Umbaumaßnahmen

"Mobiles Arbeiten" endlich vorbei: So sieht es im Büro des Höchstadter Klinikleiters aus

Sharon Chaffin
Sharon Chaffin

Redakteurin Erlanger Nachrichten

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26.10.2021, 18:05 Uhr
Der Ärztliche Leiter des Höchstadter Krankenhauses St. Anna, Martin Grauer, hat viele persönliche Gegenstände in seinem Amtszimmer, etwa ein buntes Mosaik, das von seinem Schwager, dem Künstler Christoph von Stein, stammt. 

Der Ärztliche Leiter des Höchstadter Krankenhauses St. Anna, Martin Grauer, hat viele persönliche Gegenstände in seinem Amtszimmer, etwa ein buntes Mosaik, das von seinem Schwager, dem Künstler Christoph von Stein, stammt.  © Thomas Welker von Foto Welker, NN

Mediziner sind in Behandlungsräumen oder OPs, in Patientenzimmern zur Visite oder in Konferenzsälen zum Austausch - und im eigenen Büro? "Da bin ich schon auch", sagt der Ärztliche Leiter des Höchstadter Kreiskrankenhauses St. Anna. In der Regel verbringt der Mediziner schon ein paar Stunden in der Woche in seinem Amtszimmer.

Den Raum hat er erst vor wenigen Monaten bezogen hat - und das, obwohl er schon seit Oktober 2016 Klinikleiter ist, also vor genau fünf Jahren in dem Haus das Amt des Ärztlichen Leiters begonnen hatte. Durch die weitreichenden Sanierungs- und Neubau-Maßnahmen musste der 57-Jährige jedoch immer wieder mit einem Koffer von Zimmer zu Zimmer wandern - bis "sein" Amtszimmer im Erdgeschoss endlich frei und fertig wurde.

Dieses Bild hat Klinikleiter Martin Grauer von einem Höchstadter Künstler: Das Werk hat das Besondere der Aisch-Stadt  zusammengebracht.

Dieses Bild hat Klinikleiter Martin Grauer von einem Höchstadter Künstler: Das Werk hat das Besondere der Aisch-Stadt  zusammengebracht. © Thomas Welker von Foto Welker, NN

Die Zeit des "mobilen Arbeitens", in der er auch mal im Keller oder im Sekretariat untergebracht war, ist nun vorbei - und so manches, was er an persönlichen Gegenständen in seinem fahrbaren Büro hatte, steht, hängt und liegt jetzt in seinem Zimmer.

Buntes Mosaik begrüßt den Besucher

Wer nun denkt, in einem Arztzimmer gehe es nüchtern zu, der irrt - zumindest im Fall von Martin Grauer. Schon der erste Blick ist eine Offenbarung: Wenn man die Tür öffnet, schaut man direkt auf ein riesiges, buntes Mosaik, aber es ist nicht irgendein Bild - sondern ein Kunstwerk, das den Klinikleiter und promovierten Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie persönlich und beruflich berührt. Persönlich deshalb, weil es von seinem Schwager, dem Künstler Christoph von Stein, stammt.

Auch Beruflich passt es wunderbar zu Grauers Bereich: Denn auf dem farbenfrohen Kunstwerk, das aus einzelnen Glasscherben zusammengesetzt ist, schweben weiß gekleidete Klinikbeschäftigte in einem Ballon über dem Geschehen, auch dicke, rote Herzen sind auf dem Bild: "Für mich heißt das, dass man die Arbeit mit Herzblut macht und einem die Liebe zur eigenen Tätigkeit auch trägt", sagt er. Kein Wunder: Immer wieder sprechen ihn gerade Besucher auf dieses Bild, das ein regelrechter Eyecatcher, also Hingucker ist, an.

Für sein ehrenamtliches Engagement ist der Mediziner Martin Grauer auch oft in arabischen und afrikanischen Staaten unterwegs: Diese Figuren bekam er von einem sudanesischen Kollegen. 

Für sein ehrenamtliches Engagement ist der Mediziner Martin Grauer auch oft in arabischen und afrikanischen Staaten unterwegs: Diese Figuren bekam er von einem sudanesischen Kollegen.  © Thomas Welker von Foto Welker, NN

Doch wer betritt den Raum überhaupt? "Natürlich kommen hier auch mal Kolleginnen und Kollegen herein, um etwas zu besprechen", sagt Grauer. Dazu steht in der Mitte des rund 20 Quadratmeter großen Zimmers ein runder Tisch mit mehreren Stühlen.

Aber auch Patienten und ihre Angehörigen sitzen manchmal in Grauers Zimmer, für ihn ist es wichtig, dass sich Gäste und Besucher bei ihm wohl fühlen, insbesondere wenn es sich um Kranke und Schwerkranke handelt. "Wenn es etwas Ernsthafteres ist und man etwas Ruhe braucht, spreche ich mit den Betreffenden öfter hier darüber", sagt er.

Dann kann er bei Bedarf auch schnell Röntgen- und CT-Bilder großflächig an die Wand gegenüber werfen. Im Notfall hat er natürlich auch in einem Schub, direkt neben den medizinischen Standardwerken, auch einige medizinische Untersuchungsgeräte.

