"Habe Besseres zu tun": Drosten liefert sich Twitter-Beef mit der BILD

26.5.2020, 10:37 Uhr
Der Virologe Christian Drosten von der Charité Berlin steht nicht zum ersten Mal im Kreuzfeuer der öffentlichen Diskussion. Dieses Mal geht es jedoch nicht direkt um seine Äußerungen und Ratschläge zum Umgang mit dem Coronavirus, sondern um eine öffentliche Auseinandersetzung mit der Bild-Zeitung auf Twitter.

Der Virologe Christian Drosten von der Charité Berlin steht nicht zum ersten Mal im Kreuzfeuer der öffentlichen Diskussion. Dieses Mal geht es jedoch nicht direkt um seine Äußerungen und Ratschläge zum Umgang mit dem Coronavirus, sondern um eine öffentliche Auseinandersetzung mit der Bild-Zeitung auf Twitter. © Christophe Gateau, dpa

Virologe Drosten der Berliner Charité ist in jüngster Vergangenheit des Öfteren ins Fadenkreuz der Berichterstattung durch die Bild-Zeitung geraten. In der jüngsten Sache setzt sich der Wissenschaftler nun aktiv via Twitter zur Wehr.



Konkret geht es um einen Bericht, der am Montag im Boulevardblatt erschienen ist. Die Bild titelt darin: "Drosten-Studie über ansteckende Kinder grob falsch - Wie lange weiß der Star-Virologe schon davon?" Darin geht es um eine Untersuchung von Ende April, bei der Drosten und sein Team zum Ergebnis gekommen sind, dass Kinder genauso infektiös sein können wie Erwachsene. Im Artikel wirft die Bild dem Virologen vor "unsauber gearbeitet" zu haben und zitiert aus Schriften einiger Wissenschaftler, anhand derer vermeintliche Schwächen der Methoden aufgezeigt werden sollen, die in der Drosten-Studie verwendet wurden.

Twitter-Gewitter

Bereits im Vorfeld der Veröffentlichung des Bild-Artikels bezieht Drosten Stellung und kündigt den Bericht auf Twitter an, dass die Bild eine "tendenziöse Berichterstattung" über ihn mit "Zitatfetzen von Wissenschaftlern ohne Zusammenhang" plane. Dem Tweet beigefügt ist das Anschreiben des Bild-Redakteurs, worin Drosten mit den besagten Zitierfetzen von vier Professoren der Uni Bonn, Zürich und Mannheim sowie von der amerikanischen Cornell University konfrontiert wird. Der Redakteur bittet ihn zudem um eine kurzfristige Stellungnahme binnen einer Stunde.

Im ersten Tweet von Drosten waren auf dem Anschreiben die Kontaktdaten wie Mail-Adresse und Mobilnummer des Redakteurs deutlich erkennbar. Dieser Tweet wurde vom Virologen jedoch bereits gelöscht und durch einen zweiten ohne besagte Informationen ersetzt.

Der Tweet von Drosten wurde bisher (Stand: 26. Mai, 9 Uhr) über 8000 mal geteilt und ist mehrfach kommentiert worden. Dabei spalten sich die Lager in Solidaritätsbekundungen aber auch Gegenstimmen, die sich unter anderem gegen die Veröffentlichung der Daten des Journalisten richten.

Zu den Kritikern an der Datenfreilegung gehört etwa der ZDF-Hauptstadtkorrespondent Florian Neuhann. Er bezieht sich auf die Kritik des stellvertretenden Bild-Chefredakteurs Paul Ronzheimer, die sich wiederum auf die Veröffentlichung der Daten des Redakteurs bezieht.

Zustimmung zur Studie an sich erhält Drosten von seinem Virologen-Kollegen und SPD-Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach. Er mache sich "keine Sorgen" und bescheinigt die Methodik der Studie als "einwandfrei". Den Tweet von Drosten hat der Politiker dabei samt Anschreiben an seine Aussage angehängt.

Professoren distanzieren sich von Berichterstattung

Der im strittigen Artikel zitierte deutsche Ökonom Jörg Stoye, der an der Cornell-Universität in den USA Statistik lehrt, distanziert sich in einem Interview mit dem Spiegel von der unsachgemäßen Verwendung seiner Aussagen. "Ich will nicht Teil einer 'Bild'-Kampagne sein. Ich hatte keinen Kontakt zu 'Bild', sie haben mich nicht angefragt, ich habe mich auch nicht angeboten." Die von ihm im Bericht verwendeten Zitate stammen aus einem Aufsatz, den er auf Englisch verfasst hat und Bild "recht freihändig übersetzt" habe. "So, wie 'Bild' meine Zitate verwendet, stehe ich auf keinen Fall dazu."

Auch die im Bericht zitierten Professoren Dominik Liebl von der Uni Bonn sowie der Mannheimer Christoph Rothe meldeten sich mittlerweile via Twitter zu Wort. Beide wollen nichts von der Bild-Anfrage gewusst haben und distanzieren sich eindeutig von "dieser Art" der Berichterstattung.

Für die Bild meldete sich der stellvertretende Chefredakteur, Paul Ronzheimer, auf Twitter zu Wort. Dabei kritisiert er nicht das Vorgehen des Redakteurs aus dem eigenen Hause, sondern echauffierte sich vielmehr über die positiven Reaktionen aus der Netzgemeinde über die Veröffentlichung der persönlichen Daten eines Journalisten.


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