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Amazonas-Abholzung: Der gefährlichste Mann der Erde

Unter Brasiliens Präsidenten wird vor den Augen der Welt das Klima zerstört - 23.08.2019 11:04 Uhr

Der Regenwald wird seit Jahrzehnten abgeholzt - in diesem Jahr hat die Zerstörung aber neue Dimensionen angenommen. © Archivfoto: dpa


Drei Fußballfelder pro Minute – so hoch ist die Schlagrate im Amazonas dieser Tage, wie aus Satellitenbildern hervorgeht. Dazu tobt ein riesiger Brand in dem Regenwaldgebiet. Wer sich dieser gigantischen Vernichtung entgegenstellt, wie Umweltschützer und Ureinwohner, muss mit gewaltsamer Vertreibung und dem Tod rechnen.

Die Entfesselung geht auf den Mann zurück, den die Brasilianer Ende 2018 zu ihrem Präsidenten machten: Jair Bolsonaro, einen erklärten Anhänger der Militärdiktatur. Es gibt gute Argumente, Bolsonaro als den gefährlichsten Mann der Erde zu bezeichnen: Seit er im Amt ist, räumt er der Agrarindustrie jedes Hindernis aus dem Weg.

Einer Industrie, deren Hunger nach immer neuen Flächen für die Rinderzucht Resultat der weltweiten Nachfrage nach Fleisch ist, auch aus Europa. Womit sich die Verantwortung dafür, was im Amazonas passiert, nicht allein auf die Brasilianer abwälzen lässt.

In Brasilien einmarschieren?

Der Verlust des Regenwaldes ist doppelt gefährlich für das Weltklima: Zum einen, weil der Regenwald so etwas wie die grüne Lunge der Erde und ein gigantischer CO2-Speicher ist; zum anderen, weil auf den gerodeten Flächen bald Viehfutter angebaut wird oder Rinder grasen werden, die Methan – und damit ein noch gefährlicheres Klimagas als CO2 – ausstoßen.

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Grüne Lunge in Gefahr: Tausende Waldbrände wüten im Amazonas

Es sind Bilder einer Flammenhölle: Im Amazonasgebiet wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren und bringen die grüne Lunge in Gefahr. Insgesamt wurden seit Januar 72.843 Brände registriert - besonders betroffen: der Amazonas Regenwald. Derzeit kämen aufgrund der Trockenheit täglich mehr als 1000 neue Brandherde dazu. Frankreichs Präsident Macron hat zu einem Krisen-Gipfeltreffen aufgerufen.


Weil die Vernichtung des Amazonas Auswirkungen nicht nur auf Brasilien, sondern auf die gesamte Erde hat, warf der Harvard-Professor Stephen Walt kürzlich die Frage auf, ob es nicht möglich sei, in Brasilien einzumarschieren.

Völkerrechtlich ließe sich diese Verletzung der nationalen Souveränität – ähnlich wie ein Eingreifen in einen Völkermord – mit dem Konzept der "responsibility to protect", der Schutzverantwortung der internationalen Gemeinschaft, wie sie ausgehend auch von den Nürnberger Prozessen entwickelt wurde, rechtfertigen. Es sei, so Walt, "nur eine Frage der Zeit", bis eine Militärintervention fürs Klima einmal Realität werde.

Jair Bolsonaro. © Eraldo Peres/AP (dpa)


Deutschlands Verantwortung

In Deutschland machen sich derweil Kritiker einer Politik für mehr Klimaschutz die Amazonas-Abholzung zunutze – und sagen: Das kleine Deutschland wird angesichts solch gigantischer Zerstörung das Klima nicht retten. Abgesehen davon, dass ein "Die anderen sind aber viel schlimmer" stets ein schwaches Argument ist, muss ihnen entgegengehalten werden: Nur wer früh dran ist mit neuen Ideen für mehr Klimaschutz, kann zum Innovationsstandort werden.

Zum anderen wird Deutschlands Vorreiterrolle oft unterschätzt: Wer schon einmal außerhalb Europas unterwegs war, egal wo, der weiß, dass die Welt durchaus auf das blickt, was die Deutschen da machen – manchmal mit Ver-, meist aber mit Bewunderung. 

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