Bewerbungsgespräche werden geführt

Für Bewerbungsgespräche nutzt der gebürtige Tübinger, der mit seiner Familie in Möhrendorf lebt, ebenfalls das Zimmer - und hat selbst da ein besonderes Gespür für hübsche Gesten und Aufmerksamkeiten. Auf dem Fensterbrett nämlich steht ein kleines Spielzeugauto: "Eine Bewerberin wollte zum Termin ihren Sohn mitbringen, für ihn ist das Fahrzeug, das Gute daran: Wenn man darauf drückt, gibt es einen Notruf ab". Hier rundet ein winziges persönliches Detail das Berufliche erneut ab: "Wir sind ein als familienfreundlich zertifiziertes Unternehmen", sagt Grauer, "und dazu stehe ich."

Grauer steht vor allem auch zu seinem christlichen Glauben. Der praktizierende Methodist besucht Gottesdienste, so weit seine Zeit und sein Dienst ihm das erlauben. Nicht zuletzt deshalb hängt hinter ihm ein Holzkreuz: "Das passt zum Krankenhaus", sagt Grauer, "und es passt zu mir". Es ist ein Überbleibsel aus einem alten Patientenzimmer; bei den Renovierungsarbeiten wurden etliches Inventar weggeschmissen, der Ärztliche Leiter aber hat sich ein etwa 50 Jahre altes Kreuz gesichert und bei sich aufgehängt.

Ganz in der Tradition von Albert Schweitzer

Grauer selbst hat sogar einmal Theologie studiert und sieht sich ganz in der Tradition von Albert Schweitzer, immer wieder hilft der promovierte Facharzt für Innere Medizin und Gastroentereologie, der ursprünglich Missionsarzt werden wollte, ehrenamtlich in arabischen und afrikanischen Krankenhäusern aus.

"Schön, dass Sie da sind": Klinikleiter Martin Grauer möchte seinen Patienten und ihren Angehörigen die Angst nehmen. Das Schild steht für eine besondere Willkommenskultur.  © Thomas Welker von Foto Welker, NN

Auch an dieses Engagement hat er in seinem Amtszimmer Erinnerungen: Die kleinen Elefanten etwa im Schrank sind ein Geschenk eines sudanesischen Gastroenterologen, der in der Hugenottenstadt zu Besuch war. Denn Grauer war in etlichen afrikanischen Staaten unterwegs, auch im nun zerbombten Syrien war er jahrelang medizinisch im Einsatz. In Erlangen ist er unter anderem Vorstandsmitglied des gemeinnützigen Vereins "German Eritrean Training Partnership", der sich zu medizinischer Hilfe in Eritrea verpflichtet hat.

Weitere Bilder haben ebenfalls mit seiner sozialen und christlich karitativer Ader zu tun: Ein Arzt aus Honduras brachte ihm einst aus seiner Heimat ein Gemälde mit, nun hängt das Bild in Grauers Zimmer - und der junge Mediziner selbst arbeitet im Haus.

Es sei für ihn oft eine Herausforderung, die Arbeit in der Klinik und die klassische Nächstenliebe in Einklang zu bringen. "Man soll ein möglichst guter Arzt sein und zugleich auch möglichst gute Gewinne machen, Christ sein und Führungskraft ist nicht ohne", sagt er, "ich empfinde das als Spannung, ich würde gerne immer aus dem Vollen schöpfen und jedem das geben, was er möchte."

Er sei nicht Arzt geworden, um für irgendeinen Träger möglichst viel Geld zu erwirtschaften, sagt er, sondern um Menschen zu helfen. Das sei für ihn schon bisweilen ein Konflikt.

Man könne und dürfe aber in seiner Funktion nicht nur nett sein, man müsse Strukturen vorgeben, freundlich kritisieren und sich auch einmal von einem Mitarbeiter trennen, wenn es nicht gut geht. Dass Martin Grauer so etwas nicht leicht fällt, kann man sich nur allzu gut vorstellen, wenn man allein schon sein liebevoll und bis ins Detail persönlich ausgestaltetes Zimmer ansieht. Jeder Gegenstand hat für ihn eine Bedeutung, mit allem verbindet ihn eine Beziehung - auch und gerade mit Höchstadt selbst.

Alles aus Höchstadt auf einem Bild

Die Stadt im Landkreis Erlangen-Höchstadt spielt in Grauers Zimmer eine besondere Rolle - und nicht nur das, weil das Hospital fast mitten im Zentrum liegt. Ein heimischer Künstler hat dem Klinikleiter und Chefarzt ein besonders Bild angefertigt: Auf dem Werk sind alle historischen Gebäude, Türme inklusive Brücke vereint. "Die Ansicht ist virtuell, das gibt es in Höchstadt alles, aber eben nicht so", erläutert Grauer.

Gerade seine hiesigen Patienten fühlten sich dann gleich wohl, wenn sie in seinem Zimmer sitzen. Passend dazu hat Grauer noch ein Schild aufgehängt, das er aus einer Höchstadter Zahnarztpraxis bekommen hat: Darauf steht: "Schön, dass Sie da sind". Für Grauer und sein Amtszimmer gilt das auf jeden Fall.