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"Mit wenig viel ausdrücken"

Nina Berglers KUNSTWERKE entstehen intuitiv und oftmals mit einem einzigen Strich. - 29.09.2020 17:06 Uhr

„Irgendwann fangen die Steine auch zu sprechen an“, sagt Künstlerin Nina Bergler lachend. Den Marmorkiesel hat sie aus einem Fluss in der Toskana.


Kunst ist für mich, was aus mir raus will, wonach meiner Seele ist." Eine andere Definition, sagt Nina Bergler lächelnd, habe sie nicht – und brauche sie auch nicht. Denn diese Erklärung passt zu dem, was die 43-Jährige ausstrahlt und was man beim Betrachten ihrer Werke spürt.

Festlegen auf ein bestimmtes Material? "Wozu?" Farbe? "Interessiert mich nicht." Bergler macht, worauf sie Lust hat – und völlig intuitiv. Was dabei herauskommt, ist witzig, überraschend, hintergründig, anders. In dem Gemeinschaftsatelier "Südpol", Schuckertstraße 3, mitten in der Nürnberger Südstadt kann man ihr beim Vorbeilaufen sogar via Schaufenster im wahrsten Sinne des Wortes über die Schulter schauen.

Collagen aus Papierschnipseln sind dort zum Beispiel zu sehen. Lyrik aus Draht gebogen, Zeichnungen, Skulpturen, Steine. Aber keine klassischen Bilder. "Ich male nicht", stellt Bergler gleich klar. Sie sieht sich eher als Bildhauerin, die vor etwa vier Jahren auch das Zeichnen für sich entdeckt hat. "Weil es ein schöner, direkter Weg ist", findet sie.

Was sich dennoch wie ein roter Faden durch ihre Werke zieht, ist das Reduzieren auf das Wesentliche. Oder wie Bergler es formuliert: "Mit wenig viel ausdrücken und eine Essenz bekommen." Konkret heißt das: Ihre Zeichnungen bestehen beispielsweise fast ausschließlich aus einem einzigen Strich.

Für Collagen nutzt sie die Eigenfarbigkeit von Alltagsmaterialien wie etwa Briefumschlägen, dafür sammelt sie seit einem Jahr ausschließlich ihre eigene Post. "Themen für meine Arbeiten entstehen von alleine", erklärt Bergler, "oft streune ich durchs Atelier, dann wollen zwei Sachen zusammenkommen – und das dürfen sie dann auch."

Besonders stolz ist Bergler auf ihre neuesten Errungenschaften: Marmorkiesel aus einem Bergfluss in der Toskana. "Im Schweiße meines Angesichts höchstpersönlich dort herausgeholt", verrät sie lachend. "Michelangelo hat dort ebenfalls seine Steine abbauen lassen", weiß sie. "Auch das gehört für mich dazu: Dass Sachen sich finden lassen, das hat was Sinnliches, es ist ein Prozess mit allen Sinnen." Und diesen Prozess möchte sie gerne auch Kindern weitervermitteln.

Spannender Rundgang

Die gebürtige Oberpfälzerin lebt seit über 20 Jahren in Nürnberg und arbeitet als Lehrerin für Gestaltung und Ernährung. "Kinder haben eine Grundehrlichkeit, gehen unverfälscht und spontan an Sachen heran", sagt sie mit leuchtenden Augen.

Für den Verein Gustav e. V. bietet sie am 2. Oktober für Kids ab sechs Jahren einen spannenden Rundgang durch das Quartier an (Treffpunkt ist um 16 Uhr bei "Kriemhildes Backwut", Anmeldung erforderlich unter info@gustav-ev.de). "Wir ziehen mit einer Künstlerlupe los und richten den Blick auf das Schöne im Alltäglichen", erklärt Bergler.

Künstlerlupe? "Das verrate ich noch nicht, was das ist", sagt sie verschmitzt. Die Mädchen und Jungen sollen ihren Stadtteil erobern und einnehmen, so zeichnen, wie sie ihn sehen oder sehen wollen. Bergler zeigt dem Nachwuchs, wie "große" Künstler herangehen, welche Arten von Bleistiften es gibt, wie man Größen einschätzt. Am Ende werden die Zeichnungen zu einem kleinen Skizzenbuch gebunden und in "Kriemhildes Backwut" ausgestellt. Auch das ist Kunst, die aus der Seele kommt.

CLAUDIA WUNDER

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