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Lernstoff an Schulen: Auch Kinder können Leben retten

Die Aktion "#Nürnberg Drückt" will das Wissen um die Herzdruckmassage überall verbreiten — Spenden für Übungspuppen gesucht - 14.09.2018 18:08 Uhr

Woche der Wiederbelebung: Schüler und Schülerinnen üben am Brandenburger Tor in Berlin anhand von Puppen die Herzdruckmassage. Die Aktion hat der Deutsche Rat für Wiederbelebung initiiert. © Foto: BMG/Jochen Zick


Es ist ein ehrgeiziges Ziel, das sich Dr. Christian Engelen und seine Mitstreiter gesetzt haben. Bis zum Jahr 2025 soll an allen weiterführenden Schulen in Nürnberg ab der siebten Klasse verpflichtend jedes Jahr das Thema Herz-Lungen-Wiederbelebung mit einer Doppelstunde auf dem Lehrplan stehen.

"Helfen kann wirklich jeder, wenn er mitbekommt, dass ein Menschen bewusstlos zusammenbricht", meint Engelen, Notarzt und Anästhesist am Klinikum Nürnberg. Prüfen, ob der Patient noch atmet, den Rettungsdienst unter 112 anrufen und dann sofort mit der Herzdruckmassage beginnen, schildert Engelen die wichtigsten drei Schritte "Prüfen, Rufen, Drücken". "Ein Handy und zwei Hände hat schließlich jeder dabei", verdeutlicht der Mediziner.

Einen Notruf bekommen schon viele Buben und Mädchen im Kindergartenalter hin, die Herzdruckmassage schaffen von der körperlichen Kraft her Jugendliche ab der siebten Klasse, da sind sie etwa zwölf Jahre alt. Europaweit gibt es schon seit einiger Zeit die Kampagne "Kids save lives" —
Kinder retten Leben.

In einigen europäischen Nachbarländern, wie zum Beispiel in Dänemark, ist das Thema Herz-Lungen-Wiederbelebung schon seit Jahren ein verpflichtender Teil des Lehrplans.

Mit dem durchschlagenden Erfolg, dass dort fast 70 Prozent der Umstehenden sofort mit der lebensrettenden Herzdruckmassage beginnen, während in Deutschland dies nur maximal 20 bis 40 Prozent tun. "Kinder, die sich im Unterricht mit dem Thema auseinandersetzen, sind die besten Multiplikatoren. Sie tragen ihr Wissen in die Familien und animieren auch die Eltern, sich damit zu befassen", meint Engelen.

In Deutschland hat zwar die Kultusministerkonferenz 2014 die Einführung solcher Unterrichtseinheiten befürwortet, aber viel passiert ist noch nicht. Der Deutsche Rat für Wiederbelebung mit Prof. Bernd W. Böttiger an der Spitze hat bereits in Abstimmung mit den Hilfsorganisationen ein Konzept erarbeitet, das Schülern in einer Doppelstunde pro Jahr die wichtigsten Elemente vermittelt.

Hat die Kampagne aus der Taufe gehoben: Dr. Christian Engelen © Foto: Eduard Weigert


Die Jugendlichen lernen, wie sie einen Kreislaufstillstand erkennen, wie sie den Rettungsdienst verständigen, wie eine Herzdruckmassage funktioniert, wie man einen Bewusstlosen beatmet oder wie ein Defibrillator bedient wird. Mit Aktionen wie zum Beispiel einer "Massen-Herzdruckmassage" mit Jugendlichen vor dem Brandenburger Tor versucht Böttiger, Schulen und die Öffentlichkeit für diese Idee zu gewinnen.

"Ich habe einen Vortrag von Prof. Böttiger gehört und war sofort überzeugt", meint Engelen. Und so wurde die Kampagne "#Nürnberg Drückt" geboren. Er fand Mitstreiter und breite Unterstützung im Verein Nürnberger Notärzte sowie bei den Jugendorganisationen von BRK, Johannitern, Maltesern oder dem Arbeiter-Samariter-Bund.

Demnächst finden an vier Nürnberger Schulen, die bereits einen Schulsanitätsdienst haben, Auftaktveranstaltungen statt. Am 23. September will sich die Aktion einer größeren Öffentlichkeit bei der Feier zum Weltkindertag vorstellen, die von 12 bis 18 Uhr auf dem Jakobs- und Ludwigsplatz stattfindet. Da darf dann Nürnberg kräftig drücken – an Übungspuppen.

Danach machen sich die Unterstützer des Projekts als Erstes daran, Lehrer auszubilden, die dann ihr Wissen jedes Jahr an die Schüler weitergeben sollen. Was die Kampagne aber noch dringend braucht, sind Sponsoren. "Wir benötigen vor allem genügend Übungspuppen. Pro Klasse rechnen wir mit 15 Puppen, damit jeweils zwei Kinder an einer üben können", rechnet der Mediziner vor. Eine solche Reanimationspuppe kostet 40 Euro. Außerdem muss noch Lehrmaterial und die Ausbildung der Lehrer finanziert werden.

Wer helfen möchte, kann auf das Konto des Nürnberger Notärzte e. V., IBAN DE94 3006 0601 0006 5345 20, bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank spenden. Wer weiß, vielleicht wird dann wahr, was sich Christian Engelen und seine Mitstreiter wünschen: Nürnberg wird eine der
ersten Städte in Bayern, in der alle Schüler ab der siebten Klasse die Herzdruckmassage beherrschen – und damit Vorbild sind in Sachen Lebensretter.

Sponsoren oder Schulen, die sich an dem Projekt beteiligen möchten, können sich per E-Mai an nuernbergdrueckt@gmail.com wenden. Infos zum Projekt finden sich im Internet unter der Adresse www.nuernbergdrueckt.de

KARIN WINKLER

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