Regenbogenfarbene Kennzeichnung

Nur für LGBTQs und Migranten? Streit um neue "Vielfalt-Parkplätze" - Wer darf dort stehen?

Tobi Lang
Tobi Lang

Online-Redakteur

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1.10.2021, 09:11 Uhr
Unter anderem unter diesem Post regt sich Widerstand gegen die

Unter anderem unter diesem Post regt sich Widerstand gegen die "Vielfalt-Parkplätze".  © instagram.com/hanau_erleben

Zu übersehen sind die neuen Parkplätze in einer Tiefgarage im hessischen Hanau jedenfalls nicht. Die Wand hinter den Stellplätzen ist in Regenbogenfarben gestrichen, in großen Buchstaben prangt darauf: "Vielfalt-Parkplätze." Damit will die städtische Parkhaus Gesellschaft (HPG) ein "Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit setzen", wie deren Aufsichtsratschef Thomas Morlock mehreren Medien sagte. Aber es geht nicht nur um eine Geste, ein Symbol, die Parkplätze sollen auch einen ganz praktischen Nutzen haben. Sie sind etwa kameraüberwacht, was vor Übergriffen auf LGBTQs und Migranten schützen soll. Die Stellplätze seien für alle, "die einen besonderen Bedarf nach Schutz und Sicherheit im öffentlichen Raum haben", sagte Morlock dem Magazin queer.de.

Die Parkplätze sind nur wenige Tage alt - und schon tobt eine Diskussion im Netz. "Ich finde, dass hier Aktionismus mal wieder Vernunft schlägt", schreibt etwa einer auf Instagram. "So stigmatisiert man Menschen. Das ist umgedrehter Rassismus." Der Blog tomate.su, der sich für die Rechte von LGBTQs einsetzt, schreibt:

"Diese Parkplätze sind ein tolles Beispiel für Pinkwashing. Durch das Aufklatschen des Regenbogens an die Wand wird mit minimalem Aufwand versucht zu suggerieren, dass queere Menschen ihr Geld in der Innenstadt lassen, es gibt da extra Parkplätze für sie und sie sind damit geschützt. Farbe ist keine Infrastruktur und ersetzt erst recht keine Politik, aber genau das passiert hier. Ein lächerliches Symbol wird an die Wand gemalt und jetzt ist alles gut."

Parkhaus-Chef: Stellplätze "nicht für gesonderten Personenkreis"

Auch innerhalb der Hanauer LGBTQ-Szene gibt es Kritik. Der örtliche Verein, der etwa den Christopher-Street-Day initiiert, reagierte auf die Debatte. "Die Aktion und die dahinterstehende Botschaft werden missverstanden", schreiben die Verantwortlichen. "Es geht, entgegen der Annahme vieler Kommentator*innen in Social Media, eben nicht darum, dass bestimmte Kriterien erfüllt sein müssen, um diese Parkplätze nutzen zu dürfen. Alle Personen, die auf diese Art und Weise Position gegen Hass und Ausgrenzung beziehen wollen, können ihr Auto dort abstellen, ebenso wie diejenigen, die ein besonderes Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit im öffentlichen Raum verspüren."

Doch für wen sind die Parkplätze nun gedacht? Das blieb lange unklar. Gegenüber der Bild-Zeitung rudert der HPG-Chef Thomas Morlock zurück. Die Stellplätze seien nicht "für einen gesonderten Personenkreis" reserviert. Stattdessen wolle man ein "auffällig buntes Zeichen" für "Vielfalt und Toleranz" setzen. Die Debatte im Netz aber tobt bereits.