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Nürnberger Expertin rät von veganer Ernährung bei Kindern ab

Pflanzliche Ernährung kann den Nährstoffbedarf nicht decken - 23.08.2019 09:41 Uhr

Kinder sollten nicht vegan ernährt werden - da sind sich deutsche Experten einig. Zu groß ist das Risiko für eine Mangelernährung. © Vikvarga//pixabay/Lizenz CC0


Haferflocken, Kartoffeln, Brot, Tofu, Reis, Erdnussbutter, Obst, Rosinen und Reismilch. Das hat ein Ehepaar aus Australien seiner 19 Monate alten Tochter zu essen gegeben. Sonst nichts. Dafür sind Mutter und Vater nun zu je 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden. "Es liegt in der Verantwortung aller Eltern, dafür zu sorgen, dass die Ernährung ihrer Kinder ausgewogen ist und ausreichend Nährstoffe enthält, um richtig zu wachsen", sagte die Richterin.

Das kleine Mädchen war erst so weit entwickelt wie Babys sonst mit drei Monaten. Es hatte keine Zähne, obwohl Säuglinge die ersten üblicherweise zwischen dem vierten und sechsten Monat entwickeln. Und es wog keine fünf Kilo – normal wäre rund das Doppelte.

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"Bei Kindern oder gar Babys wird vegane Ernährung auf keinen Fall empfohlen", sagt Julia Böhm, Ernährungsberaterin am Klinikum Nürnberg. "Da fehlen zu viele Nährstoffe, die man aufwändig durch zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel und Ersatzprodukte zuführen müsste. Und deren Zusammenspiel ist zu komplex für eine ausgewogene Ernährung während der Entwicklung."

Auch Schwangere sollten auf sich achten

Schon während der Schwangerschaft sollten sich werdende Mütter, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, beraten lassen. "Auch Frauen, deren Ernährung nicht eingeschränkt ist, haben in dieser Zeit einen erhöhten Bedarf, etwa an Eisen und Jod", erklärt Böhm. "Daher ist es bei vegetarischer oder veganer Kost noch wichtiger, auf eine ausreichende Versorgung für Mutter und Kind zu achten." Sonst droht schon dem ungeborenen Baby eine Mangelernährung.

Unabhängige Informationen bietet zum Beispiel das Netzwerk "Gesund ins Leben", das am Bundeszentrum für Ernährung angesiedelt ist. Darin haben sich die Berufsverbände der Frauen-, Kinder- und Jugendärzte sowie des Deutschen Hebammenverbands zusammengeschlossen, um junge Familien zu beraten. Das Netzwerk gibt auch Empfehlungen zu vegetarischer und veganer Kost in der Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern heraus.

Ärztliche Beratung kann Entwicklungsstörungen vorbeugen

"Eltern können ihr Kind vegetarisch, also ohne Fleisch und Fisch, ernähren, wenn es Milch, Milchprodukte und Eier bekommt und die Ernährung ausgewogen und abwechslungsreich ist", schreiben die Experten. Bei Schwangeren empfehlen sie, die Versorgung mit kritischen Nährstoffen ärztlich überprüfen und sich individuell beraten zu lassen. "Jeder Mensch ist anders und im Internet kursiert zu viel Halbwissen und Ideologie, als dass man sich da seriös selbst einlesen könnte", rät Böhm. Am Nürnberger Klinikum bieten sie und ihre Kollegen Beratung an, die auch die Krankenkassen teilweise übernehmen.

Ein "kritischer Nährstoff" ist etwa das Vitamin B 12, das fast ausschließlich in Fleisch, Fisch, Eiern und Käse enthalten ist. "Auch Eiweiß ist ein wichtiges Thema, weil Proteine aus pflanzlichen Nahrungsmitteln für den Körper oft nicht so gut erschließbar sind wie aus tierischen Produkten", erklärt Böhm.

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Bei veganer Ernährung fehlen zudem oft Vitamin B2, Vitamin D, Kalzium, Zink, Eisen, Jod, Selen und langkettigen Omega-3-Fettsäuren. "Da kommt eben eine ganze Menge an wichtigen Nährstoffen zusammen", sagt Böhm. "Manche wissen nicht und können auch gar nicht wissen, was davon jetzt genau in möglichen Ersatzprodukten steckt und das macht es so schwierig." Mandel- oder Reismilch enthält eben nicht die gleichen Nährstoffe wie Kuhmilch und ist deshalb auch kein geeigneter Ersatz für ein Kind. "Darin sind weniger Eiweiß und Kalzium enthalten."

Die Folgen können Wachstums- und Entwicklungsstörungen sein, der Knochen, Muskeln, aber auch des Gehirns und Nervensystems. "Je einseitiger die Ernährung und je jünger das Kind, desto größer ist das Risiko für einen Nährstoffmangel", heißt es beim Netzwerk. Das gilt nicht nur für vegane Kost, sondern auch bei zu viel Fast Food und Süßigkeiten. Erst wenn Kinder ausgewachsen sind, gebe es weniger Bedenken. 

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