Wegen Corona: Flaute am Zapfhahn zum Tag des Bieres

23.4.2020, 06:00 Uhr
Wegen Corona: Flaute am Zapfhahn zum Tag des Bieres

© Foto: Günter Distler

Heute ist Tag des Bieres – der dieses Jahr ebenfalls unter dem unguten Stern von Corona steht. Die Krise setzt gerade den kleinen Brauereien schwer zu, die besonders unter der Absage vieler Feste leiden. Ein Nürnberger Eventmanager will sich aber noch nicht unterkriegen lassen.

"Wir sind absolut darauf angewiesen, dass uns unsere Kunden die Treue halten." Sabine Wiethaler-Dorn von der Brauerei Wiethaler in Neunhof bei Lauf findet drastische Worte für die aktuelle Situation der kleinen Brauereien: "Wir müssen verkraften, dass mit den ganzen Festen rund 80 Prozent unseres Jahresumsatzes weggebrochen sind", erklärt die Seniorchefin.


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Die ganze Saison sei man in normalen Jahren ab April auf den Kirchweihen und Feuerwehrfesten im Neunhofer Umland aktiv. Im Jahr der Corona-Pandemie, die sogar Schwergewichte wie das Oktoberfest zu Fall bringt, ist alles anders: "Wir haben seit acht Wochen praktisch kein Fassbier verkauft – das gab es in der Geschichte der Brauerei noch nie!"

Besonders schmerzt Wiethaler-Dorn der derzeit (zwangs-)geschlossene Brauerei-Gasthof direkt gegenüber der Braustätte. Dort werde zwar von den Pächtern erfolgreich Essen zum Mitnehmen angeboten, für den Bierumsatz bringe das freilich wenig. Immerhin hielten die Stammkunden dem kleinen Getränkemarkt direkt an der Brauerei die Treue.

Die Brauerei-Familie habe auch überlegt, sich stärker als bisher in den großen Getränkemärkten aufzustellen, die ja weiterhin geöffnet haben dürfen. "Aber das ist derzeit natürlich alles andere als leicht, weil auch die großen Brauereien massiv darauf setzen und uns mit Kampfpreis-Angeboten unter Druck bringen", sagt Wiethaler-Dorn.

Zwei Kästen Bier für unter 15 Euro? Für handwerklich gebrautes Bier ein unmöglich zu schlagender Preis. "Wir sind in dieser Krise wirklich darauf angewiesen, dass die Kunden uns kleine Brauereien bewusst unterstützen", lautet deswegen der Appell der Brauerei-Inhaberin.

Scharfe Kritik vom Verbandschef

Auch Georg Rittmayer, Präsident der privaten Brauereien in Bayern, hat das aggressive Vorpreschen der Braukonzerne, die mit ihren Überkapazitäten den Markt fluten, bemerkt und übt scharfe Kritik: "Es ist in meinen Augen eine Frechheit, wenn sich die Konzerne jetzt in dieser Krise gegenüber dem Mittelstand dermaßen unsolidarisch verhalten", schimpft der Brauer aus Hallerndorf im Landkreis Forchheim.


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Bis zu 25 Prozent Preisnachlass sei für die gebeutelten Privaten ein Schlag ins Gesicht. Der Wegfall der Feste treffe alle Brauereien schwer: "Das Fassbier bricht komplett ein. Viele kommen jetzt auf den Trichter, auf Flaschenbier umzusteigen, weil sich das wenigstens über die Getränkemärkte noch absetzen lässt", beobachtet Rittmayer, der in Hallerndorf auch einen nach wie vor stabil ausgelasteten Abfüllbetrieb betreibt.

Dennoch wächst die Zahl der Brauereien, die sich hilfesuchend an den Verband wenden, etwa wenn es um die Beantragung von Kurzarbeitergeld gehe. Mitarbeiter im Außendienst hätten die Mitglieds-Brauereien mit einem Fragenkatalog abtelefoniert, um einen Überblick über die Misere zu bekommen. "Die Verluste werden 2020 enorm sein."

Während auch Wiethaler-Dorn die Festsaison dieses Jahres abgeschrieben hat, besteht ein Silberstreif Hoffnung für sie in einer möglichen Öffnung der Gastronomie ab Pfingsten. "Wenn die Biergärten unter verschärften Sicherheitsmaßnahmen wieder öffnen dürften, würde uns das schon enorm helfen", sagt Wiethaler-Dorn, die im Übrigen völliges Verständnis für die strengen Maßnahmen der bayerischen Staatsregierung bekundet: "Das Allerwichtigste ist, dass alle gesund bleiben." Kurzarbeit strebt das kleine Familienunternehmen derzeit noch nicht an, "wir beschäftigen unsere Leute unter anderem mit unseren Obstbäumen für die Brennerei oder kleinen Renovierungsarbeiten in der Brauerei."

Herbst als Ausweichtermin?

Thomas Landherr, Gastronom und Organisator des fränkischen Bierfestes in Nürnberg, will sich noch nicht unterkriegen lassen: Er bekräftigt auf Anfrage, derzeit noch auf eine Ausweichtermin für das fränkische Bierfest im Burggraben zu spekulieren – im Herbst.

"Mit all der Geschichte um Corona herum muss es auch mal eine Zukunft geben", erklärt Landherr. "Deswegen sind wir bemüht – und lassen auch nicht locker – trotz allem noch ein Bierfest zu veranstalten."

Er räumt aber auch ein, der letzte zu sein, der "weiter auf ein Fest besteht, obwohl es aus der Krise heraus nicht möglich ist". Aber jetzt überhaupt nichts mehr zu planen – "das ist einfach nicht meine Art." Deswegen will der Veranstalter auch heute schon ein Zeichen setzen. "Es ist wichtig, sich trotz allem den Optimismus nicht nehmen zu lassen."

Die definitive Absage des Münchner Oktoberfestes am Dienstag sei für ihn nicht aussagekräftig, weil bei dieser Großveranstaltung ganz andere logistische Vorläufe nötig seien. "Ein Bierfest mit diversen Auflagen und in einer vielleicht etwas kleineren Form könnte möglich sein", hofft Landherr.



Viele Brauer, mit denen er in Kontakt steht, hätten schon Interesse bekundet. "Aber klar ist auch: Wir können derzeit nur auf Sicht fahren und im 14-Tage-Turnus planen."

Die Absage des Bardentreffens, das Landherr bewirtet, schmerze ebenso wie die Schließung der Gastronomien wie Zeltner Bierhaus oder Palais Schaumburg, beide in Nürnberg. "Wir versuchen es hier jetzt mal mit Mitnahmangeboten. Aber klar ist auch: Gastronomie lebt von der Nähe zum Kunden und dem Miteinander." Irgendwann bei vollem Personaleinsatz für einen halbvollen Laden wieder aufzumachen, hält Landherr deswegen für illusorisch.

 

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