Minus 37,7 Prozent gegenüber 2019

Gebeutelt von Lockdown und Regeln: Unterirdische Bilanz für Frankens Tourismus

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 31.08.16..FOTO: Michael Matejka ..MOTIV: Mitarbeiterporträt: Martin Müller..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Martin Müller

Redaktion Metropolregion Nürnberg und Bayern

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9.2.2022, 14:09 Uhr
Ein mehrmonatiger Lockdown machte der Gastronomie in Bayern Anfang 2021 schwer zu schaffen. Etliche Betriebe mussten aufgeben, viele verloren ihre Mitarbeiter an andere Branchen.

© NGG Ein mehrmonatiger Lockdown machte der Gastronomie in Bayern Anfang 2021 schwer zu schaffen. Etliche Betriebe mussten aufgeben, viele verloren ihre Mitarbeiter an andere Branchen.

In sieben fetten Jahren mit sich ständig überbietenden Rekordzahlen hatte der Tourismus in Franken bis 2019 gewaltig an Selbstbewusstsein gewonnen und machte sich 2020 mit stolzgeschwellter Brust daran, erstmals die Marke von 25 Millionen Übernachtungen zu knacken.

Umsatzverlust von vier Milliarden Euro im Jahr

Doch dann kam Corona, und mit der Pandemie ein beispielloser Einbruch. Gerade mal 13,3 Millionen Übernachtungen verzeichneten die Anbieter 2020 - ein Minus von 41,8 Prozent. Im Jahr 2021 lief es ähnlich verheerend, vor allem der mehrmonatige Lockdown zu Beginn des Jahres sorgte dafür, dass die Umsätze einbrachen.

Unterm Strich vermeldet der Tourismusverband mit 14,3 Millionen Übernachtungen zwar ein leichtes Plus von sieben Prozent, trotzdem liegt man eben noch 37,7 Prozent unter dem Jahr 2019. Verbessert hat sich dadurch vorerst nichts. Im Gegenteil, die Situation hat sich weiter verschlimmert, die finanzielle Schieflage ist noch größer geworden, trotz staatlicher Unterstützung.

In normalen Jahren macht die Tourismus-Branche in Franken mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz, schon im Jahr 2020 waren es vier Milliarden Euro weniger, im Jahr 2021 war wohl ein ähnlicher Verlust zu verzeichnen. "So hohe Umsatzeinbußen haben natürlich eine tiefgreifende Wirkung. Es sind viele Fachkräfte abgewandert, Substanz ist verlorengegangen", verdeutlicht Thomas Bold, Landrat von Bad Kissingen und Vorsitzender des Tourismusverbandes Franken bei der Vorstellung der Jahresbilanz.

Guten Chancen für naturnahen Outdoor-Tourismus

Der ein oder andere Dienstleister habe sich bereits vom Markt zurückgezogen, vor allem in der Gastronomie. Nun müsse man schauen, ob man neue Anbieter gewinnen oder abgesprungene reaktivieren könne. Das wird allerdings schwierig werden. Denn für einen Großteil der Anbieter wird ein weiteres mageres Jahr mit schlechteren Zahlen als vor der Pandemie folgen, auch wenn der Trend nach oben zeigen dürfte. "Naturnahe Outdoor-Angebote haben gute Chancen", meint Bold.

Die ländlichen Regionen, die vor allem vom Inlandstourismus leben, haben Aussichten auf ein zumindest ordentliches Jahr. Ganz anders sieht es in den Städten aus, die auf Auslandstourismus, Geschäftsreisen und Messebetrieb angewiesen sind. Hier ist man noch weit von den fetten Jahren entfernt und wird im Bereich der Geschäftsreisen vielleicht auch nie mehr das Niveau vor der Pandemie erreichen.

Der Auslandstourismus in Franken war 2020 um satte 68 Prozent eingebrochen und hat sich bislang überhaupt nicht erholt. Noch einmal ging es um 0,8 Prozent abwärts. Zuwächse gab es nur bei Reisenden aus Schweden, Dänemark, Polen und Österreich.

Kaum Gäste aus Asien und Großbritannien

Die schon 2020 abgestürzten asiatischen Märkte brachen noch einmal deutlich ein, ebenso Großbritannien. Gerade mal 5337 Übernachtungen entfielen auf Menschen aus Japan, vor wenigen Jahren noch ein wichtiger Markt für Franken.

Wie stark der fehlende Messebetrieb Hotels in Nürnberg belastet, sieht man daran, dass die Stadt schon 2020 den größten Einbruch bei den Übernachtungszahlen unter allen fränkischen Städten verzeichnen musste und 2021 sogar die einzige fränkische Stadt war, die erneut ein Minus in der Bilanz stehen hatte. Deutlich nach oben ging es für Kulmbach und Forchheim, über stattliche Zuwächse konnten sich Erlangen, Ansbach, Dinkelsbühl und auch Bad Windsheim freuen.

Bei den Tourismusregionen ging es vor allem für das Romantische Franken zwischen Zirndorf, Rothenburg und Dinkelsbühl (plus 17,2 Prozent bei den Übernachtungen), sowie für Frankenwald und Haßberge merklich aufwärts. Im Fränkischen Seenland konnte man sich über ein Plus von 9,1 Prozent freuen, im Steigerwald immerhin noch über 8,9 Prozent. Die Fränkische Schweiz dagegen konnte sich von ihrem 35-Prozent-Minus im Vorjahr nicht erholen und trat ebenso auf der weit zurückgeworfenen Stelle wie der Naturpark Altmühltal.

So soll es besser werden für Frankens Tourismus

Lust auf Franken sollen in diesem Jahr neben der Bayerischen Landesausstellung mit dem Titel "Typisch Franken" in Ansbach und weiteren Höhepunkten wie der Feier von 125 Jahren Kinderzeche in Dinkelsbühl auch neue YouTube-Videos machen. 2022 sollen 16 kurze Videoclips produziert werden, die nachhaltige Angebote in den fränkischen Urlaubslandschaften vorstellen.

Durch ein Förderprogramm des bayerischen Wirtschaftsministeriums können etliche Kampagnen finanziert werden, darunter Ende März ein mehrseitiges Advertorial im Outdoor-Spezial von "DB mobil". Der Tourismusverband will zudem mit Info-Veranstaltungen erreichen, dass bei noch mehr Anbietern Online-Buchungen möglich sind. Denn gerade während der Pandemie mit sich ständig ändernden Regeln gilt: "Gäste wollen mehr denn je online und verstärkt auch kurzfristig buchen", wie Thomas Bold betont.

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