Mutige Bürger: Kriegsende und Neubeginn in Schwabach

20.4.2015, 09:53 Uhr
Am Donnerstag, 18. April 1945, sorgten die amerikanischen Kriegsgefangenen Major James Daniel Hannon und Oberstleutnant Caroll McElroy dafür, dass die anrückenden Amerikaner rechtzeitig erfahren, dass Schwabach bereit ist für eine kampflose Übergabe. Unser Bild: Wiedersehen am 8. Juli 1961: Caroll McElroy und James Hannon (2.v.l) werden Schwabachs Ehrenbürger. McElroy war nicht zur Feier gekommen. Hannon traf alte Bekannte: Willy Buckel (links), mit dem er den US-Truppen am 19. April 1945 entgegengefahren ist, und Konstanze Link (rechts), die gedolmetscht hatte. Bürgermeister Hans Hocheder (2.v.r.) war dankbar, dass Schwabach vor einem Angriff bewahrt blieb.
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Caroll McElroy und James Hannon

Am Donnerstag, 18. April 1945, sorgten die amerikanischen Kriegsgefangenen Major James Daniel Hannon und Oberstleutnant Caroll McElroy dafür, dass die anrückenden Amerikaner rechtzeitig erfahren, dass Schwabach bereit ist für eine kampflose Übergabe. Unser Bild: Wiedersehen am 8. Juli 1961: Caroll McElroy und James Hannon (2.v.l) werden Schwabachs Ehrenbürger. McElroy war nicht zur Feier gekommen. Hannon traf alte Bekannte: Willy Buckel (links), mit dem er den US-Truppen am 19. April 1945 entgegengefahren ist, und Konstanze Link (rechts), die gedolmetscht hatte. Bürgermeister Hans Hocheder (2.v.r.) war dankbar, dass Schwabach vor einem Angriff bewahrt blieb. © Foto: Stadtarchiv

Constanze Link spielte bei der Rettung Schwabachs eine zentrale Rolle. Die Londonerin war Dolmetscherin bei den Verhandlungen mit den Amerikanern über die kampflose Übergabe. In Schwabach hat sie gelebt, weil sie mit einen Schwabacher verheiratet war. Auch für die späteren Oberbürgermeister Hans Hocheder und Hartwig Reimann hat sie gedolmetscht. Die Aussöhnung zwischen Deutschen und Amerikanern lag ihr besonders am Herzen. Lange Jahre war sie Präsidentin und Vizepräsidentin des Deutsch-Amerikanischen Clubs. Für ihr besonderes Engagement wurde sie 1984 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Konstanze Link verstarb 1991 im Alter von 86 Jahren.
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Constanze Link

Constanze Link spielte bei der Rettung Schwabachs eine zentrale Rolle. Die Londonerin war Dolmetscherin bei den Verhandlungen mit den Amerikanern über die kampflose Übergabe. In Schwabach hat sie gelebt, weil sie mit einen Schwabacher verheiratet war. Auch für die späteren Oberbürgermeister Hans Hocheder und Hartwig Reimann hat sie gedolmetscht. Die Aussöhnung zwischen Deutschen und Amerikanern lag ihr besonders am Herzen. Lange Jahre war sie Präsidentin und Vizepräsidentin des Deutsch-Amerikanischen Clubs. Für ihr besonderes Engagement wurde sie 1984 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Konstanze Link verstarb 1991 im Alter von 86 Jahren. © Stadtarchiv

Fritz Moezer war seit der Machtergreifung der Nazis zweiter Bürgermeister. Nachdem Bürgermeister Wilhelm Engelhardt am 18. April vor den anrückenden Amerikanern aus Schwabach geflohen war, trug er die Verantwortung. Laut Stadtlexikon hat er besonnen reagiert und mit dafür gesorgt, dass die Lage nicht eskalierte. So billigte er, dass eine Delegation den Amerikanern entgegenfuhr und am Kirchturm der Stadtkirche die weiße Fahne gehisst wurde. Nach dem Krieg wurde der Studienprofessor, der schon 1929 in die NSDAP eingetreten war, zu Lagerhaft verurteilt. Ob er sie überhaupt antrat, ist unklar. Moezer verstarb 1947 im Stadtkrankenhaus. Er wurde 63 Jahre alt.
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Fritz Moezer

Fritz Moezer war seit der Machtergreifung der Nazis zweiter Bürgermeister. Nachdem Bürgermeister Wilhelm Engelhardt am 18. April vor den anrückenden Amerikanern aus Schwabach geflohen war, trug er die Verantwortung. Laut Stadtlexikon hat er besonnen reagiert und mit dafür gesorgt, dass die Lage nicht eskalierte. So billigte er, dass eine Delegation den Amerikanern entgegenfuhr und am Kirchturm der Stadtkirche die weiße Fahne gehisst wurde. Nach dem Krieg wurde der Studienprofessor, der schon 1929 in die NSDAP eingetreten war, zu Lagerhaft verurteilt. Ob er sie überhaupt antrat, ist unklar. Moezer verstarb 1947 im Stadtkrankenhaus. Er wurde 63 Jahre alt. © Stadtarchiv

