Steigende Nachfrage, weniger Spenden

Ehrenamtliche Helfer am Limit: Tafel-Chef warnt vor Überlastung

1.5.2022, 14:48 Uhr
Bundesweit haben die Tafeln damit zu kämpfen, dass sie weniger Spenden bei einer höheren Nachfrage bekommen.

© Sebastian Gollnow, NN Bundesweit haben die Tafeln damit zu kämpfen, dass sie weniger Spenden bei einer höheren Nachfrage bekommen.

Die Auswirkungen des Ukraine-Krieges sind auch in den Tafeln der Region zu spüren. So hat beispielsweise die Tafel in Roth genug Vorrat für circa 200 Personen. Das hat bis vor wenigen Wochen auch noch gereicht – doch inzwischen kommen über dreimal so viele Menschen zu der Ausgabestelle. Und das ist kein Einzelfall. In Nürnberg werden normalerweise um die 5500 Kunden bedient, erklärt Edeltraud Rager, die Projektleiterin der Tafel des BRK Nürnberg. Momentan kämen jedoch noch rund 4500 ukrainische Flüchtlinge hinzu.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Tafel Deutschland, Jochen Brühl schlägt gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe Alarm: "Die Situation bei den Tafeln ist so angespannt wie noch nie. Deutlich mehr Menschen kommen, gleichzeitig sinken die Lebensmittelspenden".

Das beobachtet auch der Vorsitzende der Fürther Tafel, Günther Neumann. Er glaubt, dass die Supermärkte generell weniger Waren bestellen. Seit Mitte Januar gehe das Angebot der Supermärkte, Discounter und Bäcker, von denen die Tafeln beziehen, was sich aus optischen Gründen nicht mehr verkaufen lässt, oder weil das Haltbarkeitsdatum abzulaufen droht, zurück.

Die Folge – Kundinnen und Kunden, die als letzte bedient werden, können leer ausgehen. Robert Gattenlöhner von der Rother Tafel berichtet: "Oft sind unsere Vorräte aufgebraucht und die Regale leer." Das gab es vor dem Ukraine-Krieg so nicht. "Unser Personal ist überlastet und es fehlt an Helfern". Diese Probleme seien allerdings nicht nur in Roth zu beobachten: "Es fehlen Hilfsgüter an allen Ecken und Enden – und das bundesweit." Auch für die Helferinnen und Helfer vor Ort eine schwierige Situation. Laut dem Bundesvorsitzenden sind die Freiwilligen "pausenlos im Einsatz und erleben es als belastend, wenn sie Menschen nicht helfen können, weil keine Lebensmittel mehr da sind zum Weitergeben."

Er fordert die Politik auf, bei der Armutsbekämpfung Abhilfe zu schaffen: "Einmalzahlungen von wenigen Hundert Euro reichen nicht aus und kommen zu spät", kritisierte Brühl. Er fordert eine Erhöhung der Hart-IV Regelsätze und eine "deutliche Entlastungen für Menschen mit geringen Einkommen". Denn dauerhaft könnten die Tafeln den Druck nicht aushalten: "Tafeln sind nicht Teil des sozialstaatlichen Systems. Wir helfen ehrenamtlich und nach Kräften, aber es war nie die Idee der Tafeln, alle armutsbetroffenen Menschen verlässlich und verbindlich zu versorgen".

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