Halteverbot auch für mobile Dienste

Für Fahrradstraße in Erlangen wurden Parkplätze vor Senioren-Wohnanlage abgeschafft

Eva Kettler

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Die Pommernstraße wurde, gemeinsam mit der Bayernstraße, als Fahrradstraße neu gestaltet. Vor der Senioren-Wohnanlage wurde ein absolutes Halteverbot eingerichtet.

Die Pommernstraße wurde, gemeinsam mit der Bayernstraße, als Fahrradstraße neu gestaltet. Vor der Senioren-Wohnanlage wurde ein absolutes Halteverbot eingerichtet. © Harald Sippel, NN

Nicht jede und jeder ist zufrieden mit der Neugestaltung von Bayern- und Pommernstraße als Fahrradstraße. Die Kritik kommt nicht von Autofahrern, die in der dergestalt ausgewiesenen Fahrradstraße jetzt die zweite Geige spielen, sondern von Bewohnern einer Seniorenwohnanlage und deren Angehörigen. Denn wo bis vor kurzem an der Straße auf der Länge des Gebäudes noch geparkt werden durfte, wurde jetzt ein absolutes Halteverbot ausgewiesen. Lediglich zwei mit Rollstühlen gekennzeichnete Parkplätze für Behindertenfahrdienste und Menschen mit Behindertenausweis sind noch vorhanden.

"Es kann doch wohl nicht sein, dass die Senioren auf der Strecke bleiben", moniert beispielsweise Eveline Krabec, deren 97-jährige Mutter in dem Haus wohnt. In der barrierefreien Seniorenwohnanlage der Gewobau würden sehr viele Menschen mit Behinderung leben, sagt sie. Pflegende Angehörige, Pflegedienste, "Essen auf Rädern" - all diese könnten jetzt nicht mehr parken.

"Unglücklich gelöst"

"Wenn es wenigstens ein eingeschränktes Halteverbot wäre", meint sie, aber so, wie es ist, "ist das wirklich sehr unglücklich gelöst". Sie selbst bringt ihrer Mutter ab und zu einen Kasten Wasser vorbei, der Weg zum Haus ist für sie nun deutlich länger und beschwerlicher als zuvor. Pflegedienste aber, so meint sie, hätten gar nicht die Zeit, weiter entfernt einen Parkplatz zu suchen.

An den Planern der Stadt liegt es jedenfalls nicht, dass die Park- und Halteplätze vor dem Haus nahezu komplett gestrichen wurden. Denn man hatte zunächst vorgesehen, auf der 180 Meter langen Strecke nur einen Teil der Parkplätze wegzunehmen. Doch aufgrund eines Antrags des Stadtteilbeirats Anger-Bruck wurde dann ein komplettes Halteverbot angeordnet.

Längere Lücken zum Ausweichen

Die Stadtverwaltung hatte geplant, acht bis zehn Parkplätze zu erhalten. Durch die Wegnahme der übrigen Parkplätze wären in der Straße, die in diesem Bereich relativ schmal ist, längere Lücken geschaffen worden, in denen Autofahrer entgegenkommenden Radfahrern - und umgekehrt - hätten ausweichen können.

Dieser Vorschlag wurde vom Stadtteilbeirat mehrheitlich abgelehnt. Im Begegnungsverkehr von Rad und Auto sei ein ausreichender Sicherheitsabstand nicht möglich.

Lösung wird angestrebt

Doch offenbar ist bei dem Gremium nun auch angekommen, dass die Situation in der Pommernstraße "unglücklich gelöst" ist. Bei der nächsten Zusammenkunft am Donnerstag, 14. Oktober, steht auf der Tagesordnung der Punkt "Fahrradstraße Pommernstraße, Haltezone für Hol-/Bringdienste". "Ich sehe, dass man einen Kompromiss zwischen der Fahrradstraße und einer Versorgungsmöglichkeit Bedürftiger mit mobilen Diensten schaffen müsste", sagt vorab jedenfalls Paul Dieter Pömsl, Vorsitzender des Stadtteilbeirats.

Auch bei der Gewobau zeigt man sich entgegenkommend. Zwar sei beim Kundenservice von der Problematik noch nichts bekannt, doch "man kann uns sehr gern kontaktieren und wir werden schauen, ob wir eine konstruktive Lösung finden, die unseren Mietern nutzt", sagt Michael Gerngroß, Leiter Kundenservice. Eine solche Lösung könnte dann in Sicht sein, wenn der an das Haus angrenzende Parkplatz der städtischen Wohnungsbaugesellschaft nicht ausreichend ausgelastet ist.

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