"Kriege mein eigenes Kind"

Mysteriöse SMS: Vater von Alexandra R’s Pflegekind sagt unter Tränen aus

Johanna Mielich

Online-Redaktion

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17.4.2024, 20:11 Uhr
Am 9. Dezember 2022 verschwand Alexandra R. spurlos. Am Mittwoch sagte der Vater ihres Pflegekinds vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth aus.

© dpa, Polizei Mittelfranken/news5 Am 9. Dezember 2022 verschwand Alexandra R. spurlos. Am Mittwoch sagte der Vater ihres Pflegekinds vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth aus.

Mehrere enge Kontakte der vermissten Alexandra R. haben am Tag ihres Verschwindens, dem 9. Dezember 2022, eine mysteriöse SMS-Nachricht erhalten - so auch der Vater ihrer Pflegetochter. Der 68-Jährige hat am Mittwoch unter Tränen im Mordprozess vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth ausgesagt.

Die SMS-Botschaft habe die damals Hochschwangere "nie und nimmer geschrieben", erklärt der Rentner laut Angaben des "Bayerischen Rundfunks" vor der 19. Strafkammer. Dass Alexandra R. ihre Pflegetochter im Stich lassen würde, könne er sich nicht vorstellen.

"Ich kriege jetzt mein eigenes Kind"

In der Nachricht, die laut dem "BR" laut vor Gericht vorgelesen wurde, soll R. erklärt haben, dass sie weggehen werde und sich nicht mehr von ihrem Pflegekind ausnutzen lassen möchte. "Ich kriege jetzt ein eigenes Kind", hieß es darin weiter. Er solle der Pflegetochter sagen, dass sie sie weiterhin liebe.

Das Mädchen stammt aus einer früheren Beziehung des 68-Jährigen mit einer anderen Frau. Da die leibliche Mutter sich nicht kümmern könne, habe Alexandra R. das übernommen. Laut Angaben des Zeugen sei sie für das Mädchen wie eine Mutter gewesen.

Der Rentner habe R. laut Angaben von "NN.de" aus Rumänien nach Deutschland geholt, als sie 19 Jahre alt war. Er habe sie geheiratet, weil sie seinerzeit nicht so ohne Weiteres nach Deutschland hätte umsiedeln können.

Der 68-Jährige habe auch mitbekommen, als die 39-Jährige ihrem damaligen Partner Dejan B. den Zugang zu ihren Konten verwehrte und die Situation daraufhin eskaliert sei. R. sei daraufhin in ein Frauenhaus nach Schwabach geflüchtet.

"Ich habe den noch nie so ausrasten sehen, so aggressiv erlebt. Der hat die Alex am Hals gepackt und gewürgt. Dann flüchtete er aus der Wohnung", soll er laut Angaben von "NN.de" ausgesagt haben.

Mutterpass zurückgelassen

Auch eine Mitarbeiterin des Jugendamtes hat am Mittwoch vor dem Landgericht ausgesagt, sie hatte ebenso eine vermeintliche Abschiedsnachricht von Alexandra R. erhalten. Beim Lesen sei ihr jedoch schnell klar gewesen, dass diese nicht von der Frau stammen könne, sagte die Zeugin laut dem "BR".

Ihr zufolge wäre die Vermisste nicht einfach verschwunden, ohne Sorge dafür zu tragen, wer sich um die Pflegetochter kümmern solle. Gewundert habe sie außerdem, dass R. ihren Mutterpass in der Wohnung zurückgelassen habe - und das, obwohl sie in der Schwangerschaft auch gesundheitliche Probleme gehabt habe.

Motiv: Geld

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ihr früherer Lebensgefährte und ein Geschäftspartner die Frau verschleppt und ermordet haben - wegen finanzieller Streitigkeiten. Weil sie ihre Konten gesperrt hat, soll die Geschäftsgrundlage der beiden Männer weggebrochen sein.

Seit vergangener Woche müssen sich der 50-Jährige aus Bosnien-Herzegowina und der 48-jährige Deutsche wegen Mordes, Geiselnahme, Betrugs und anderer Straftaten vor dem Landgericht in Nürnberg verantworten. Am Montag hatte bereits der Lebensgefährte, der mit Alexandra R. ein Kind erwartet hatte, fünf Stunden unter Tränen ausgesagt - er berichtete vom "schlimmsten Tag seines Lebens".

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