Animal Rights Watch deckt auf

Erschreckende Aufnahmen: So leiden Schweine bei Agrarlobbyisten

Azeglio Elia Hupfer
Azeglio Elia Hupfer

Online-Redaktion

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7.2.2022, 05:43 Uhr
Die Schweine leiden unter anderem an chronisch entzündeten Augen aufgrund von Ammoniakdämpfen.

© Animal Rights Watch Die Schweine leiden unter anderem an chronisch entzündeten Augen aufgrund von Ammoniakdämpfen.

Wundgebissene Schwänze, blutige Ohren, Mastdarmvorfälle und Nabelbrüche bestimmen die furchtbaren Aufnahmen, die der eingetragene Verein Animals Right Watch (ARIWA) Anfang Februar veröffentlicht hat. Seit Monaten hatten die Tierschützer an der Veröffentlichung der Ende August 2021 entstandenen Bilder gearbeitet. Mit "juristischen Winkelzügen" hätten die Betreiber versucht, "jede kritische Berichterstattung in der Presse zu verhindern", berichtet ARIWA unter einem am Samstag auf Youtube veröffentlichtem Beitrag mit dem Titel "Hinter der Fassade - So leiden Schweine bei deutschen Agrarlobbyisten".

Besonders pikant: Mitverantwortlich für die Zustände in den zwei Schweinemastbetrieben sollen auch einflussreiche Agrarfunktionäre sein. Die Organisation berichtet, dass einer dieser Betriebe einem Schweinemäster gehöre, der nicht nur als Vorstandsmitglied und Vizepräsident in führenden Branchenverbänden tätig sei, sondern auch dem Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung angehöre, das im Auftrag der Bundesregierung Vorschläge für den tierwohlgerechten Umbau der Nutztierhaltung erarbeitet hat.

© Animal Rights Watch

Für die zweite familiengeführte Schweinemast zeichne sich ein Vorstandsmitglied des führenden Lobbyverbands für Schweinehaltung verantwortlich. Als Mitglied der Initiative Tierwohl erhalte dieser Betrieb Prämienzahlungen dafür, dass er gehobene Tierwohlkriterien umsetze. Zu den Basiskriterien gehören zum Beispiel: tierschutzgerechter Haltung, Hygiene und Tiergesundheit. Die Tierschützer berichten allerdings auch hier von Schweinen mit schweren Verletzungen, verkoteten Betonspaltenböden und "unendlicher Monotonie" im Lebensalltag.

ARIWA kommt zu dem Fazit: "Auch dort, wo führende Branchenvertreter eine Mitverantwortung für die Tiere tragen, ist das Leben und das Wohlbefinden dieser fühlenden Lebewesen nichts wert." Die Tierschützer stellen die bedrückende Frage: "Wenn derart extremes Leid schon in Betrieben an der Tagesordnung ist, bei denen führende Branchenvertreter eine Mitverantwortung tragen, was sagt das erst über den generellen Zustand in Deutschlands Tierindustrie aus?"

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