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Freitag, 23.10.2020

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Hochdramatisch und emotional

Bei der Aufführung des Weihnachtsoratoriums in der Altstädter Kirche begeisterten alle Mitwirkende das Publikum. - 16.12.2019 16:00 Uhr

Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Altstädter Kirche bei der Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach.


"Tod, Teufel, Sünd und Hölle sind ganz und gar geschwächt; bei Gott hat seine Stelle das menschliche Geschlecht". Mit dieser humanen Botschaft im Schlusschor des Weihnachtsoratoriums endet das wahrscheinlich bedeutendste und populärste geistliche Werk von Johann Sebastian Bach.

Es beginnt mit dem Jubelgesang "Jauchzet, frohlocket", den der Erlanger Bachchor, begleitet von den "Münchner Bachsolisten", perfekt, voller Dynamik und höchst eindringlich kredenzte.

Bereits in dieser Anfangspräsentation zeigte sich, dass die vielen Chorszenen in den folgenden Kantaten eins und vier bis sechs, die Wieland Hofmann souverän und temperamentvoll leitete, das Niveau dieser Aufführung prägten. Der exzellente, mit Emphase singende Chor begeisterte die Anwesenden mit seinen pointiert und ausdrucksstark vorgetragenen Choral-Partien und gemeinsam mit den vortrefflich agierenden Gesangs- und Instrumentalsolisten. Es gelang der diszipliniert, mit vollem Engagement sich präsentierenden Gesangsgemeinschaft die frohe Weihnachtsbotschaft prachtvoll und voller Anmut auf ergreifende Weise zu vermittelten.

Dass dieses hochdramatische und emotionale in Musik gesetzte biblische Geschehen mit großer Intensität den Zuhörern nahe gebracht wurde, war auch das Verdienst des vorzüglichen Tenors Michael Nowak. Als Evangelist gestalteten er und seine Quartett-Partner die weihnachtlichen Rezitative in den vier Kantaten mit Bravour. Den beiden Solisten, Katharina Heiligtag und dem Bass Egbert Junghanns gelang es Arien, die um die Geburt Jesu kreisen, gefühlvoll zu vermitteln. "Bereite, dich Zion" sang die Altistin voller Rührung, und Egbert Junghanns interpretierte die berühmte Bass-Arie "Großer Herr und starker König" vorzüglich.

Differenzierte Harmonik

Auch Andrea Zeilinger bewies mit ihren Sopran-Partien, dass sie die differenzierte Harmonik der Bachsche Musiksprache etwa in ihrer, mit Echoeffekten ausgestatteten Arie "Flößt, mein Heiland" beherrscht und überzeugend darzustellen weiß. Den motivierten Chor und das harmonische Gesangsquartett begleiteten die technisch und musikalisch in gleicher Weise versierten Münchner Bachsolisten, die - wie der Name sagt - über exzellente Instrumentalisten verfügen. Wunderbar beispielsweise das Trompetenensemble in den Chören "Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben" und am emphatischen Schluss "Nun sei ihr wohl gerochen". Diese vier Kantaten aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian boten alle Beteiligten am dritten Adventssonntag glaubwürdig, kompetent, effektvoll und ergreifend dar.

Dem Publikum in der überfüllten Altstädter Kirche wurde auf diese Weise eine wunderbare, emotionale, musikalische Vorbereitung auf das kommende Fest geboten.

DIETHARD HENNIG

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