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Tag des Klopapiers: Das passiert in der Kläranlage

Nach dem Spülen gesellt sich das Papier zu Kippen, Kondomen und toten Ratten - 26.08.2019 17:00 Uhr

Was landet alles in der Toilette, was nicht reingehört? © NN-Archiv


Heute ist der "Tag des Toilettenpapiers". Es soll bereits im 14. Jahrhundert in China erfunden worden sein und gehört heute unverzichtbar zum Alltag in aller Welt. Doch was passiert, wenn wir das Toilettenpapier dafür benutzt haben, wofür es hergestellt worden ist? Wir drücken auf die Spülung und es verschwindet im Abwasserkanal. Ganz weg ist es damit aber keineswegs, weiß Andreas Ott.

Ott ist Abwassermeister in der Rother Kläranlage am Büchenbacher Weg. Bei ihm enden 195 Kilometer Abwasserkanäle aus der ganzen Stadt, und logischerweise landet das benutzte Toilettenpapier zusammen mit allem anderen, was in WCs, Spül- und Waschbecken-Abflüssen oder Gullys verschwindet.

Ott hat uns erklärt, was in der kommunalen Kläranlage so alles ankommt und was dort damit passiert. Zuerst muss das Abwasser durch eine sogenannte Rechenanlage. Die "entfernt alles aus dem Wasser, was man sehen kann". Also auch die Überreste von Hygiene-Feuchttüchern, in Gullys gespültes Laub, kleinere Äste und "Sachen, die eigentlich nicht ins Abwasser gehören", so Ott. Er und seine Mitarbeiter finden in der Rechenanlage allerhand mehr oder weniger eklige Dinge wie benutzte Kondome und Tampons, Damenbinden und Zigarettenkippen.

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Mitunter fängt der Rechen auch größere Gegenstände ab, etwa Tennisbälle, Putzlappen und Unterhosen. "Nach einem starken Regen kommen hier auch tote, aufgeblähte Ratten an", meint Ott. Als Abwassermeister darf einen so etwas nicht stören, es gehört zum Job.

Nach dem Rechen kommt der Sandfang, der – ganz seinem Namen nach – groben Sand und Kies aus dem Abwasser holt, bevor es im Vorklärbecken landet. Erst dort werden "menschliche Ausscheidungen und der ganze ungelöste Schmutz" entfernt. Auf diese Weise fallen jeden Tag rund 100 Kubikmeter Klärschlamm an. Wie man sich denken kann, gibt es Substanzen, die besser aussehen und riechen. Aber auch das gehört dazu, zum Job.


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Erst jetzt folgt die sogenannte biologische Klärung des Abwassers. "Das erkläre ich immer so", meint Ott: "In den Klärbecken arbeiten Mikroorganismen, die die gelösten Bestandteile aus dem Wasser rausfressen." Also zum Beispiel Stickstoffverbindungen wie Nitrit, Nitrat und Ammonium oder Phosphate. Die Mikroorganismen, die hier für saubere Verhältnisse sorgen, werden bei der Nachklärung wieder aus dem Wasser geholt und wieder verwendet. Am Ende fließt das Wasser, das nun zu 98 bis 99,6 Prozent gereinigt ist, in die Rednitz.

Bleibt eine Frage zum Tag des Toilettenpapiers: Warum wird man ausgerechnet Abwassermeister und nicht Fußballspieler, Lkw-Fahrer oder Schauspieler? "Filmstar werden wollte ich nie", antwortet Ott. Als er sich damals 1985 für eine Berufsausbildung entschied, sei der Beruf "Fachkraft für Umwelttechnik" gerade ganz neu gewesen: "Den gab’s da grad ein Jahr". Außerdem habe ihn Vielfalt und Abwechslung gereizt: "Man ist mal draußen, mal im Büro." Bereut hat Ott seine Berufswahl nicht. Auch wenn bei ihm tote Ratten und benutztes Klopapier landen.


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Martin Regner E-Mail

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