Arbeitsunfähigkeit

Rückwirkende Krankschreibung: Was ist erlaubt?

16.9.2021, 15:45 Uhr
Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung muss nach dem dritten Tag der Abwesenheit vorliegen.

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung muss nach dem dritten Tag der Abwesenheit vorliegen. © Patrick Pleul, dpa

Laut Gesetz muss eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nach drei Tagen Abwesenheit vorliegen, also am vierten Tag nach Beginn der Erkrankung. Außerdem darf ein Arbeitgeber die Bescheinigung auch früher verlangen, wenn das im Arbeits- oder Tarifvertrag so geregelt ist.

Manchmal kann es jedoch vorkommen, dass man es nicht direkt schafft, zum Arzt zu gehen. Zum Beispiel, weil man sich zu schlecht fühlt, um eine Arztpraxis aufzusuchen.

Rückwirkende Krankschreibung in Ausnahmefällen erlaubt

Ein Arzt hat die Befugnis, Sie rückwirkend krankzuschreiben, wenn Sie eindeutig nachvollziehbar darlegen können, dass Sie bereits an den vergangenen Tagen nicht arbeitsfähig waren. Es handelt sich dabei um eine Ermessensentscheidung des behandelnden Arztes.

Dieser Ausnahmefall ist für maximal drei Tage im Nachhinein möglich. Dabei werden Samstage und Feiertage eingerechnet. Ein persönlicher Besuch in der Arztpraxis ist zudem notwendig.

Geregelt wird das in Paragraph 5 der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie (AU-RL). Konkret steht dort: "Eine Rückdatierung des Beginns der Arbeitsunfähigkeit auf einen vor dem Behandlungsbeginn liegenden Tag ist ebenso wie eine rückwirkende Bescheinigung über das Fortbestehen der Arbeitsunfähigkeit nur ausnahmsweise und nur nach gewissenhafter Prüfung und in der Regel nur bis zu drei Tagen zulässig."

Nicht nur der Arbeitgeber benötigt anschließend ein Exemplar des Attests, sondern auch die Krankenkasse. Hierzu bleiben sieben Tage Zeit.

Alternativen zum Arztbesuch

Statt auf eine rückwirkende Krankschreibung zu hoffen, kann sich bis zum 31. Dezember 2021 auch telefonisch krank schreiben lassen - bei leichten Atemwegserkrankungen und für bis zu sieben Kalendertage. Diese Ausnahmeregelung wurde wegen Corona eingeführt und im September nochmals verlängert

Der Arzt muss den Patienten dafür am Telefon ausführlich befragen. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erhält der Kranke dann per Post.

Daneben gibt es auch die Option eines Hausbesuchs. Ärzte sind dazu verpflichtet, Hausbesuche durchzuführen, wenn der Patient aus gesundheitlichen Gründen nicht zu ihnen kommen kann. Ablehnen darf ein Arzt nur in Ausnahmefällen.

Rechte des Arbeitgebers

Sollten Sie versäumt haben, sich rechtzeitig eine Krankschreibung ausstellen zu lassen und keine rückwirkende Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung von Ihrem Arzt erhalten, hat der Arbeitgeber das Recht, Ihre Gehaltszahlung auszusetzen, Sie abzumahnen oder Ihnen zu kündigen. Wichtig ist in diesem Fall eine Entschuldigung und Erklärung des Arbeitnehmers.

Folgebescheinigung nicht ausgeschlossen

Es gilt zu beachten, dass bei länger anhaltender Krankheit trotzdem wieder ein Arzt aufgesucht werden muss. Eine Folgebescheinigung ist bei einer rückwirkenden Krankschreibung also keineswegs ausgeschlossen.

Dieser Artikel vom 30. August wurde am 16. September aktualisiert.

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