Polizeihunde im Einsatz: So helfen die Vierbeiner dem Staat

6.11.2020, 05:54 Uhr
Die beiden Diensthundeführer Udo Bruckmann (links) und Klaus Gumbrecht mit ihren Spürnasen Buddy (links) und Kira auf dem Gelände der zentralen Diensthundestaffel.

© Michael Matejka, NNZ Die beiden Diensthundeführer Udo Bruckmann (links) und Klaus Gumbrecht mit ihren Spürnasen Buddy (links) und Kira auf dem Gelände der zentralen Diensthundestaffel.

Udo Bruckmann zieht seine Dienstwaffe aus dem Holster und löst das Magazin heraus. Den Behälter mit den Patronen versteckt er in dem Raucher-Häuschen, das auf dem Gelände der zentralen Diensthundestaffel in Nürnberg steht. Dann holt er Buddy. Buddy ist ein drahtiger belgischer Schäferhund. Der achtjährige Rüde weicht Udo Bruckmann nicht von der Seite. Dann kommt der Befehl, Buddy nimmt eine Fährte auf. Es dauert nicht lange und er bleibt vor dem Versteck stehen. Dann legt er sich hin: Er zeigt passiv den Fund an.

Spezialisiert auf Sprengstoff-Suche: Polizeihund Buddy.

Spezialisiert auf Sprengstoff-Suche: Polizeihund Buddy. © Michael Matejka, NNZ

Der Schäferhund ist auf Sprengstoff spezialisiert. Er kann aber auch die Fährte von Menschen aufnehmen. Im Bezirkskrankenhaus in Erlangen war das mal so. "Ein Patient hat in einem Anfall eine Pflegekraft zu Boden gestoßen und ist aus der Einrichtung geflohen. Ich wurde mit Buddy angefordert", erzählt Diensthundeführer Bruckmann. Er habe seinen Vierbeiner am Kissen des abgängigen Patienten schnüffeln lassen, dann ging's an die Suche. Kurz darauf fand er den Patienten in einem Gebüsch: entkleidet, bibbernd, denn es war eine Nacht im Winter. "Ohne uns wär' der Mann in der Kälte erfroren."

Die Wärmequelle im Gebüsch

Bruckmanns Kollege Klaus Gumbrecht ist auch Hundeführer bei der zentralen Diensthundestaffel. Auch er hat einen belgischen Schäferhund. Sie heißt Kira. Die zehnjährige Hündin ist spezialisiert auf "alle Arten von Drogen", sagt der Polizeioberkommissar. Aber als Schutzhund auch darauf, Täter im Ernstfall zu stellen.

Spezialisiert auf Rauschgift-Suche: Polizeihündin Kira.

Spezialisiert auf Rauschgift-Suche: Polizeihündin Kira. © Michael Matejka, NNZ

So wie nachts am 1. Mai 2013 in Roth. Ein junger Mann bedrohte einen 20-Jährigen und raubte seinem Opfer Geld und Zigaretten. Der Täter flüchtete, ein Zeuge wählte den Notruf. Ein Polizeihubschrauber stieg auf und scannte die Gegend von oben mit einer Wärmebildkamera. Unten machte sich Kira mit ihrem Diensthundeführer Klaus Gumbrecht auf die Suche. Im Rednitzgrund machte das Helikopter-Team eine Wärmequelle in einem Gebüsch aus und lotste den Diensthundeführer dort hin. Kira stellte den Täter, der zeigte sich geständig.


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Als Rauschgiftsuchhund setzt die Polizei Kira auch an den Busbahnhöfen ein, wenn der Verdacht besteht, in einem Reisebus könnten Drogen versteckt sein. "Bei Drogenspürhunden ist es besonders wichtig, dass sie passiv anschlagen, also bellen, sich hinlegen oder hinsetzen. Denn wenn beispielsweise synthetisches Rauschgift an die Schleimhäute kommt, überlebt der Hund das nicht", erklärt Gumbrecht.

Die Polizei setzt auf belgische Schäferhunde

Die Hunde lernen ihre Aufgaben durch ihren Spieltrieb. Ihre "Beißwurst" etwa bekommen sie nur, wenn sie das erledigen, was ihnen ihr Herrchen aufgetragen hat. Kira und Bully sind wie alle ihre Kollegen und Kolleginnen auf vier Beinen voll in die Familien der Diensthundeführer integriert. In der zentralen Diensthundestaffel bleiben sie im Zwinger oder gehen mit der Tierpflegerin Gassi bis der nächste Einsatz kommt. Mit den Außenstellen zusammen hält die Dienststelle in Mittelfranken rund 60 Spür- und Schutzhunde. In ganz Bayern sind es rund 400. Zwei Jahre dauert die Ausbildung, bis ein Diensthund einsetzbar ist. "Einmal im Jahr müssen die Tiere eine Jahresleistungsprüfung ablegen. So lässt sich das Niveau der Fähigkeit halten", berichtet Gumbrecht.

Die bayerische Polizei führt abgesehen von Drogen- und Sprengstoffsuchhunden auch Vierbeiner, die Menschen, Geld oder Brandbeschleuniger wittern. Vorzugsweise nimmt die Polizei belgische Schäferhunde. "So ein Schäferhund hat ungefähr 220 Millionen Riechzellen, der Mensch nur etwa fünf Millionen", weiß Udo Bruckmann. Da man den Hund auf alles konditionieren könne, kommt in Bayern bald eine weitere Spezialisierung dazu: das Aufspüren von Datenträgern.

In Brandenburg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen gibt es bereits sogenannte Datenträgerspürhunde. Sie finden Handys, Tablets, USB-Sticks oder Festplatten. Sie werden länderübergreifend angefordert, 2017 etwa vom Bundeskriminalamt bei IS-Ermittlungen, in einem Mordfall in Rostock, als ein Smartphone in einem Zementsack lag, oder im Missbrauchsfall auf dem Campingplatz in Lügde in Nordrhein-Westfalen, als ein USB-Stick in der Ritze eines Sessels steckte.


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Aus dem bayerischen Innenministerium heißt es: "Wir haben das Präsidium der Bayerischen Bereitschaftspolizei und die Zentrale Diensthundeschule beauftragt, ein Konzept zum Einsatz von Datenspeicherspürhunden bei der Bayerischen Polizei zu erarbeiten. Dieses soll 2021 vorliegen."

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