Besserer Sex mit Spielzeug? Eine Oberpfälzerin klärt auf

17.12.2020, 16:15 Uhr
Anita Krauss inmitten ihres pinkfarbenen Angebots.

Anita Krauss inmitten ihres pinkfarbenen Angebots. "Man muss zuallererst selbst wissen, was man im Bett will", sagt sie. © Foto: Günter Distler

Die Branche ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Sie hat den Sprung raus aus der "Schmuddelecke" geschafft. Die Werbespots von Online-Anbieter wie Amorelie oder Eis.de laufen zur Primetime im Free TV, und Adventskalender mit Sexspielzeug stehen in den Geschäften. Während des ersten Lockdowns sind die Verkaufszahlen für ferngesteuerte Vibratoren bei Amorelie um 50 Prozent gestiegen.

Zufrieden ist Anita Krauss mit dieser Entwicklung trotzdem noch nicht. Sie will, dass Sexualität noch offener kommuniziert wird: "Ich möchte Frauen, Männern und Paaren helfen, sich selber zu entdecken." Laut einer US-Studie ist das auch nötig. Junge Menschen haben demnach weniger Sex als ihr Eltern noch vor 25 Jahren.

Weibliche Lustzone

Krauss ist eigentlich gelernte Tourismuskauffrau. Montag bis Samstag sitzt sie von 10 bis 20 Uhr in einem Neumarkter Reisebüro. Doch die Wochenenden gehören seit vier Jahren ganz den "Pepper Parties". Und die Veranstaltungen haben tatsächlich Würze. Anita Krauss wird für einen Termin gebucht – entweder von einer Einzelperson oder einer Gruppe. Mit jeder Menge Produkte macht sie sich auf den Weg zu den Gastgebern. Vor Ort erklärt sie den Gästen dann, welche Sexspielzeuge sich wofür eignen und welche Neuheiten es gibt.

Ein wichtiger Bestandteil ihres Vortrags ist die weibliche Anatomie. Denn im Laufe der Zeit ist ihr aufgefallen, wie schlecht sowohl Männer als auch Frauen mit dem weiblichen Körper vertraut sind. "Man muss sich das mal vorstellen. Die Klitoris wurde erst 1998 offiziell als Organ entdeckt. Bis dahin kannte man sie kaum", sagt Krauss. Und bis heute sei vielen nicht klar, wie die weibliche Lustzone aussieht und funktioniert. Dabei können viele Frauen nur durch klitorale Befriedigung zum Orgasmus kommen. "Dafür muss sich niemand schämen. Es ist aber wichtig, mit dem Partner darüber zu sprechen."

Aufklärung mit Humor

Es gibt also gute Gründe dafür, dass Anita Krauss immer eine persönliche und diskrete Beratung an die Party anschließt. So kann jeder fragen, was ihm oder ihr auf dem Herzen liegt.

Wissenschaftlich oder gar spröde geht es bei keiner ihrer Veranstaltung zu. Die 25-Jährige versteht es, das Eis mit Humor zu brechen: "Ich glaube, es fällt den Kundinnen dann leichter, über das Thema zu sprechen. Hin und wieder braucht es natürlich auch die entsprechende Portion Ernsthaftigkeit."


Wegen Corona: Ansturm auf Sexspielzeuge im Netz


So sind die pinkfarbenen Spielzeuge, die sie verkauft, zwar in erster Linie für Frauen gedacht, aber auch Männer können sie probieren. Trotzdem ist ein Großteil der Partygäste weiblich. "Ich glaube nicht, dass Männer kein Interesse an Sextoys haben, aber Frauen sind in der Gruppe bei diesem Thema meist ernsthafter", sagt Krauss.

Manchmal komme es vor, dass Frauen nach einer Party berichten, dass ihre Partner gekränkt auf das neue Spielzeug reagiert hätten. Dafür gibt es laut Anita Krauss keinen Grund. Es bedeute ja nicht zwangsläufig, dass der Sex nicht gut sei, nur weil man etwas Neues ausprobieren möchte.

Vor vier Jahren war sie selbst auf einer Pepper Party. Seitdem ist sie selbstbewusster, wenn sie über Sex, Masturbation und Spielzeuge spricht. Das möchte sie weitergeben. Obwohl sie sich mittlerweile sehr gut auskennt – als Sex-Expertin würde sie sich dennoch nicht bezeichnen: "Ich glaube dafür fehlt schon noch etwas. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass dadurch der Ehrgeiz verloren geht."

Wissen, was man im Bett will

Durch diesen Ehrgeiz stieg sie bei "Pepper Parties" immerhin zur "Team-Beraterin" auf. Das bedeutet mehr Verantwortung. Ihr Appell lautet: "Wer guten Sex haben will, muss zuallererst selber wissen, was er im Bett will. Und es dem Partner oder der Partnerin dann ehrlich sagen." Ehrlich ist die 25-Jährige auch, was ihr eigenes Sex-Leben betrifft.

Oft denken andere Menschen, bei ihr müsste diesbezüglich alles perfekt laufen. "Man sollte sich niemals vergleichen. Dadurch entsteht Druck, und den kann man dabei nicht brauchen." Allein durch Spielzeuge jedoch wird das Sexleben nicht besser: "Sie können für Abwechslung sorgen und vervollständigen. Reden muss ich mit meinem Partner trotzdem."

Aufgrund der aktuellen Corona-Beschränkungen finden Partys derzeit nur online statt. Anita Krauss beantwortet Fragen dazu unter der Telefonnummer 0 15 25/6 39 44 46.

Keine Kommentare