Nach dem Lockdown: So könnte ein Neustart in der Altmühltherme aussehen

15.4.2021, 06:01 Uhr
„Notbetrieb“ in der Therme. Derzeit ziehen hier lediglich die Schwimmer der Nationalmannschaft und des Landeskaders ihre Bahnen. In den Sternen steht, wann die Therme wieder auf „Normalbetrieb“ umschalten darf. Es gibt jedenfalls bereits ein Hygienekonzept.

„Notbetrieb“ in der Therme. Derzeit ziehen hier lediglich die Schwimmer der Nationalmannschaft und des Landeskaders ihre Bahnen. In den Sternen steht, wann die Therme wieder auf „Normalbetrieb“ umschalten darf. Es gibt jedenfalls bereits ein Hygienekonzept. © Foto: Lidia Piechulek

Als hätten sie sich abgesprochen, verweisen beide auf das geflügelte Wort: Tina. Es ist das Wort, mit dem die Treuchtlinger Bürgermeisterin in der Online–Bürgerversammlung Hoffnungen wecken wollte (wir berichteten am 3. April). Und eben jenes, auf das auch Ulrich Schumann große Stücke setzt.

Der Leiter der Treuchtlinger Altmühltherme durchlebt seit November mit seiner Belegschaft den Lockdown. Zuletzt konnte er einen Teil der 40 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen (Reinigungskräfte und Saisonarbeiter sind hier noch nicht eingeschlossen) aus der Kurzarbeit zurückholen, sie koordinieren nun die Schnelltests, die im Foyer der Altmühltherme stattfinden (wir berichteten). Um ihretwillen und um der Gäste willen hofft Schumann auf eine baldige Rückkehr in den regulären Thermenbetrieb.

So könnte man das Risiko minimieren

Vorstellbar wäre das in seinen Augen mit "TINA", also einem Zusammenspiel, bei dem (gemäß den Anfangsbuchstaben des Wortes) Tests, Impfungen, gut organisierte Nachverfolgung und Abstandsregeln so ineinander greifen, dass das Infektionsrisiko in der Therme so gering wie möglich ist.

Seine Überlegungen decken sich mit denen des europäischen Bäderverbands, der jüngst eine Wiederinbetriebnahme unter kontrollierten Bedingungen gefordert hatte. Seit November sind nun die 3187 öffentlichen Hallenbäder, Freizeitbäder und Thermen in Deutschland geschlossen – und das bislang ohne eine Perspektive von Seiten der Politik.

Im Vergleichszeitraum 2019 verzeichneten diese Bäder rund 120 Millionen Besuche, viele davon fanden aus gesundheitlichen Gründen statt. "Dies ist nun nicht mehr möglich und die gesundheitlichen Kollateralschäden wachsen", heißt es in einer Stellungsnahme des Verbands. Der Verband appelliert auch, die Einrichtungen nicht nur als Orte des Vergnügens zu sehen, so wie es der Name "Spaßbad" suggeriert. Vielmehr würden die Kurbäder von vielen Besuchern, so wie auch die Altmühltherme, zur Rehabilitation und Prävention und zum Schwimmenlernen genutzt, sie leisten somit einen wichtigen Auftrag in der Gesellschaft.

Voraussetzung für einen Einlass könnte es laut Verband nach dem Lockdown sein, dass die Gäste einen negativen Schnelltest vorlegen, der nicht älter als 24 Stunden ist (alternativ eine Impfbestätigung). Auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sollen regelmäßige Schnelltests angeboten werden. Somit könnte ein Infektionsrisiko weitestgehend ausgeschlossen werden, zumal in den Bädern weiterhin die im Jahr 2020 bewährten Hygienekonzepte gelten.

"Nicht berücksichtigt"

In seiner Pressemitteilung verweist der Verband darauf, dass die Bäder zum Zeitpunkt ihrer Öffnung weltweit nicht als ein Ort des erhöhten Infektionsgeschehens aufgefallen sind. "Es ist daher bedauerlich, dass sie im Stufenplan der Ministerpräsidentenkonferenz bisher nicht berücksichtigt wurden", heißt es.

Der Vorsitzende des bayerischen Heilbäder-Verbandes, Alois Brundobler, bekräftigte die Forderungen des europäischen Gesamtverbands erst kürzlich. "Wir schätzen, dass rund 40 Prozent der Gäste in den Thermalbädern aus medizinischen Gründen kommen", führt er aus. Der Bayerische Heilbäder-Verband fordert deshalb eine Öffnungsperspektive für die Heilbäder und Kurorte.

In der Treuchtlinger Altmühltherme dürfen derzeit nur jene ihre Bahnen ziehen, die aus beruflichen Gründen trainieren müssen: Profischwimmer und Schwimmer und Schwimmerinnen aus dem Landeskader sowie die Rettungsschwimmer und Bademeister, die ihre Rettungsfähigkeit erhalten müssen. Außerdem findet in einem separaten Becken Wassertherapie auf kassenärztliche Verordnung statt.

Aber auch hier sind die Auflagen aktuell sehr hoch: Gleichzeitig dürfen nur jeweils ein Trainer mit zwei Schwimmenden in das Aktivbad kommen – mehr ist nicht erlaubt.

Extrem hohe Fixkosten

Ulrich Schumanns größte Bedenken sind, dass die Thermen in der öffentlichen Diskussion bislang gar nicht vorkommen. Stattdessen werde über die Öffnung von Hunde-Salons und Piercing-Studios gesprochen, moniert er. Seine Einrichtung arbeite hingegen gesundheitsorientiert und präventiv, die Lüftungsanlage arbeite mit einer weit überdurchschnittlich hohen Lüftungsleistung, bei der die Luft im Raum sechs mal in der Stunde zu 100 Prozent ausgewechselt wird.

Der Minimalbetrieb, so wie er aktuell stattfindet, stellt die Altmühltherme hingegen vor große wirtschaftliche Probleme. Denn den Betrieb für zehn Schwimmer am Tag aufrecht zu erhalten, geht mit enormen Fixkosten einher. Dass es für die Koordinierung der Schnelltests nun eine Aufwandsentschädigung gibt, ist da eher ein Tropfen auf dem heißen Stein.

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