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Nürnberger gegen Rassismus: Gedenkmarsch für NSU-Opfer

Vorwürfe gegen Ermittlungsbehörden: 200 Teilnehmer besuchten Kundgebung - 14.06.2015 14:29 Uhr

Cellomusik und Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden prägten die von rund 200 Teilnehmern besuchten Gedenkkundgebung für den im Juni vor zehn Jahren ermordeten Imbissverkäufer Ismail Yaşar in der Scharrerstraße, die vom Nürnberger Bündnis Nazistopp organisiert wurde. © Michael Matejka


Bei der Erinnerung an die Opfer des NSU-Terrors wurde vor allem  eine lückenlose Aufklärung der Hintergründe gefordert und den Behörden vorgeworfen, dass die Opferfamilien  jahrelang ohne stichhaltige Gründe mit den Taten in Verbindung gebracht  worden waren.

Cellomusik und Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden prägten die von rund 200 Teilnehmern besuchten Gedenkkundgebung für den im Juni vor zehn Jahren ermordeten Imbissverkäufer Ismail Yaşar in der Scharrerstraße, die vom Nürnberger Bündnis Nazistopp organisiert wurde.

Zu Verdächtigen abgestempelt

Seda Başay Yildiz, die die Nürnberger Opferfamilie Şimşek im Münchner NSU-Prozess vertritt,  erinnerte daran, wie die Angehörigen der Mordopfer jahrelang zu Verdächtigen abgestempelt wurden.

Während die Behörden ihre Drogenmillieu- und Mafia-Theorien ohne konkrete Anhaltspunkte immer weiter verfolgt hätten, sei der Terror der rechtsextremen Täter ungestört weitergegangen.

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Marsch und Fest am Aufseßplatz: Nürnberger gedenken NSU-Opfer

Wenige Tage, nachdem sich die Morde an İsmail Yaşar und Abdurrahim Özüdoğru durch den NSU zum zehnten bzw. vierzehnten Mal gejährt haben, sind in Nürnberg zahlreiche Menschen auf die Straße gegangen. Unter dem Motto "Gedenken - Mahnen - Zusammenstehen" wollten sie ein Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit setzen.


Auch nachdem die Wahrheit durch Zufall ans Tageslicht gekommen sei, ständen bis heute viele  Hintergründe  und die Hintermänner der Taten noch immer im Dunkeln.

"Allgegenwärtiger Rassismus"

Das Straßenfest am Aufseßplatz warb mit Infoständen und kulturellen Veranstaltungen für ein Nürnberg ohne Rassismus und Diskriminierung, aber auch hier überwogen die ernsten Töne: Frank Hotze vom veranstaltenden Organisationsbündnis warnte vor dem „allgegenwärtigen Rassismus“, der sich auch in der jüngeren Vergangenheit immer wieder gezeigt habe.

"Wir wollen in diesen Zeiten ein Zeichen für Brüderlichkeit und Toleranz setzen und euch die Energie geben, auf diesem Weg weiterzumachen", meinte er. Als Vertreterin der Stadt rief auch Stadträtin Gabriele Penzkofer-Röhrl dazu auf, den „Ewiggestrigen“ weiterhin tatkräftig die Stirn zu bieten: „Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit dürfen keinen Platz in Nürnberg haben.“

Clemens Helldörfer

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