Hermann König war Mitglied der Schwabacher Delegation, die den US-Truppen entgegenfuhr, um Schwabach zu übergeben. Dabei kam ihm, wie es im Stadtlexikon heißt, die Rolle des „Parlamentärs“ im Auftrag von zweitem Bürgermeister Fritz Moezer zu. Damit leistete auch König seinen Beitrag, um Schwabach vor einem Bombenangriff zu bewahren. Er war in diesem Moment quasi der Vertreter der Schwabacher NSDAP. Parteimitglied war er seit 1929, 1934 wurde er Sturmführer der SA. Von Beruf war er Elektromeister. Er führte ein Geschäft am Spitalberg. Bei der Entnazifizierung wurde er als „minderbelastet“ eingestuft. Hermann König verstarb 1960 mit 65 Jahren.
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Hermann König

Hermann König war Mitglied der Schwabacher Delegation, die den US-Truppen entgegenfuhr, um Schwabach zu übergeben. Dabei kam ihm, wie es im Stadtlexikon heißt, die Rolle des „Parlamentärs“ im Auftrag von zweitem Bürgermeister Fritz Moezer zu. Damit leistete auch König seinen Beitrag, um Schwabach vor einem Bombenangriff zu bewahren. Er war in diesem Moment quasi der Vertreter der Schwabacher NSDAP. Parteimitglied war er seit 1929, 1934 wurde er Sturmführer der SA. Von Beruf war er Elektromeister. Er führte ein Geschäft am Spitalberg. Bei der Entnazifizierung wurde er als „minderbelastet“ eingestuft. Hermann König verstarb 1960 mit 65 Jahren. © Stadtarchiv

Eugen Tanhauser steht zusammen mit Hans Hocheder für den Neuanfang nach dem Krieg. Er wurde von den Amerikanern zum Landrat bestellt und später mehrfach im Amt bestätigt. Ihm galt das Vertrauen sowohl der Besatzungsmacht als auch der Bürger. Während seiner Amtszeit bis 1964 wurde Schwabach kreisfrei. Da Tanhausers Vater Jude war, wurde seine Familie von den Nazis verfolgt. Sein Bruder wurde ermordet, er selbst erhielt Berufsverbot als Lehrer. Der parteilose Tanhauser galt als „kompetent und integer“, so das Stadtlexikon. Für seine Lebensleistung erhielt Eugen Tanhauser das Bundesverdienstkreuz. Im Alter von 75 Jahren verstarb er 1970 in Wangen.
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Eugen Tanhauser

Eugen Tanhauser steht zusammen mit Hans Hocheder für den Neuanfang nach dem Krieg. Er wurde von den Amerikanern zum Landrat bestellt und später mehrfach im Amt bestätigt. Ihm galt das Vertrauen sowohl der Besatzungsmacht als auch der Bürger. Während seiner Amtszeit bis 1964 wurde Schwabach kreisfrei. Da Tanhausers Vater Jude war, wurde seine Familie von den Nazis verfolgt. Sein Bruder wurde ermordet, er selbst erhielt Berufsverbot als Lehrer. Der parteilose Tanhauser galt als „kompetent und integer“, so das Stadtlexikon. Für seine Lebensleistung erhielt Eugen Tanhauser das Bundesverdienstkreuz. Im Alter von 75 Jahren verstarb er 1970 in Wangen. © Stadtarchiv

Hans Hocheder wurde zur prägenden Figur der Schwabacher Kommunalpolitik während der Nachkriegszeit bis 1970. Als Sozialdemokrat und Gewerkschafter war er ein entschiedener Gegner der Nazis. Deshalb wurde er schon 1933 verhaftet und ein halbes Jahr im KZ Dachau als politischer Häftling eingesperrt. Daher galt er den Amerikanern als unbelastet und vertrauenswürdig. Mit seiner Bürgernähe und Tatkraft erreichte er große Popularität. Seine letzten Amtsjahre aber waren unter anderem durch den Skandal eines von ihm genehmigten NPD-Parteitags überschattet. Hocheder trat verbittert aus der SPD aus. 1970 wurde er Ehrenbürger, 1979 verstarb er mit 84 Jahren.
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Hans Hocheder

Hans Hocheder wurde zur prägenden Figur der Schwabacher Kommunalpolitik während der Nachkriegszeit bis 1970. Als Sozialdemokrat und Gewerkschafter war er ein entschiedener Gegner der Nazis. Deshalb wurde er schon 1933 verhaftet und ein halbes Jahr im KZ Dachau als politischer Häftling eingesperrt. Daher galt er den Amerikanern als unbelastet und vertrauenswürdig. Mit seiner Bürgernähe und Tatkraft erreichte er große Popularität. Seine letzten Amtsjahre aber waren unter anderem durch den Skandal eines von ihm genehmigten NPD-Parteitags überschattet. Hocheder trat verbittert aus der SPD aus. 1970 wurde er Ehrenbürger, 1979 verstarb er mit 84 Jahren. © Stadtarchiv

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