Straftaten

Gefälschte Impfpässe: Der "Tatort" liegt oft in Fürth

Birgit Heidingsfelder
Birgit Heidingsfelder

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25.10.2021, 10:02 Uhr
Ist der Impfpass echt oder gefälscht? In den Fürther Apotheken werden immer öfter gelbe Hefte vorgelegt, die sich als mutmaßlich manipuliert erweisen.

Ist der Impfpass echt oder gefälscht? In den Fürther Apotheken werden immer öfter gelbe Hefte vorgelegt, die sich als mutmaßlich manipuliert erweisen. © Foto: Sven Hoppe/dpa

Anna Klein, Inhaberin der Malzböden- und Ronhof-Apotheke, berichtet, in der vorigen Woche hätten ihr und ihrem Team fünf Personen, darunter ein Ehepaar, gefälschte Impfausweise präsentiert. Sie wollten damit an ein digitales Impfzertifikat, einen QR-Code, herankommen, der sich dann wiederum in beispielsweise die Covpass-App des Robert-Koch-Instituts oder die Corona-Warn-App des Bundes einlesen lässt und beim Restaurant-, Disco- oder Pflegeheimbesuch vorgezeigt werden kann.

Was sie und ihre Mitarbeitenden stutzig macht, will Klein nicht im Detail erläutern, um Trittbrettfahrer nicht auf dumme Gedanken zu bringen. Sie versichert aber: "Wir haben seit Anfang Juni in beiden Apotheken mehrere tausend Impfzertifikate ausgestellt." Da bekomme man einen Blick für das, was echt und das, was gefälscht ist.

Das sei kein Kavaliersdelikt, betont die Apothekerin, die sich nicht als verlängerter Arm des Gesetzes sieht, aber handeln, also Anzeige erstatten beziehungsweise die Polizei rufen muss, wenn ihr Impfpässe spanisch vorkommen. Schließlich hat sie es dann mit einer mutmaßlichen Straftat zu tun.

Mit welcher genau, das sei noch nicht ganz klar, heißt es auf Nachfrage aus dem Polizeipräsidium Mittelfranken. Eine höchstrichterliche Entscheidung stehe noch aus. Geprüft werde jeder Einzelfall, doch kommen diese drei Straftatbestände in Betracht: Urkundenfälschung, Gebrauch unrichtiger Gesundheitszeugnisse und eine Straftat nach dem Infektionsschutzgesetz. Der Strafrahmen bei der Urkundenfälschung beispielsweise bewegt sich zwischen einer Geldstrafe und einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren.

Wie Polizeisprecherin Janine Mendel sagte, wurden im Bereich des Polizeipräsidiums Mittelfranken – Stand Freitag – bisher mehr als 50 Fälle unter dem Stichwort "Corona-Impfausweis" angezeigt, bei denen sich Personen in Apotheken elektronische Zertifikate allem Anschein nach erschwindeln wollten. Auffällig: Das Gros der Fälle, rund 40, wurde erst jetzt, im Oktober, registriert. Den Angaben zufolge gingen die Anzeigen zwar bei verschiedenen Dienststellen in Mittelfranken ein. Bei einem Großteil aber liege "der Tatort in Fürth".

Steffen Hardt, Leiter der Kieselbühl-Apotheke, auf der Hardhöhe hatte binnen einer Woche vier Leute vor sich, die ihm einen gefälschten Impfpass unterjubeln wollten. Als er sie damit konfrontierte, fielen die Reaktionen erstaunlich aus: "mal megacool, mal naiv-ungläubig". Randaliert habe noch keiner, aber: "In jedem Fall ist das Ganze ärgerlich, es macht uns Arbeit und der Polizei, und es ist nicht sozial."

Claudia Röck von der Apotheke St. Paul in der Südstadt und Sprecherin der Fürther Apotheken, sah sich allein am Freitagmorgen – unabhängig voneinander – mit drei Fälschungen konfrontiert. In einem Fall kam es zur Festnahme. Röck ist sauer: Man müsse sich klarmachen, dass solche schwarzen Schafe "die Allgemeingesundheit gefährden". Denn beim Restaurant-, Disco-, Kino- oder Altenheimbesuch verlasse man sich doch darauf, dass auch alle Anwesenden wahrheitsgemäß geimpft, genesen oder getestet sind.

Sie bittet um Verständnis dafür, dass die Apotheken nach den jüngsten Vorkommnissen die gelben Impfhefte genauer prüfen müssen und dass das schon mal etwas dauern kann.