Klimawandel: "Müssen von Fichtenwäldern Abstand nehmen"

5.5.2020, 11:05 Uhr
Die Fichten im Hartwald sind für Stürme ein leichtes Opfer. Forstexperte Fabian Röhnisch zeigt, dass die Wurzeln nur oberflächlich im Boden verankert sind. Bei starken Winden fehlt den Bäumen somit die nötige Standfestigkeit.

Die Fichten im Hartwald sind für Stürme ein leichtes Opfer. Forstexperte Fabian Röhnisch zeigt, dass die Wurzeln nur oberflächlich im Boden verankert sind. Bei starken Winden fehlt den Bäumen somit die nötige Standfestigkeit. © Forstbetriebsgemeinschaft Franken Süd

Stürme, Trockenheit, Hitze, Starkregen: Der Klimawandel macht der Natur und vor allem den Wäldern schwer zu schaffen. Orkane werfen Fichten reihenweise um, die Bäume sind gefundenes Fressen für den Borkenkäfer. Auch auf Kiefern würde Fabian Röhnisch nicht mehr setzen. Wie Fachleute heutzutage Wälder fit für die kommenden Herausforderungen machen wollen, erklärt der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Franken Süd am Beispiel des Genossenschaftswaldes in Rehlingen.

Seit 2007 betreut die FBG den Forst und damit auch den sogenannten Hartwald zwischen Rehlingen und Neufang. Schon der erste Eindruck am nördlichen Waldrand zeigt, dass hier offensichtlich etwas nicht nach Plan gelaufen ist: Statt eines geschlossenen jungen Fichtenbestandes, wie er rechter Hand noch zu sehen ist, klafft ein gewaltiges Loch im Wald. Wurzelstöcke ragen kreuz und quer aus dem Waldboden. "Bis Anfang letzten Jahres gab es hier nur ein kleines Käferloch aus den Jahren vor 2010", so Röhnisch.

Im März 2019 jedoch habe das Sturmtief Eberhard im Hartwald voll angegriffen. Ungewöhnlich dabei: Der Sturm kam an dieser Stelle aus nördlicher Richtung und so hatten die Fichten auf dem durchnässten Boden keinerlei Halt. Wie instabil die Fichten auf diesem Standort wirklich sind, zeigen die Wurzelteller der geworfenen Bäume. "Dass der hiesige Tonboden für die Fichte kritisch ist, war mir bewusst, dass aber keine einzige der Fichten tiefer als zehn Zentimeter im Boden verankert ist, das hätte ich nicht gedacht", zeigt sich selbst der Fachmann überrascht. Dies führe zu zweierlei Problemen für die Bäume. Einerseits fehle der Fichte die Stabilität, selbst bei bester Pflege. Außerdem wären die Fichten bei zunehmend wasserarmen Sommern auch starkem Trockenstress ausgesetzt, da sie an die tiefer gelegenen Bodenschichten mit den Wurzeln nicht heranreichen.

Statt Fichten besser Eichen und Tannen 

Im Hartwald gab es bisher viele Fichtenreinbestände. "Doch von Fichtenwäldern müssen wir größtenteils Abstand nehmen", so Röhnisch. Kiefer oder gar Fichte hätten nur noch an sehr wenigen Standorten Überlebenschancen. Für Förster, wie auch für die Waldgenossen Rehlingen ist deshalb klar: Der Hartwald muss umgebaut werden. Es braucht Bäume, die stabiler wachsen und selbst auf diesen schwierigen Standorten tiefere Bodenschichten erschließen können. "Als führende heimische Baumarten bieten sich hier nur Eichen oder Tannen, gegebenenfalls noch Erlen an", so Röhnisch. Für die Waldgenossen war schnell klar, dass sie nach einer Eichenpflanzung im letzten Jahr nun Tannen setzen wollten.


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Und so sieht man nun bereits die kleinen Tannensetzlinge, jeder einzelne geschützt durch eine Drahthose auf der Fläche stehen. "Wir hoffen auch auf natürlichen Anflug von weiteren Baumarten, wie Eiche, Hainbuche, Birke und Esche, so dass in 10-15 Jahren ein gesunder Mischwald im Hartwald stockt. Der Grundstein zum Waldumbau ist also gelegt."

Beim diesem Vorhaben spielt auch der wirtschaftliche Aspekt eine große Rolle. "Förster und Waldbesitzer wollen am besten gerade Bäume aus denen sich gut Bretter schneiden lassen", erklärt Röhnisch. Darüber hinaus würden aber auch der Umweltaspekt und der Naturschutz nicht vernachlässigt. Gesunde und standortgerechte Mischwälder, die dem Klimawandel trotzen und den Waldtieren Nahrung und Schutz bieten, sind das Ziel. Biotopbäume wie etwa alte Eichen mit ihren vielen Höhlen sind dabei sehr willkommen.

Weichenstellung für Jahrzehnte 

Ein schöner Wald entsteht da auf dem Gelände bei Rehlingen, das kann man sich gut vorstellen. Doch weder Röhnisch noch die meisten unserer Leser werden das umgebaute Areal je in seiner vollen Pracht erleben. Denn Waldumbau ist eine Arbeit, die "langfristiges Denken" erfordert, sagt der FBG-Geschäftsführer. Was die eine Generation sät, wird erst die nächste oder gar übernächste ernten. Das wissen Waldbesitzer schon seit vielen Jahrhunderten.

Auch Jürgen Stemmer, Leiter des Forstamts in Gunzenhausen, weiß um die enormen Herausforderungen, die der Waldumbau in Zeiten sich rasch ändernder Klimabedingungen für Forstwirte und Förster bedeutet. Ob die jetzt ergriffenen Maßnahmen und die Auswahl der Baumarten richtig oder falsch waren, das werden nach seinen Worten erst spätere Generationen beurteilen können.

Der Freistaat Bayern, informiert Stemmer, unterstützt private kommunale Waldbesitzer finanziell sowie im Rahmen der kostenlosen Beratung durch die Forstverwaltung auch fachlich und neutral. Die Beratungsförster des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten finden sich im Internet unter www.aelf-wb.bayern.de oder auf dem Waldbesitzerportal www.waldbesitzer-portal.bayern.de.

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