverkehr verhindern. Ein Vertreter des Bürgervereins forderte erneut eine neue U-Bahnhaltestelle zwischen den Stationen Hasenbuck und Bauernfeindstraße. Außerdem soll die Verlängerung der Straßenbahnlinie 8, die einmal bis zur Bauernfeindstraße fahren wird, durch den Tunnel unter der Frankenstraße geführt werden. Beiden Anliegen erteilte Ulrich eine Absage: Eine neue U-Bahnstation würde abseits liegen und bis zu 40 Millionen Euro kosten. Die Sanierung der Straßenbahntunnel sei noch teurer.

Gefragt wurde auch danach, warum die Bahngüterhalle aus den dreißiger Jahren nicht erhalten wird. Laut Pesch hatte Aurelis den Planungsbüros keine Vorgabe für einen Abriss gemacht: „Die Architektenteams haben es geprüft, aber nur eines hat einen Vorschlag für die Nutzung der Halle gemacht.“ Noch dazu einen schlechten. Für eine normale städtebauliche Lösung sei die Halle zu groß. Eine effiziente und effektive Nutzung gebe es nicht.

Wer Ideen zu den Planungen einbringen möchte, kann dies online bis 23. Dezember über die Seite neuersueden.nuernberg.de tun oder aber auch einen Brief mit Hinweisen an das Stadtplanungsamt der Stadt Nürnberg, Lorenzer Straße 30, 90402 Nürnberg, schicken.

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