Gänse-Abschuss: Morddrohungen gegen Bürgermeister Vogel

Ute Möller

E-Mail

21.8.2018, 17:49 Uhr
Gänse-Abschuss: Morddrohungen gegen Bürgermeister Vogel

© Anke H.

"Wir wollen dich am Straßenrand verbluten sehen." "Wir wollen deinen Kopf." "Wir wissen, wann du aus dem Haus gehst." "Du musst Angst haben, wenn du in deinen Garten gehst." Bürgermeister Christian Vogel hat mit heftigen Reaktionen auf den Abschuss einiger Gänse am Wöhrder See gerechnet, aber die Heftigkeit der Zuschriften erschreckt den Sozialdemokraten sehr. "Ich habe nicht die Erwartung, dass jeder die Entscheidung für den Abschuss akzeptiert, aber ich erwarte eine faire Auseinandersetzung", sagt Vogel.

Nürnbergs Bürgermeister Christian Vogel sieht sich erheblichen Drohungen ausgesetzt.

Nürnbergs Bürgermeister Christian Vogel sieht sich erheblichen Drohungen ausgesetzt. © Roland Fengler

Doch die Verfasser der Hass-Mails, die zum Erstaunen des Bürgermeisters oft mit ihrem vollen Namen und Adresse unterschreiben, hätten die Grenzen des Anstands weit hinter sich gelassen. "Gestern lag ein Backstein vor meinem Haus, daran hing ein Zettel mit dem Text: Heute liegt er vor der Tür, morgen vielleicht schon im Haus." Auch Vogels Familie leidet unter den Drohungen. "Die Mails kommen aus dem ganzen Bundesgebiet", sagt Vogel und zitiert aus einer Mail, die während des Gesprächs mit der Redaktion eingeht: "Dich blöde Sau würde ich gerne angeschossen im See sehen", schreibt der Verfasser aus Karlsruhe.

Vogel prüft jetzt mit dem städtischen Rechtsamt, gegen welche Mailschreiber er Anzeige erstattet. "Auch Politiker sind kein Freiwild, es ist wichtig, deutlich zu machen, wo die Grenzen überschritten werden." Juristisch wird die Stadt auch gegen diejenigen vorgehen, die am Wöhrder See Bänke und Tafeln beschmiert haben mit Sprüchen wie "Vogel, du Mörder" oder "Nürnberg die Mörderstadt". Ein Unbekannter habe Schweineblut in die Norikusbucht gekippt, sagt Vogel. "Die Schmierereien sind Sachbeschädigung an öffentlichem Eigentum und wir werden Strafantrag stellen", sagt Vogel, der betont, dass er keineswegs allein die Entscheidung für den Abschuss der Gänse gefällt habe. "Mit am Tisch saßen andere Ämter, zum Beispiel das Landesamt für Landwirtschaft, aber auch der Landesbund für Vogelschutz."

Mittlerweile liegen Klagen vom Tierschutzverein Noris, einer Nürnberger Anwältin und der Tierrechtsorganisation Peta gegen die Stadt und den Jagdpächter vor, der am Samstag die Gänsejagd am Wöhrder See leitete. Eine Gans war angeschossen worden und verendete elendig. "Ich kann nicht sagen, wie genau es dazu kommen konnte, weil ich nicht dabei war", sagt Vogel. Aber sicherlich habe niemand die Absicht, Vögel unnötig leiden zu lassen. Sollten Fehler passiert sein, sei er bereit, sich dafür zu entschuldigen. Doch generell hält er die Abschussgenehmigung nicht für angreifbar. "Der Wöhrder See ist ein Jagderevier und Gänse dürfen ab 1. August geschossen werden."

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