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Neue Züge für die Nürnberger S-Bahn

42 Exemplare werden geliefert — Einsatz ist aber noch ungewiss - 25.08.2011 16:00 Uhr

Die markante Front hat dem „Talent 2“ von Bombardier den Spitznamen „Hamsterbacke“ eingebracht. © Thomas Kohl


Die Nachricht war vor einem Jahr ein schwerer Schlag für die Pendler im Großraum Nürnberg. Statt 42 neuer Züge vom Typ „Talent 2“ würden zum Start der neuen S-Bahn am 12. Dezember 2010 nur betagte Fahrzeuge an den Start gehen. Der Grund: Talent-Hersteller Bombardier hatte Lieferprobleme.

Geschäftsführer Klaus Baur entschuldigte sich dafür wortreich „bei der Deutschen Bahn und den Fahrgästen“. Das Unternehmen würde sich nun bemühen, so schnell wie möglich die zahlreichen technischen Macken der Züge zu beheben und die nötigen Zulassungen vom Eisenbahn-Bundesamt (EBA) zu bekommen.

Zahlreiche verstrichene Liefertermine und Wutanfälle von DB-Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg später kommt nun endlich Bewegung in die unendliche Geschichte des „Talent 2“. Alle 42 Fahrzeuge für Nürnberg werden in den nächsten Wochen ausgeliefert, bestätigte gestern eine Bahn-Sprecherin gegenüber den Nürnberger Nachrichten.

Fahrgäste sollen keine "Versuchskaninchen" sein

Zunächst sollen mit ihnen umfangreiche Schulungs- und Erprobungsfahrten durchgeführt werden. Allein 150 Triebfahrzeugführer müssen sich mit der neuen Technik vertraut machen, dazu kommen weitere 100 Beschäftigte in den Werkstätten, die mit Wartung und Reparatur des „Talent 2“ beschäftigt sein werden.

Erst nach der erfolgreichen Erprobung sollen die Züge auch im laufenden Betrieb eingesetzt werden. Sie könnten dann aber „jederzeit“ auch unter dem Jahr und unabhängig vom Fahrplanwechsel zulaufen. Einen genauen Zeitpunkt hierfür gibt es laut der Bahn-Sprecherin jedoch noch nicht. Und erst wenn sich die Züge im täglichen Einsatz bewähren, würden sie von der DB auch offiziell abgenommen und bezahlt.

Bis dahin sei mit Bombardier eine sogenannte Nutzungsüberlassung vereinbart worden. Der Hersteller bleibt Eigentümer, bis die DB von dem Produkt auch wirklich überzeugt ist. Aktuell kann davon mit Blick auf die Zulassung durch das EBA aber nicht die Rede sein. Laut der Bonner Behörde hat Bombardier entgegen eigenen Angaben immer noch nicht alle Sicherheitsnachweise für den „Talent 2“ erbracht. Entsprechend dürften die Züge auch weiterhin nur bis zu 140 Stundenkilometer schnell fahren, so ein EBA-Sprecher. Bestellt hat die Bahn aber Züge, die Tempo 160 schaffen. Darauf ist auch der Fahrplan für die Nürnberger S-Bahn ausgelegt. „Wir werden die Züge erst abnehmen, wenn sie den Vereinbarungen entsprechen“, so Homburg. Auf keinen Fall würden die Kunden zu „Versuchskaninchen“ gemacht.

Aber selbst wenn die komplette Zulassung vorliegt und in Nürnberg dann alles glatt läuft, sind die Probleme der DB mit dem Fahrzeug noch lange nicht vom Tisch. 2007 hat die Bahn einen Rahmenvertrag über 321 Züge für rund 1,2 Milliarden Euro mit Bombardier abgeschlossen. Mehr als 170 sind geordert. Bis Juni wollte die Bahn insgesamt 84 „Talent 2“ im Einsatz haben. Die Züge fehlen noch auf der Strecke Cottbus—Leipzig und bei der Moseltalbahn zwischen Koblenz und Trier. Auch rund um Köln, in Hessen und beim E-Netz Franken sollten sie bald zum Einsatz kommen. Ob das klappt? Bei der DB will das niemand kommentieren. 

ARNO STOFFELS

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